Essen

Die wahrscheinlich längste Challe der Welt

Lang und lecker: Beim ersten Koscher-Fest gab es Brot ohne Ende. Foto: Marco Limberg

Er habe gar keine Vorstellung davon gehabt, wie viele koschere Produkte es gebe, meint Marcus Gräbner, Verkaufsleiter des Lebensmittelkonzerns Kraft Food. Und vor allem sei ihm unbekannt gewesen, dass die Firma, für die er als Verkaufsleiter im Einsatz ist, so viel auf den Markt bringt.

Am vergangenen Sonntag steht er vor seinen Kaffeemaschinen und Tellern, die mit Schokoladen voll gepackt sind, und freut sich auf die nächsten Stunden. »Ich hoffe, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und unsere Produkte vorstellen zu können«, sagt er.

Zum ersten Koscher-Fest, in Deutschland strömten Hunderte Interessierte in das Bildungszentrum Münstersche Straße. Mehr als 20 Aussteller hatten ihre Tische aufgestellt und präsentierten koscheres Essen. »Möchten Sie einmal unser Brot probieren?«, fragen Mitarbeiter der Hofpfisterei jeden, der das Bildungszentrum betritt und verteilen Probierhäppchen. Über einige Meter reicht die Challa, deren Rezept auf einem Flyer verteilt wird.

Gesund Neben dem koscheren Supermarkt über zwei Etagen gibt es mehrere Vorträge. Referenten sprachen in der Synagoge über »Koscher in der eigenen Küche – ein Leitfaden zum Aufbau eines koscheren Haushaltes« oder »Koschere Ernährung außer Haus« und »Koscher mit Wirkung auf die Gesundheit«.

Auch der Executive Souschef des Ritz Carlton Berlin, André Trojanowski, und sein Team sind mit dabei. Eine der Ersten, die seine Kochkünste kosten darf, ist die Sängerin Raffaela Wais, die in der TV-Castingshow »X Factor« den zweiten Platz belegte, hatte und beim Fest eine Eröffnungsrede hält. Später steht die israelische Star-Köchin Miri Sorger am Herd und zeigt ihr Können.

Im Hof haben der Verlag Hentrich&Hentrich und der Ariella-Verlag ihre Bücher aufgestellt, und im Koscher Kids Club kann der Nachwuchs mit einem Einkaufswagen losziehen und spielerisch einkaufen gehen. Auch dort wird gekocht. »Endlich bekomme ich mal eine Übersicht«, sagt eine 42-jährige Besucherin des Festes, die schon mittags Etliches eingekauft hat. So sei es leichter, sich koscher zu ernähren, meint sie.

Nachfrage »Das Interesse an koscherem Essen ist in Berlin sehr groß«, sagt Rabbiner Yehuda Teichtal von Chabad Lubawitsch, der die Idee zu diesem Fest hatte. Speziell zu Pessach sei die Nachfrage enorm. Die meisten Interessenten würden genau auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten, denn es sei immer noch teuer, sich in Berlin koscher zu ernähren.

Etliche Familien würden deshalb bei ihren Besuchen in Israel viel einkaufen und die Lebensmittel in mehreren Tiefkühltruhen in ihren Wohnungen einfrieren. »Aber größere Nachfrage bedeutet auch, dass es günstiger wird«, so Teichtal. Wenn die Besucher am Abend nach Hause gehen, dann wünscht sich der Rabbiner, dass sie sagen, »nicht nur in New York oder in London, nein, auch in Berlin gibt es ein koscheres Fest«. Und das sei positiv für die Stadt.

In gerade mal sechs Wochen hat Mit-Organisatorin Bella Zchwiraschwili das Koscher-Fest auf die Beine gestellt. »Ich bin sehr zufrieden, denn die Atmosphäre war sehr gut und das Interesse ebenso.« Immerhin 1.000 Besucher sind gezählt worden. Pläne fürs nächste Jahr zu Pessach hat sie auch schon. »Auf jeden Fall wird es Ähnliches geben, wahrscheinlich eine Koscher-Messe in einem Hangar auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof.«

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