Centrum Judaicum Berlin

Erinnern ohne Zeitzeugen

Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum Foto: Marco Limberg

Wer einmal die Überlebenden Inge Auerbacher oder Margot Friedländer hat erzählen hören von Erniedrigung, Verfolgung und Tod, der wird das Grauen des Holocaust wohl nicht mehr vergessen. Aber was, wenn die Zeitzeugen nicht mehr da sind? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine neue Ausstellung im Centrum Judaicum in Berlin, die an diesem Mittwoch eröffnet wird.

»Das Ende der Zeitzeugenschaft« beleuchtet, wie viele unterschiedliche Zeugnisse von Überlebenden der Schoa es aus verschiedenen Zeiten gibt - von Augenzeugen, die direkt nach der Befreiung der NS-Konzentrationslager befragt wurden; von Tatzeugen, die in den NS-Prozessen der 1960er-Jahre aussagten; und von Zeitzeugen, die schon in fortgeschrittenem Lebensalter versuchten, die Erinnerung wachzuhalten. Die Ausstellung versucht auch, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen: Wie wurden die Menschen befragt, wie wurden die Gespräche präsentiert, ganz oder in Ausschnitten?

»Das sind subjektive Wahrheiten«, sagte die Kuratorin Anika Reichwald vom Jüdischen Museum Hohenems, die die Ausstellung entworfen und mit dem Centrum Judaicum für Berlin adaptiert hat. »Das Schweigen gehört zum Erzählen dazu.« Aus dieser Vielfalt wird deutlich: Das Erinnern ist auch mit Zeitzeugen eher ein Mosaik, ein Puzzle unterschiedlicher Eindrücke.

Wie es sich ohne die Zeitzeugen verändern wird, wisse man heute nicht, sagte Reichwald. Doch gebe es inzwischen weltweit eine »wahnsinnige Menge von Zeugnissen«, also aufgezeichnete Interviews, nach ihrer Schätzung eine fünfstellige Zahl. Wer sich dem stellt, kann das Grauen auch künftig erfahren. Das Erinnern künftiger Generationen werde anders sein, sagte Anja Siegemund, Direktorin des Centrum Judaicum. »Die Dinge werden sich ändern, sie ändern sich ständig.«

Programm

Vortrag, Führung, Finissage: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 27. August bis zum 3. September

 26.08.2026

Neuanfang

Erste Klasse

Zwischen Schultüte und Blumen: Jüdinnen und Juden öffnen ihre Fotoalben und blicken auf ihre Einschulung zurück – in Israel, im Baltikum, in der Sowjetunion sowie in Ost- und West-Berlin

von Christine Schmitt  26.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  26.08.2026

Plädoyer

Stark und selbstbewusst

Die Zeiten des Ghettos und Sich-Wegduckens gehören zum Glück der Vergangenheit an. Umso mehr sollten Juden hierzulande entschiedener für ihre Interessen eintreten

von Sacha Stawski  25.08.2026

München

Von Deutschland in die Welt

Eine Ausstellung widmet sich dem Wirken jüdischer Architekten, deren Karrieren von Verfolgung und Exil bestimmt waren. Ihre Bauten beeinflussten die Moderne maßgeblich

von Ellen Presser  25.08.2026

Dresden

Ausstellung würdigt jüdische Sportlerinnen und Sportlern

Deutsch-jüdische Sportlerpersönlichkeiten stehen im Mittelpunkt einer Präsentation. Anlässlich des Jahres der jüdischen Kultur wird sie in Dresden gezeigt

 25.08.2026

Spremberg/Forst

Stolpersteine gestohlen

Der Staatsschutz ermittelt

 24.08.2026

Dresden

Unbekannter entwendet Kippa

Der Staatsschutz der Dresdner Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen

 24.08.2026

Meinung

Jüdische Schulen: Orte der Zugehörigkeit

Der Wunsch nach jüdischer Bildung wächst, während die Strukturen zunehmend fragil werden

von Eduard Steinberg  24.08.2026