München

Diplomatie und Freundschaft

Als im Mai 1948 die Staatsgründung Israels verkündet wurde, begannen die jungen Menschen, vor der Villa in der Münchner Maria-Theresia-Straße 11 zu tanzen. Das eindrucksvolle Neorenaissancegebäude war in dieser Zeit nämlich ein Standort der Jewish Agency for Israel, einer Organisation, die die Einwanderung in den neuen Staat organisierte.

Wenige Monate später zog die erste diplomatische Vertretung des Staates Israel in das Gebäude ein, wobei die Diplomatie sich noch ausschließlich mit den westalliierten Behörden abspielte. Es dauerte mehr als sechs Jahrzehnte, bis München eine vollwertige Vertretung des jüdischen Staates bekam und 2011 das israelische Generalkonsulat im Museumsviertel seine Tore öffnete. Neben Bayern ist das Haus seither auch für Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig.

Politische Prominenz

Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums hatte Generalkonsulin Talya Lador-Fresher gemeinsam mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Ende Juni zu einem Festakt in den Kaisersaal der Münchner Residenz eingeladen. Die politische Prominenz war zahlreich erschienen, darunter Florian Herrmann und Ulrike Scharf als Mitglieder der Bayerischen Staatsregierung sowie der Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause, außerdem Vertreter zahlreicher jüdischer Institutionen.

Auch viele Gemeindemitglieder und Vertreter aus dem Vorstand der IKG waren zu Gast.

Auch viele Gemeindemitglieder und Vertreter aus dem Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) waren zu Gast, darunter IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch. Sie betonte die Bedeutung des Generalkonsulats gerade für die jüdische Gemeinde in der Landeshauptstadt: »Israel ist ein Anker für das jüdische Volk auf dieser Welt und eine Lebensversicherung für die jüdische Gemeinschaft. Dass wir hier in München mit dem Generalkonsulat eine Präsenz dieses Landes mitten im Herzen unserer Stadt haben, ist gerade in den aktuellen Zeiten ein wichtiges Zeichen.«

Die Zusammenarbeit der IKG mit dem Konsulat sei über die Jahre hinweg immer eng und erfolgreich gewesen, so Knobloch, und man habe die Bande zu Israel noch enger geknüpft. »Für diese Bindung ist das Generalkonsulat ganz entscheidend«, sagte die Präsidentin.

Generalkonsulin Lador-Fresher ging in ihrer Ansprache nochmals auf die Anfänge staatlich-jüdischer Vertretung in Deutschland ein und verglich den historischen Zustand in der Maria-Theresia-Straße mit der heutigen Zeit. Die Vertretung habe damals »keinerlei Kontakte zu den Deutschen« unterhalten, »lediglich zur amerikanischen Besatzungsmacht und den Displaced Persons. Sehr viel Wasser ist seitdem die Isar heruntergeflossen, und unsere strategischen Ziele haben sich völlig verändert.«

Bedrohung für die Demokratie

Israel habe am 7. Oktober 2023 ein »kollektives Trauma« erlitten, befinde sich seither in einem existenziellen Krieg. »Dieser Krieg begleitet uns immer noch«, und es sei für sie weiterhin »herzzerreißend, jeden Tag in neue jugendliche Gesichter zu blicken, die ihr Leben für die Verteidigung des Staates geopfert haben«. Der explodierende Antisemitismus der aktuellen Zeit sei eine ernsthafte Gefahr für das jüdische Leben in Deutschland, aber mehr noch auch eine Bedrohung für die Demokratie der Bundesrepublik selbst.

Lador-Fresher lobte Bayern als »Musterland im Kampf gegen Antisemitismus, bei der Förderung jüdischen Lebens und bei den besonders engen Beziehungen zum Staat Israel und seiner Bevölkerung«. Symbolisch überreichte die Generalkonsulin dafür eine Schofar-Skulptur an den Ministerpräsidenten Markus Söder, den Moderator Eitan Küppers-Levi anschließend auch auf die Bühne bitten durfte.

Israel sei ein »geborener Partner der Werte« für Deutschland, betonte Markus Söder.

Der bayerische Regierungschef sprach von der Freundschaft zu Israel als »Staatsräson, Herzensangelegenheit und Auftrag für die Zukunft« und betonte, »Länder, die das Existenzrecht Israels bestreiten, können nicht unsere Freunde sein«. Auch Söder verwies bei aller Freude über das Jubiläum auf die Vielgestaltigkeit und Wandlungsfähigkeit des Judenhasses: Heute zeige er sich häufig in einem fundamental gegen Israel gerichteten Antizionismus. Bedroht seien davon immer wieder auch die hiesigen jüdischen Gemeinden, ein Zustand, der nicht hinnehmbar sei: »Jüdisches Leben darf nicht nur in geschützten Räumen stattfinden.«
Israel sei ein »geborener Partner der Werte« für Deutschland, betonte Markus Söder.

Für die geplante Außenstelle der israelischen Holocaust-Gedenkstätte will Söder »alles tun, damit Yad Vashem hier in München ein gutes Zuhause findet«. Überhaupt könne man gerade in diesen schwierigen Zeiten von den Israelis den Optimismus lernen, so der Ministerpräsident: »Wer ständig alles schlechtredet, besorgt das Geschäft derer, die uns kaputt machen wollen.« Schließlich gelte: »Wer Israel nicht haben will, will uns auch nicht haben.«

Den musikalischen Abschluss der Veranstaltung bildete das Absingen der Hymnen Bayerns und Deutschlands sowie schließlich – als Zeichen besonderer Verbundenheit – der »Hatikva« durch die Opernsängerin Yasmine Levi-Ellentuck.

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