Makkabi

»Dieses Spiel gibt uns Drive«

Der Traum vom Finale zerplatzte erst in den letzten Sekunden des Spiels. Im Halbfinale des Berliner Pokals am Samstagnachmittag beim Berliner Oberligisten SV Lichtenberg 47 hatten die Charlottenburger Kicker des TuS Makkabi über 90 Minuten alles getan, um den großen Klassenunterschied zwischen den beiden Teams so wenig sichtbar wie möglich zu machen.

Die Spieler des Landesligisten warfen sich in Zweikämpfe und versuchten, die spielerische und konditionelle Überlegenheit der Lichtenberger durch Einsatz und kompaktes Stellungsspiel auszugleichen. Erst ein Treffer in der Nachspielzeit brachte den Spielern von der Julius-Hirsch-Sportanlage die Niederlage.

Augenhöhe Dabei lag Makkabi über weite Strecken auf Augenhöhe mit dem starken Gegner: Die Gastgeber konnten die meisten ihrer Chancen kaum nutzen, und auch als Lichtenberg mit 1:0 in Führung ging, ließen sich die Makkabäer nicht hängen, sondern erzielten nahezu im direkten Gegenzug den Ausgleich.

Je näher das Spielende rückte, desto größer wurde die Hoffnung, dass TuS Makkabis erster Herrenmannschaft an diesem Samstag die große Sensation gelingen würde. »Wir haben bis zum Ende an das Wunder geglaubt«, sagt der Verteidiger und Kapitän Rodney Wilson.

Doch das hohe Tempo, das Lichtenberg in der zweiten Hälfte des Spiels an den Tag legte, zahlte sich bald aus. Am Ende schwanden den Makkabi-Kickern die Kräfte, und in der 92. Minute reichte eine kleine Unaufmerksamkeit: Ein langer Ball gelangte in die Spitze, wo ihn ein Lichtenberger Angreifer auf den Defensivmann Thomas Brechler ablegte. Dieser ließ den Ball zweimal aufprallen und schoss ihn dann mit voller Wucht ins lange Eck. Es war der letzte Angriff des Spiels. Danach folgte grenzenloser Jubel bei Lichtenberg, während Spielern und Fans von TuS Makkabi die Enttäuschung und mitunter auch die Tränen im Gesicht standen.

bravourös Doch trotz dieser Niederlage bleibt am Ende auch der Stolz auf die eigene Leistung, es überhaupt so weit geschafft und dem um zwei Klassen besseren Gegner noch bis zum Ende so schwer wie möglich gemacht zu haben. »Unsere Jungs haben bravourös gekämpft«, findet auch Makkabi-Koordinator Isaak Lat, der sich dieses Saisonhighlight nicht entgehen ließ.

Das knappe Ergebnis passte zur bisherigen Pokalsaison der Charlottenburger Kicker: Noch vor wenigen Wochen hatte die Erste Herrenmannschaft von TuS Makkabi im Viertelfinale des Berliner Pokals gegen den Mariendorfer SV gespielt. Mit einer spektakulären Aufholjagd und gleich zwei späten Treffern in der Nachspielzeit war es den Makkabäern gelungen, einen Rückstand in eine 3:2 Führung zu verwandeln.

Es war ein historischer Sieg: Seit der Neugründung der Fußballabteilung des TuS Makkabi Mitte der 80er-Jahre hat es noch keine Mannschaft geschafft, so lange im Spiel um den Berliner Landespokal dabei zu bleiben – einem wichtigen Wettbewerb, der Amateurteams aus den unteren Ligen die beste Chance bietet, sich auch auf nationaler Bühne zu präsentieren.

So winkt dem Sieger des Berliner Pokals etwa eine Teilnahme am landesweiten DFB-Pokal und mit etwas Losglück sogar ein prestigeträchtiger Gegner aus der ersten oder zweiten Bundesliga.

vorfreude Dementsprechend voller Vorfreude war die Stimmung im Team während der Woche vor dem Spiel. »Wenn es nach uns gegangen wäre, hätte der Samstag gar nicht früh genug beginnen können«, beschreibt Mannschaftskapitän Rodney Wilson die Atmosphäre unter den Spielern.

Auch sein Mannschaftskollege, der Mittelfeldmann Ilija Priwalow, pflichtet ihm bei: »Jeder einzelne Spieler im Team war hoch konzentriert und motiviert. Gleichzeitig haben wir uns keinen Druck gemacht. Wir wussten, dass wir gegen einen zwei Klassen höheren Gegner nur gewinnen können – egal, wie das Spiel am Ende ausgeht.«

Makkabi-Übungsleiter Frank Diekmann schickte seine Mannschaft in eine übliche Trainingswoche, wie sie die Kicker auch vor jedem Ligaspiel absolvieren – mit der Ausnahme, dass etwas mehr auf Rasen trainiert wurde als sonst.

stärken Das Team wollte sich auf seine Stärken konzentrieren, die es in der laufenden Saison auszeichnen – das Umschaltspiel, die Zweikampfstärke, die schnellen Spieler auf den Außenbahnen –, um den Gegner in die Bredouille zu bringen. Am Ende war es knapper, als man das vorher vielleicht erwartet hatte.

Auch zwei Tage nach der Niederlage ist den Spielern dennoch die Enttäuschung anzumerken: »Ich habe erst am nächsten Tag realisiert, wie nah wir eigentlich am Finale dran waren. Das ist natürlich schon ernüchternd«, findet Ilija Priwalow.

Auch Kapitän Wilson denkt, dass die Niederlage noch eine Weile Thema im Team sein wird: »Ich denke, dass uns das bestimmt noch ein bisschen beschäftigt. Aber spätestens nach dem zweiten oder dritten Training sollten wir das abhaken und uns wieder voll auf die Liga konzentrieren.« Am Ende bleibt die Überzeugung ein gutes Spiel abgeliefert und sich gegen einen starken Gegner nicht unter Wert verkauft zu haben.

saisonziel Zudem ist das eigentliche Saisonziel der Makkabäer in diesem Jahr noch lange nicht abgehakt: Mit Platz zwei und nur einem Punkt Rückstand auf den Tabellenführer befindet sich der TuS Makkabi noch voll im Aufstiegsrennen um die Berlin-Liga. Ein großes Spiel, wie das Halbfinale am vergangenen Samstag, kann noch einmal zusätzliche Schubkraft geben.

»Es gibt Niederlagen, die ziehen dich herunter, und es gibt Niederlagen, die bauen dich auf – bei dem Spiel am Samstag war auf jeden Fall Letzteres der Fall«, sagt Rodney Wilson, und Ilija Priwalow schiebt hinterher: »Dieses Spiel wird uns viel Drive geben.« Die kommenden Saisonturniere können also mit Spannung erwartet werden.

Auch der Makkabi-Teammanager, Ex-Hertha-Spieler Claudio Offenberg, ist zufrieden mit der Leistung seines Teams. Der ehemals langjährige Trainer der Mannschaft verfolgte das Spiel aus dem Urlaub über sein Handy.

Außerdem unterstreicht er dessen Bedeutung für die Makkabi-Bewegung insgesamt: »Mit der Art und Weise, wie wir uns am Samstag in Lichtenberg präsentiert haben, haben wir auch etwas für das Image des Makkabi-Sports getan.«

Online-Veranstaltungen

Jüdische Vielfalt, Erinnerung und ein Philosoph zu Gast

Prominent besetzte Gesprächsrunden spüren aktuellen Themen aus der jüdischen Gemeinschaft nach

 20.01.2021

30 Jahre Zuwanderung

»Es ist relativ einfach: Deutschland ist unser Land«

Dmitrij Belkin über seine Ankunft in Deutschland, Integration in die Gemeinden und Zuwanderung als Chance

von Leticia Witte  20.01.2021

Deutsch-Jüdisches Theater

Stille auf der Bühne

Sechs Schauspieler erzählen, wie sie den Lockdown erleben

 20.01.2021

Migration

»Jüdische Zuwanderung ist seit 30 Jahren eine Erfolgsgeschichte«

Vor 30 Jahren begann der Zuzug von jüdischen »Kontingentflüchtlingen« aus der Ex-Sowjetunion nach Deutschland

 19.01.2021

Corona-Pandemie

ZWST möchte FFP2-Masken für Gemeinden beschaffen

Die Zentralwohlfahrtsstelle reagiert auf die Verschärfung der Maskenpflicht in öffentlichen Räumen

von Eugen El  20.01.2021 Aktualisiert

Berlin

Bundespräsident wünscht sich mehr jüdische Deutsche in der Politik

Steinmeier: »Nur wenn Juden hier vollkommen sicher und zuhause sind, ist Deutschland vollkommen bei sich«

 18.01.2021

Interview

»Der Anschlag hat schreckliche Wunden hinterlassen«

Der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Edgar Franke, über den Umgang von Behörden mit Überlebenden des Anschlags in Halle

von Christine Xuân Müller  18.01.2021

Frankfurt

Pop-Philosoph zu Gast in der Gemeinde

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt lädt den Philosophen Markus Gabriel zu einem Online-Gespräch ein

 18.01.2021

Porträt der Woche

Das Multitalent

Holly-Jane Rahlens ist Schriftstellerin und zog vor 50 Jahren von New York nach Berlin

von Gerhard Haase-Hindenberg  17.01.2021