Hamburg

Fest- und Herdplatte

Israelische Filmemacherin entwickelt Onlineplattform für Mütter in Medienberufen

von Moritz Piehler  16.04.2012 18:18 Uhr

Medienfrau: Michal Hirsch hat Erfolg mit ihrer Idee, technische Netzwerke zu nutzen. Foto: Moritz Piehler

Israelische Filmemacherin entwickelt Onlineplattform für Mütter in Medienberufen

von Moritz Piehler  16.04.2012 18:18 Uhr

Michal Hirsch sprüht vor Energie. Wenn sie spricht, ist der ganze Körper beteiligt. Stets untermalen ihre Hände ihre Worte. Die Lebensfreude ist der dreifachen Mutter deutlich anzumerken. Sie öffnet die Wohnungstür und strahlt den Besucher freundlich an. In der Küche stapelt sich das frische Gemüse. Ihre Mutter, die aus Israel zu Besuch ist, hantiert mit Pfannen und Töpfen, um das Mittagessen vorzubereiten.

Heimelig ist es in der Altbauküche, durch die normalerweise die drei Kinder der Familie flitzen oder an ihrem Spielzeugherd mitkochen. Heute sind sie in der Schule und im Kindergarten, sodass Zeit bleibt, um über Michal Hirschs Projekt zu sprechen. »Ich bin ganz froh, dass meine Mutter da ist, um für uns zu kochen, das mache ich nämlich nicht so gerne«, verrät Hirsch.

MIttelpunkt Doch die Küche ist trotzdem ein Lebensmittelpunkt der Familie Hirsch, unter anderem, weil hier die Ideen und Gespräche zu ihrem Projekt »die mamis« entstanden sind. »Am Küchentisch haben sich alle getroffen, der Musikproduzent, der Onlinemanager, die Cutterin und natürlich die Kinder«, erzählt Hirsch.

Ihr Plan: Frauen zu ermöglichen, ihre medialen Ideen und Projekte umzusetzen, ohne dabei auf das Muttersein verzichten zu müssen. Letztlich soll »die mamis« eine Strukturplattform im Internet sein. »Ich kenne so viele Mütter, die schon immer eine Idee hatten und sich nie getraut haben, sie zu verwirklichen – denen möchte ich ein Netzwerk und eine Plattform bieten.«

Michal Hirsch kam 1996 nach Deutschland, nachdem sie ihr Filmstudium in Tel Aviv beendet hatte. Zunächst lebte sie in München, wo sie auch einen Teil ihrer Kindheit verbracht hatte, dann vor acht Jahren, schon hochschwanger mit der ersten Tochter, kam sie nach Hamburg, wo ihr Partner als Kameramann arbeitete.

FAmilie »Ich habe gerade noch den letzten Flieger genommen«, erinnert sie sich lachend, denn langsames Reisen kommt für sie nicht infrage. Im kühlen Hamburg brauchte die temperamentvolle Mutter eine Weile, um sich heimisch zu fühlen. Unter ihren dunklen Locken stecken viele Ideen. Deshalb stand auch fest, dass sie nach ihrer Kinderauszeit – die beiden Töchter sind vier und sieben Jahre alt, der Sohn fünf – wieder arbeiten wollte. Allerdings in einem Alltag, der auch Platz für die Familie lässt.

Einen Vollzeitjob mit Zwölf‐Stunden‐Tagen, wie in ihrer Zeit als TV‐Producerin, kann sie sich im Moment nicht vorstellen: »Ich will einfach mit meinen Kindern zu Hause sein und miterleben, wie sie aufwachsen.« Doch durch die modernen Kommunikationsmöglichkeiten sei ihr Job in dieser Form erst möglich geworden. »Eltern verbringen ja sehr viel Zeit mit Warten. Mithilfe von Smartphone und E‐Mail kann ich diese Zeit zum Arbeiten nutzen.«

Projekte Für das erste Projekt, die eigene Musik‐DVD, konnte sie Freunde und Bekannte gewinnen. Professionell sollte es aber dennoch sein, und so sind die Aufnahmen in einem Musikstudio von Produzent Thomas Hettwer mit der Studiomusikerin Madeleine Lang aufgenommen worden. Kamera und Licht übernahm Ehemann Felix, und auch Schnitt und Vermarktung sind in professionellen Händen.

»Mark Fraser, der die Markenbildung für uns macht, kenne ich aus dem Kindergarten. Der hatte so etwas immer für seine eigene Tochter gesucht.« Die Unterstützung von Freunden und Familie war lebenswichtig für das Vorhaben. Seit März ist die Seite online. Zur DVD kommt bisher sehr viel positives Feedback, die nächsten Projekte und eine zweite DVD sind schon in Planung.

Während es in der Küche weiter aus den Kochtöpfen dampft und verführerischer Gemüseduft herüberweht, führt Michal Hirsch im Arbeitszimmer die Musikvideos vor. Der Raum ist – wie bei dieser multitaskingfähigen Hausherrin kaum anders zu erwarten – multimedial eingerichtet: Er dient als Schnittraum, Büro und Esszimmer am Schabbat.

Die DVD zeigt die Kinder, wie sie zu den bekannten Liedern durch Bäche planschen und durchs Wohnzimmer toben, ganz natürlich, ohne aufgesetzt oder gekünstelt zu wirken. Das ist auch das Konzept hinter der DVD, für deren Erstellung Hirsch mit einem Entwicklungspsychologen, der lange auch die Sendereihe »Sesamstraße« beriet, zusammenarbeitete.

Kindheitserinnerung Die Liedauswahl erfolgte letztlich nach persönlichem Geschmack. »Das sind Stücke, die mir mein Vater früher in Israel vorgesungen hat und die ich selbst toll finde«, bekennt Hirsch. Nach und nach fand sie aber auch heraus, welcher tiefere Sinn oft in den Liedern steckt. »Bei ›Hänschen klein‹, das es übrigens als ›Jonathan hakatan‹ – mit ihren Kindern spricht sie Hebräisch – auch in Israel gibt, geht es um Selbstständigkeit, ums Alleine‐Anziehen und solche Geschichten, die für Kinder unglaublich wichtig sind.«

Dass die Kinder auch bei der Produktion der DVD eine ganz selbstständige Rolle hatten, versteht sich da von alleine. Die Aufnahmen entstanden alle mit eigenen oder befreundeten Kindern in vertrauten Räumen, in denen die Kleinen dann improvisieren durften. Auch der Schnitt und die Länge der Videos sind ihren Bedürfnissen angepasst. Lange Sequenzen, in denen die Kinder das Bild verarbeiten können, gehören ebenso dazu wie die sogenannten »Inseln«, Pausen zwischen den Liedern, in denen sie sich ausruhen oder auch ganz abschalten können.

Freiräume Eine kleine Pause ohne schlechtes Gewissen soll die DVD übrigens auch Müttern verschaffen, das sei ein nicht ganz uneigennütziger Gedanke bei der Idee gewesen. »Manchmal braucht man als Mutter einfach mal drei Minuten für sich.« Flexibilität ist das höchste Gut in der heutigen Jonglage zwischen Schule, Freizeitgestaltung, Wünschen der Kinder und Erwartungen von außen. Da kann es schon mal sein, dass Michal Hirsch zu einem beruflichen Treffen mit den Kindern erscheint.

»Wer mit einer Firma arbeitet, die ›die mamis‹ heißt, sollte sich darüber nicht wundern. Ich finde, Kinder gehören einfach im Alltag dazu, ich schicke sie auch beim Schabbatessen nicht ins Bett, und in der Synagoge flitzen sie ebenso durch die Gegend«, sagt Hirsch. Dann flitzt sie selbst los, denn die älteste Tochter muss von der Schule abgeholt werden.

www.die-mamis.de

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