Berlin

Design und Zedaka

Schon bevor die »Ladies Night« von WIZO Berlin so richtig angefangen hatte, war kaum noch ein Kleiderbügel zu ergattern. Und wer doch einen fand, der musste sich für seine Jacke in der voll gehängten Garderobe mit Mühe Platz verschaffen. Im zehnten Stock, also über den Dächern Berlins, feierte WIZO in der PanAm Lounge in Charlottenburg für den guten Zweck. Rund 10.000 Euro kamen durch den Verkauf von Vintage-Kleidung, Tombola und Eintrittskarten am Mittwoch vergangener Woche zusammen. Das gesammelte Geld geht an eine israelische Kindertagesstätte in Rischon LeZion.

»Ladies, Ladies«, rief Sylvia Hagen, 45, vom WIZO-Vorstand in den Präsentationsraum, »ich will euch nur ganz kurz beim Shoppen unterbrechen.« Aber die Damen ließen sich trotz Mikrofoneinsatz nicht stoppen, im eifrigen Geschnatter wurden die Auslagen mit Schuhen, Taschen, Röcken und Blusen weiter kommentiert. Erst als der helle Klang von Metall gegen Sektglas zu hören war, kam etwas Ruhe in die »Damenmeute«.

Erlöse »Liebe Ladies«, begann Hagen von Neuem und erklärte das Anliegen des Abends. Zum einen wolle man »ein Zeichen für Israel« setzen. Und dann natürlich als Berliner Abteilung die gemeinnützige Arbeit der WIZO, der Women’s International Zionist Organisation, unterstützen. Darum würden alle Erlöse des Abends an die Kindertagesstätte »Ramat Eliyahu« in Rischon LeZion gehen.

Sein Geld für den guten Zweck loszuwerden, war an diesem Abend wirklich einfach zu bewerkstelligen. Denn zu Verkauf standen nicht nur hochwertige gebrauchte Anziehsachen, die zahlreiche Privatpersonen gespendet hatten. Auch elf Boutiquen und Modedesigner stellten glamouröse Kleidungsstücke zur Verfügung. Als Resultat dieser Mischung war für jeden Geschmack und jede Preisklasse etwas zu haben, von zehn Euro für eine mit Perlmuttperlen bestickte Bluse bis zu 198 Euro für ein elegantes langes Abendkleid. Und wer eines der Tombola-Lose kaufte, der konnte unter anderem auch Gutscheine für Kosmetik und einen Brillenladen gewinnen.

Zu den rund 150 Gästen des Abends gehörte auch Lala Süsskind, die ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Für die 68-Jährige war die WIZO-Veranstaltung ein voller Erfolg. Zum einen natürlich wegen der Feierstimmung, zum anderen, weil die Frauen so fleißig am Einkaufen waren. »Die schlagen sich hier teilweise um die Sachen«, sagte Süsskind scherzhaft und fügte hinzu, dass es doch normalerweise gar nicht so einfach sei, »den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen«. Für den guten Zweck gelinge das der WIZO mit dem Verkauf der Vintage-Kleidung aber erstaunlich gut.

Burekas Wer einmal eine Pause vom Einkaufen brauchte, der konnte sich am Buffet stärken. Zwei volle Tage hatte Jeanette Dub in der Küche gestanden, um die Köstlichkeiten zu produzieren. Immer wieder füllte die 64-jährige Betreiberin des Lebensmittelladens »Kosher Deli« die Platten und Schalen im separaten Buffet-Raum auf: mit Kartoffeln gefüllte Burekas, Mujaddara aus Reis und Linsen, aufgeschnittener Fisch, Salate oder geschmortes Gemüse.

Zu essen gab es aber nicht nur herzhafte Speisen, sondern auch eine Unmenge an Kuchen, von Erdbeer- und Sahnetorte bis Marmor- und Käsekuchen. Hostessen in Uniform und Hütchen drehten immer wieder ihre Runden und fragten freundlich nach, ob es noch etwas zu trinken sein dürfe. Eine der Service-Frauen hatte auch gleich einen Bauchladen umgeschnallt. Darin waren aber nicht nur Lollis und Lakritzstangen zu finden, sondern auch Kosmetika mit »Sexy Skin Körperpeeling«. Wie das mit den Süßigkeiten zusammenpasst?

Je länger der Abend dauerte, umso mehr Tüten waren in den Händen zahlreicher Frauen zu beobachten. »Habt ihr schon was gefunden?«, war zu hören und als fixe Antworten: »Ja, natürlich!« Neben dem Trubel des Kleiderverkaufs wurden immer wieder die Gewinnerinnen der Tombola ausgerufen, die sich dann ihre Gutscheine abholten.

prägend Und irgendwann schaute auch Natascha Bonnermann, die Inhaberin der PanAm Lounge, vorbei. Die 40-Jährige hatte ihre Räumlichkeiten für den Abend zur Verfügung gestellt, zu »außergewöhnlich guten Konditionen«, wie sie anmerkte. Warum? »Aus meiner tiefen Verbundenheit zu Israel und WIZO«, sagte Bonnermann und erzählte, dass sie als junge Frau acht Monate in Israel verbracht hat. Damals noch nicht als Lounge-Betreiberin, sondern als junge Schauspielerin, die in einem Roadmovie mitspielte. Für Bonnermann war Israel eine prägende Erfahrung – mit bis heute anhaltender Wirkung.

Ein Ereignis des Abends waren auch die Fotoarbeiten, die Sharon Back auf eine Leinwand projizierte. Die aus Tel Aviv stammende Fotografin lebt seit mehr als vier Jahren in Berlin. In dieser Zeit porträtierte sie unter anderem auch zahlreiche deutsche Schauspielerinnen, darunter so bekannte wie Katja Riemann oder Iris Berben.

»Gute Energie, gute Stimmung«, fasste Back die Atmosphäre auf der »Ladies Night« zusammen. Aber auch für sie war die Veranstaltung mehr als nur eine Möglichkeit, ihre Arbeiten zu zeigen. »Es ist wichtig, zu den WIZO-Events zu kommen, denn 100 Prozent des Geldes gehen an die Kinder«, sagte Back.

Spielsachen Dem stimmte Sylvia Hagen zu, die gemeinsam mit fünf weiteren Frauen ehrenamtlich WIZO Berlin leitet. Bestimmt sind die Einnahmen aus der »Ladies Night« für die israelische Kindertagesstätte »Ramat Eliyahu«. Mit dem Geld würden dort unter anderem Spielsachen und Baumaßnahmen finanziert. Die Kindertagesstätte unterstütze rund 60 Kinder und ihre Familien in sozial schwierigen Verhältnissen, sagte Hagen. Auch deshalb plane die WIZO für die Zukunft, die »Ladies Night« als jährliche Wohltätigkeitsveranstaltung zu etablieren.

Hagen hofft, künftig noch weitere Designer, Kreative und Künstler für das Event zu gewinnen. Denn während die Unternehmer mit ihren Spenden Werbung für ihre Arbeiten machen könnten, kämen gleichzeitig Einnahmen für Projekte wie in Rischon LeZion zusammen. »Eine Win-win-Situation«, fasste Sylvia Hagen zusammen, und insgesamt eine »gute Sache«.

www.wizo-ev.org

Berlin

Zentralrat der Juden fordert baldiges Demokratiefördergesetz

Josef Schuster: Das Gesetz ist nötig, um das zivilgesellschaftliche Engagement gegen Antisemitismus zu fördern

 26.01.2022 Aktualisiert

Interview

»Jeder Zeitzeuge hat eine individuelle Geschichte«

Jugendliche erinnern an den Todesmarsch von David »Dugo« Leitner und essen Falafel – eine Aktion der ZWST

von Christine Schmitt  25.01.2022

Rostock

Damit die Erinnerung nicht verblasst

Mehr als 50 Freiwillige reinigen Denksteine für ermordete Juden in der Hansestadt

von Jérôme Lombard  25.01.2022

Auszeichnung

Bunt, lustig, berlinerisch

Mit ihrem Puppentheater »Bubales« will Shlomit Tripp Brücken bauen. Dafür erhält sie den Preis der Obermayer-Stiftung

von Nina Schmedding  25.01.2022

Schlewig-Holstein

Kieler Bunker zeigt Ausstellung zur Blockade Leningrads

Die Schau umfasst historische Aufnahmen, Texte auf Russisch und Deutsch sowie eine Klanginstallation

 24.01.2022

Porträt der Woche

»Zeichen faszinieren mich«

Imola Nieder-O’Neill ist Kunsthistorikerin und möchte ihre eigene Galerie eröffnen

von Katrin Diehl  22.01.2022

Jüdisches Museum Berlin

»Wir hoffen auf unbekannte Geschichten«

Tamar Lewinsky über ihre Ausstellungspläne zu Juden in der DDR und die Suche nach Objekten

von Christine Schmitt  22.01.2022

Amt

In Mainz angekommen

Jan Guggenheim ist seit Oktober vergangenen Jahres Rabbiner in der Gutenbergstadt. Ein Porträt

von Jens Balkenborg  22.01.2022

München

Olympia 1972, Zeitzeugin, Gedenkjahr

Meldungen aus der IKG

 20.01.2022