Berlin

Festempfang beim Zentralrat

Helden der Sowjetunion, Orden des Vaterländischen Krieges erster und zweiter Klasse, Orden aus Israel und Russland – mit Stolz hatten die jüdischen Veteranen am Freitag all ihre Auszeichnungen an die Brust geheftet.

Denn es gab allen Grund zu feiern: Anlässlich des 70. Jahrestages des Sieges über Nazideutschland hatte der Zentralrat der Juden die Mitglieder des Bundesverbandes der Veteranen, Ghetto- und KZ-Gefangenen sowie Überlebenden der Leningrader Blockade zu einem großen Festempfang ins Centrum Judaicum eingeladen.

Der Zentralrat ehrte die Anwesenden zudem erstmalig mit einer Ehrennadel und einer Ehrenurkunde. Aus jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland waren etwa 80 Veteranen angereist. Zur Begrüßung bekräftigte Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats, das Anliegen gerade junger Juden in Deutschland, »das Gedenken an unsere Veteranen stets mit einem festen Platz in unseren Herzen zu ehren«.

Zukunft In seiner Ansprache wandte sich Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrates, mit warmherzigen, persönlichen Worten an die ehemaligen Kämpfer der Roten Armee. Er würdigte insbesondere ihre Tapferkeit, ihren Mut und vor allem ihre Selbstlosigkeit im Kampf gegen die Nazis. »Sie haben uns eine Zukunft gegeben und zum Überleben unseres jüdischen Volkes in Europa beigetragen«, sagte Dainow.

Dass die Veteranen erst Deutschland von den Nazis befreit und ihm dann ihre Kinder und Enkel anvertraut hätten, habe zur Schaffung einer »jüdischen Gegenwart und Zukunft in diesem Land maßgeblich beigetragen«, sagte Dainow.

Er wies darauf hin, dass sich innerhalb der Roten Armee 500.000 jüdische Soldaten dem Kampf gegen die Nazis stellten. »Das sind 500.000 Gründe, stolz zu sein und diesen Tag, so schmerzhaft er erreicht wurde, zu feiern. Sie alle sind und bleiben für immer unsere Helden und großen Vorbilder«, betonte der Zentralrats-Vize.

Stolz Der 9. Mai sei ein fester Bestandteil im Gedenken unserer Gemeinden, unterstrich Gemeinderabbiner Jonah Sievers. Der Tag sei ein »Tag des Stolzes, für Sie und für uns alle, auch in Zukunft«.

Nach dem Grußwort und dem Gebet El Male Rachamim des Rabbiners überreichte Zentralrats-Vizepräsident Dainow gemeinsam mit den Präsidiumsmitgliedern Barbara Traub und Milena Rosenzweig-Winter sowie dem Berliner Gemeindevorsitzenden Gideon Joffe und Schülern des Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn jedem einzelnen Veteran die Ehrennadel des Zentralrats – ein Stern, aus dem eine Flamme entspringt.

Dass der 9. Mai erstmalig in diesem großen festlichen Rahmen begangen wurde, fand bei den Veteranen viel Zuspruch. Stolz heftete sich Jekaterina Lotoshe die Ehrennadel neben ihre anderen Orden. »Ich wünsche mir, dass unsere nachfolgenden Generationen so hingebungsvoll sein werden, wie wir es waren«, sagte die 93-Jährige sichtlich bewegt. »Wir haben die Menschen damals beschützt. Ich wünsche mir, dass unsere Kinder und Enkel das auch tun werden.«

Ehre Petro Feldmann, Vorsitzender des Bundesverbandes der Veteranen, freute sich über die Ehrung durch den Zentralrat. »Wir feiern den Tag des Sieges mit Tränen in den Augen«, sagte der 90-Jährige. »Vor Schmerz über die Verluste. Aber auch deshalb, weil der Beitrag der Roten Armee in deutschen Geschichtsbüchern noch immer nicht gebührend beleuchtet wird.«

Mit besonderer Freude überreichte er daher Schülern des Jüdischen Gymnasiums den gerade erschienenen dritten Band der Trilogie Lebende Erinnerungen für die Jugend.

Die Festveranstaltung wurde musikalisch von Boris Rosenthal, Leo Ellenzweig und Schülern des Jüdischen Gymnasiums begleitet – bei Klängen russischer, jiddischer und hebräischer Lieder und einem russisch-jüdischen Buffet.

Lesen Sie mehr in unserer nächsten Printausgabe.

Porträt der Woche

Die Kraft der Sichtbarkeit

Rivkah Schwarzbart entwirft seit dem 7. Oktober jüdischen Schmuck und lebt in München

von Katrin Diehl  05.07.2026

Kommentar

Meine Angst

Was es heißt als Jude in Deutschland nach dem 7. Oktober zu leben. Ein Aufschrei von André Herzberg

von André Herzberg  05.07.2026

Schule

Blick nach vorn

Das Helene-Habermann-Gymnasium in München verabschiedete seine Abiturientinnen und Abiturienten – und feierte zugleich zehnjähriges Bestehen

von Ellen Presser  05.07.2026

Lesung

Sprache statt Wurzeln

Die aus dem Irak stammende Schriftstellerin Mona Yahia stellte in München ihr neues Buch über jüdisches Leben im arabischen Raum vor

von Nora Niemann  05.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026

Sachsen-Anhalt

»Eine offene Tür ist unsere Antwort«

Landesverbands-Geschäftsführerin Rimma Fil über wachsenden Antisemitismus, Sorgen vor der Landtagswahl und den festen Willen der jüdischen Gemeinden, sichtbar zu bleiben

von Christine Schmitt  01.07.2026

Verlegung

Magdeburg erhält 900. Stolperstein

Seit 2007 wird in Magdeburg mit Stolpersteinen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die nunmehr 47. Verlegung wurde auf zwei Tage verteilt

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026