Vorträge

Ein Anschlag, der bis heute erschüttert

6. September 1972, Olympiastadion München: Trauerakt für die Opfer Foto: imago

Vorträge

Ein Anschlag, der bis heute erschüttert

Jüdisches Museum und Literaturhandlung erinnern an das Olympia-Attentat von 1972

von Helmut Reister  29.08.2016 18:37 Uhr

Es sollten die fröhlichsten Olympischen Spiele aller Zeiten werden, doch ein Trauma ungeahnten Ausmaßes wurde daraus. Die Welt hielt den Atem an, als palästinensische Terroristen am 5. September 1972 das olympische Dorf in München stürmten und neun israelische Sportler als Geiseln nahmen. Keine davon überlebte das Massaker, das von der Terrororganisation »Schwarzer September« ausgeführt wurde.

Heute, 44 Jahre später, ist die Präsenz des so lange zurückliegenden Olympia-Attentats ungebrochen. Gemeinsam mit dem Bayerischen Kultusministerium widmet sich deshalb eine Veranstaltungsreihe des Jüdischen Museums und der Literaturhandlung unter dem Titel »Von München in die Welt – Terrorismus früher und heute« der vielschichtigen Thematik, die aktueller denn je zu sein scheint.

In der Ankündigung heißt es: »Ausgehend von den palästinensischen Organisationen, die als Modellgeber des internationalen Terrorismus gelten, zeigt die Vortragsreihe Parallelen, aber auch Unterschiede zwischen früheren Organisationen und heutigen Bewegungen wie etwa dem sogenannten ›Islamischen Staat‹.« Alle drei Vorträge finden im Jüdischen Museum am Jakobsplatz um jeweils 19 Uhr statt. Kartenvorbestellungen in der Literaturhandlung unter der Telefonnummer 089 /2800135.

Terrorismus Zum Auftakt am 29. September beschäftigt sich Thomas Riegler mit dem Terrorismus der 70er-Jahre. Er zeigt auf, dass das Olympia-Attentat eine Wegscheide in der Entwicklung des modernen Terrorismus war. Während zuvor nationale Bezüge vorherrschten, hatte der Terrorakt in München internationalen Charakter – mit der Intention, weltweite mediale Aufmerksamkeit auf das »Palästinenserproblem« zu lenken. Es war zudem der erste Terroranschlag, der zu einem globalen Medienereignis wurde und überall live mitverfolgt werden konnte.

Benno Köpfer zeigt am 20. Oktober Parallelen und Unterschiede zwischen den Bildern, Emblemen und Symbolen der palästinensischen Terrororganisationen in den 70er-Jahren und heutigen dschihadistischen Bewegungen auf und versucht, die propagandistischen Botschaften hinter den Bildern zu bestimmen und zu deuten. Zwei Fragen stehen dabei im Mittelpunkt. Welche Narrative sind von besonderer Bedeutung, und welche Rolle spielen Medien bei terroristischen Ereignissen und ihrer Inszenierung?

»Gewalt im Namen der Religion: Israel- und Judenfeindlichkeit aus dem Spektrum des Islamismus und Salafismus« lautet der Titel des Vortrags von Olaf Farschid am 27. Oktober. Er beschreibt die vor allem säkular und nationalistisch-linksorientiert ausgerichteten Terrorgruppen in den 70er-Jahren, die seit Mitte der 90er durch Organisationen abgelöst wurden, die ihre Gewaltagenda vor allem mit Religion rechtfertigen. Unabhängig davon, ob diese Gruppen ideologisch zum Teil gegeneinander gerichtet sind, ist ihnen das Ziel der Zerstörung Israels und der Tötung von Juden gemeinsam.

Taglit

Emotionales Bootcamp mit Lior Raz

Israels Superstar kam kurz vor dem Start der fünften »Fauda«-Staffel nach Berlin, um sich für »Birthright« starkzumachen. Und für einen optimistischeren jüdischen Staat

von Sophie Albers Ben Chamo  09.09.2026

Kommentar

Ein Weckruf

Der AfD-Erfolg liegt vor allem im Scheitern jener Parteien, die die Bundesrepublik seit Jahrzehnten prägen. Verloren gegangenes Vertrauen muss nun schnellst möglich wieder zurückgewonnen werden

von Josef Schuster  08.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Kino

Wie ein Holocaust-Überlebender in Ostfriesland Frieden fand - Doku über die letzten Lebensjahre von Albrecht Weinberg

Albrecht Weinberg überlebte den Holocaust und wollte Deutschland für immer den Rücken kehren. Doch zum Ende seines Lebens fand er in seine Heimat Friedland zurück. Ein neuer Dokufilm zeigt seine letzten Jahre

von Kira Taszman  08.09.2026

Sachsen-Anhalt

»Viele haben unsere Sorgen einfach weggewischt«

JSUD-Präsident Ron Dekel über Sachsen-Anhalt, die AfD und die Frage, was die jüdische Gemeinschaft jetzt tun kann

von Leon Stork  08.09.2026

Kommentar

Und nun?

Bloße Empörung über den Wahlsieg der rechtsextremen AfD ist billig und wohlfeil. Es sollte vielmehr über die Gründe ihrer Popularität gesprochen werden. Die Parteien der Mitte müssen endlich aufwachen

von Philipp Peyman Engel  07.09.2026

Reaktion

Zentralrat der Juden schockiert über AfD-Ergebnis

Josef Schuster ist entsetzt über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. Besondere Gefahren sieht der Präsident des Zentralrats der Juden in der Bildungspolitik

 06.09.2026

München

Bayern erhöht Staatsleistungen für israelitische Kultusgemeinden

Seit 1997 gibt es in Bayern einen Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden. Dieser muss immer wieder mal angepasst werden. Am Freitag war es wieder soweit. Ein Signal der Wertschätzung

 06.09.2026

Porträt der Woche

Meisterin des Spagats

Naama Freedman vereint Kunst, Musik, Film und Sprache jenseits der Genregrenzen

von Lorenz Hartwig  06.09.2026