Bildung

ELES wird zehn Jahre alt

Foto: Tobias Barniske

Der Geschäftsführer des jüdischen Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES), Jo Frank, appelliert an die deutsche Zivilgesellschaft, sich mehr gegen Antisemitismus zu engagieren. »Die Opfer von Antisemitismus sollten nicht diejenigen sein, die eine Lösung für das Problem bereitstellen müssen«, sagte Frank.

ELES, das dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert, ist ein Begabtenförderwerk für jüdische Studierende und Promovierende. Antisemitismus sei nicht nur etwas, was Jüdinnen und Juden betreffe. »Es ist die Aufgabe der Gesamtgesellschaft, gegen Antisemitismus vorzugehen.«

MUSLIME Mit dem Begriff des »importierten Antisemitismus« müsse man sehr vorsichtig sein. Der historische Export des Antisemitismus aus Deutschland spiele im öffentlichen Diskurs im Moment keine Rolle. Es sei zwar keine Frage, dass Antisemitismus auch in der muslimischen Community existiere. Er könne jedoch nicht bestätigen, dass diese Haltung repräsentativ für die muslimische Community sei, sagte Frank.

ELES trete dafür ein, selbstbewusstes jüdisches Leben auf der einen Seite durchzusetzen, aber auch für das selbstbewusste religiöse Leben anderer einzutreten. »Wir glauben, dass die Schnittstelle von Religion und Gesellschaft eines der wichtigsten Themen unserer Zeit ist«, sagte Frank. Religion und Gesellschaft berührten sich im Alltag, an der Hochschule, im Beruf. Hier komme es zu intensivem Austausch, aber auch zu Auseinandersetzungen.

ELES trete dafür ein, selbstbewusstes jüdisches Leben durchzusetzen, betont Geschäftsführer Jo Frank.

Eine Chanukkafeier im nicht explizit jüdischen Kindergarten, ein Gebetsraum im Großunternehmen, die Berücksichtigung von Religion bei der Pflege - bei der gesellschaftlichen Gestaltung dieser Themen seien alle gefragt, auch Atheisten und Agnostiker. Die finanzielle und ideelle Förderung durch das Studienwerk soll Stipendiaten dazu befähigen, religiöse, politische oder gesellschaftliche Führungspositionen zu übernehmen.

UMWELT Es gebe jüdische Stimmen zu einer Vielfalt von Themen, die interessant seien, sagte Frank. »Juden können genauso zu verantwortungsvoller Umweltpolitik und der Frage nach nachhaltiger medizinischer Versorgung etwas erzählen«, betonte er. Insgesamt habe die jüdische Gesellschaft in Deutschland in den vergangenen 25 Jahren einen enormen Wandlungsprozess durchlaufen.

Auch für das selbstbewusste religiöse Leben anderer einzutreten, ist ELES wichtig.

Dies liege an Phänomenen wie Migration und Mobilität. So gebe es nicht nur jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, sondern beispielsweise viele Israelis, die nach Berlin gekommen seien, oder Jüdinnen und Juden aus Südamerika und den USA.

ELES ist eines der 13 Begabtenförderungswerke, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell mitgetragen werden. Am 10. Oktober findet im Jüdischen Museum in Berlin der Festakt zum Jubiläum mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier statt.  epd

Meinung

Das Gedenken schützen

Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation

von Reinhard Schramm, Marek Sierka  29.03.2026

Porträt der Woche

Für alt und jung

Judit Marach hat in einem Seniorenheim gearbeitet – heute ist sie Schulsekretärin

von Gerhard Haase-Hindenberg  29.03.2026

Frankfurt

Wieder zusammen

Fast neun Jahrzehnte nach dem Novemberpogrom 1938 wird der Silberschmuck einer Torarolle erstmals als Einheit präsentiert

von Eugen El  29.03.2026

Ilja Richter

Zu Hause zwischen den Stühlen

Der Schauspieler stellte sein neues Buch vor und verzauberte das Publikum mit Gesang, Rezitationen – und sogar als Bauchredner

von Nora Niemann  29.03.2026

Oldenburg

»Es ist gesund, wenn nicht alles von nur einem Rabbiner abhängt«

Seit einem Jahr amtieren Netanel Olhoeft und Levi Israel Ufferfilge in der Gemeinde. Nun wurden sie auch offiziell eingeführt. Wie funktioniert die rabbinische »Doppelspitze«?

von Mascha Malburg  28.03.2026

Jüdischer Wahlkämpfer

»Wer nicht kämpft, hat schon verloren«

David Rosenberg über den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, die Niederlage seiner Partei und warum er sich gerade als junger Jude weiter politisch engagieren will

von Mascha Malburg  27.03.2026

Kommentar

Lieber Meron Mendel, das ist keine Politik mit Kettensäge. Das nennt man Demokratie!

Öffentliche Mittel sind an Wirkung gebunden. Maßnahmen müssen überprüfbare Ergebnisse erzielen. Bleibt diese Wirkung aus, endet ihre Legitimation

von Stefan Hensel  27.03.2026

Beziehung

Von Menschen und Wölfen

Laura Goldfarb ist vieles: Therapeutin, Schauspielerin – und Autorin. Mit ihrem Mann hat sie einen Paar-Ratgeber geschrieben, der anders ist als andere. Zu Besuch im Prenzlauer Berg

von Bettina Piper  26.03.2026

Rede

Zentralrat der Juden verteidigt Karin Prien

In Erfurt sprach Josef Schuster über den Status quo Jüdischen Lebens in der Bundesrepublik. Dabei ging Schuster auch auf das Programm »Demokratie leben« und die Kritik an die Familienministerin ein

 25.03.2026