Düsseldorf-Neuss:

Der neue Schützenkönig von Neuss

Schützenkönig Bert Römgens (l.) mit seinem Ehemann Dionissios Liampotis Foto: Mangual Fotodesign

Düsseldorf-Neuss:

Der neue Schützenkönig von Neuss

Bert Römgens siegt auf der Festwiese

von Helmut Kuhn  10.09.2024 09:02 Uhr

Daher die Redensart: den Vogel abschießen. Schon als Kind habe er, Sohn eines »Hubertusschützen«, unbedingt Schützenkönig werden wollen. Diesen Traum hat sich der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf-Neuss mit 58 Jahren jetzt erfüllt: In einem dramatischen Finale und nach 73 Schuss gelang es Bert Römgens, auf der voll besetzten Festwiese im Rennbahnpark beim publikumsträchtigen Höhepunkt des Heimatfestes die »Königsvogel« genannte Scheibe abzuschießen. Damit wird er als neuer Schützenkönig von Neuss als »Regent« den Titel »Bert I.« tragen – bis zum nächsten Königsvogelschießen im September 2025.

Römgens gehört dem traditionsreichen Grenadierzug »Nüsser Divergenten« an. Er setzte sich gegen seine beiden Kontrahenten Klaus Ehren vom Grenadierzug »Net kalle – donn« und Stephan Meier vom Tambourkorps »In Treue fest« durch. Bereits nach dem 32. Schuss war die Scheibe gespalten, aber erst der letzte Treffer brachte die Entscheidung.

Begleitet von lauten »Bert«-Rufen tanzte Römgens auf dem Schießstand, riss die Arme hoch – und eilte sofort zu seinem Ehemann Dionissios »Saki« Liampotis, um ihn zu umarmen. »Es ist einfach überwältigend! Das kommt jetzt scheibchenweise bei mir an. Ich freue mich so, so sehr!«, sagte Römgens dem WDR. Das Paar wird das erste gleichgeschlechtliche sein, das die Neusser Schützengemeinde »regieren« wird.

Römgens gehört dem traditionsreichen Grenadierzug »Nüsser Divergenten« an.

Vor Römgens hatte das Amt Christoph Heusgen, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, inne. Beim Krönungsball mit Königstrunk, Gruß der Chargierten und Hofstaaten-Cour feierte die Gesellschaft das neue Königspaar weit bis in den Sonntagmorgen hinein – »oft begleitet von spontanen Beifallsstürmen«, heißt es auf der Website des Neusser Bürger Schützenfestes.

Zumeist im frühen 19. Jahrhundert gegründet – wie etwa der Neusser Grenadierkorps von 1823 e.V. –, entstanden die Schützenvereine, Bruder- und Gesellschaften infolge der Napoleonischen Kriege. In Düsseldorf gehen frühe Zeugnisse von Schützenverbindungen gar bis auf das Jahr 1190 zurück. In den Gesellschaften werden die Schützen-Traditionen hochgehalten und entsprechende Uniformen mit prunkvollen Helmen, Bonaparte genanntem Zweispitz, Schützenrock, Epauletten, Säbel und Holzgewehr getragen.

Seit 2018 ist Römgens Mitglied der »Nüsser Divergenten«. Für den Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf-Neuss war die Leitidee aller 23 Zugmitglieder aus zwölf Nationen – die Bedeutungslosigkeit von Herkunft, Religion oder sonstiger Wurzeln – ausschlaggebend für sein Engagement, heißt es auf der Homepage des Neusser Bürger Schützenfestes. Das Neusser Treffen gehört zu den weltweit größten von einem einzigen Verein organisierten Festen.

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 03.11.2026

Sachsen-Anhalt

Lotto fördert Dachsanierung der Synagoge in Gröbzig

Die jüdische Gemeinde in Gröbzig entstand im 17. Jahrhundert nur wenige Kilometer entfernt von der anhaltischen Residenzstadt Köthen. Die 1796 errichtete klassizistische Synagoge wird seit 1934 als Museum genutzt

 03.11.2026

Frankfurt

Jüdische Akademie soll »Haus der Zukunft« sein

In der ersten Diskussionsrunde der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt stieß ein Wunsch angesichts von Antisemitismus und innerjüdischer Differenzen auf große Zustimmung: Die Akademie soll ein »Haus der Zukunft« sein

 03.11.2026

Verantwortung

Abschied und Neuanfang

David Beck übernimmt als Nachfolger von Andreas Franck das Amt des Zentralen Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Justiz

von Luis Gruhler  02.11.2026

Feier

»Ein Zuhause«

Es war ein bewegender Moment: Nach langer Planung öffnete die bundesweit wirkende Jüdische Akademie in Frankfurt ihre Türen. Mit Prominenz, rabbinischem Segen - und eindringlichen Worten gegen Antisemitismus

von Leticia Witte  02.11.2026

Eröffnungsrede

»Raum geben für Differenzierung«

Zentralratspräsident Josef Schuster skizzierte in seiner Rede zur Eröffnung der Jüdischen Akademie, welche Rolle sie in der Gesellschaft spielen soll. Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut

von Josef Schuster  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Es ist die erste Institution dieser Art in der Bundesrepublik. Was hat es damit auf sich?

 02.11.2026

Eine Akademie für Deutschland

Heute ist in Frankfurt die Jüdische Akademie feierlich eröffnet worden. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  02.11.2026 Aktualisiert