Berlin

»Er wird uns fehlen«

Dan Lahav (1946–2016) Foto: Stephan Pramme

Dan Lahav ist tot. Der israelische Schauspieler, Regisseur und Intendant des jüdischen Theaters Größenwahn starb am vergangenen Mittwoch im Alter von 70 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin, wie das Theater am Montag mitteilte.

Lahav wurde als Sohn deutsch-jüdischer Emigranten 1946 in Israel geboren. Nach dem Theaterstudium an der Universität Tel Aviv studierte er Pantomime bei Marcel Marceau und Claude Kipnis. Als Schauspieler trat er im Tel Aviver Nationaltheater Habima und im Nationalkindertheater Thilon auf.

spielstätten Er spielte Bühnenrollen an verschiedenen Schauspielhäusern Israels, darunter am deutschsprachigen Theater Gescher. Lahav führte Regie an Bühnen in Israel und Deutschland. Seit 1981 lebte und arbeitete er in Berlin. Dan Lahav gründete das deutsch-jüdische Theater Bimah, das der Regisseur 15 Jahre lang unter wechselnden Namen und an unterschiedlichen Spielstätten in Berlin betrieb.

Lahav inszenierte unter anderem sozialkritische Stücke wie Samuel Becketts Warten auf Godot, Tennessee Williams’ Glasmenagerie oder Andorra nach Max Frisch. Darüber hinaus brachte er Inszenierungen mit jüdischen Themen auf die Bühne, über das Leben von Isaac Bashevis Singer und Stefan Zweig.

Seit der Wiedereröffnung seiner deutsch-jüdischen Bühne in der Charlottenburger Meinekestraße 2015 unter dem Namen »Theater Größenwahn« setzte der Bühnenchef verstärkt auf interreligiöse Projekte und Workshops sowie auf Shows und Kabarett im Stil der 20er-Jahre.

würdigung Dazu gehörten Abende über Marlene Dietrich, Kurt Tucholsky und Friedrich Hollaender, aber auch das Theaterstück Shalom – Salam wohin?, bei dem die Begegnung zwischen verschiedenen Religionen im Mittelpunkt steht, sowie der Jiddisch-Klassiker Der Dibbuk von Salomon An-Ski, dessen Schauplatz Lahav kurzerhand in ein syrisches Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Saloniki verlegte.

Berlins Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa, Klaus Lederer, sagte, die Nachricht vom Tode Dan Lahavs habe ihn erschüttert. »Sein Wirken war eng verbunden mit der Tradition jüdischen Theaters in Berlin«, würdigte Lederer den Theatermann. »Gern hätte ich noch selbst mit ihm gesprochen, über Pläne und Zukünftiges er wird mir und uns fehlen«, sagte der Kultursenator. ja

Erinnerung

Verantwortung lebt weiter

In Dachau fand kurz vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag erstmals ein »March of the Living« statt

von Esther Martel  09.02.2026

Lerntool

Timothée Chalamet, Batmizwa und eine Davidstern-Kette

»Sich be-kennen«: Der Zentralrat der Juden bietet einen interaktiven Onlinekurs über die Vielfalt des Judentums für Schulen und interessierte Gruppen an

von Helmut Kuhn  09.02.2026

Berlin-Neukölln

Kritik am Kandidaten

Ahmed Abed sorgte jüngst für einen Eklat, als er einen israelischen Gast als »Völkermörder« beschimpfte. Doch bei der Linkspartei steht der Politiker mit palästinensischen Wurzeln hoch im Kurs

von Imanuel Marcus  09.02.2026

Restitution

Uni Frankfurt übergibt erstmals NS-Raubgut an Jüdische Gemeinde

Seit gut fünf Jahren durchforstet die Universitätsbibliothek in Frankfurt ihre Bestände systematisch nach Raubgut aus der NS-Zeit. Das Projekt trägt nun Früchte - und ist noch lange nicht abgeschlossen

 09.02.2026

Berlin

Lesen, Lernen, Spaß

Der Saftblatt-Baum stand im Mittelpunkt der Erzählstunde des Projekts PJ Library

von Naomi Gronenberg  08.02.2026

Wettbewerb

»Kein Reichtum ist größer«

Aus 13 Ländern kamen Jugendliche zum europäischen Finale des Bibelquiz Chidon Hatanach in München

von Esther Martel  08.02.2026

Porträt der Woche

Der Geheimnisträger

Leonid Komissarenko war Rüstungstechniker – und emigrierte, um seine Frau zu retten

von Anja Bochtler  08.02.2026

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  05.02.2026

Gesellschaft

Einfach machen!

Seit dem Jahr 2000 zeichnet die amerikanische Obermayer Foundation ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger aus. So wie am vergangenen Sonntag im Jüdischen Museum in Berlin

von Katrin Richter  05.02.2026