Soziale Netzwerke

»Das Recht auf eine qualifizierte rabbinische Antwort«

Katia Novominski Foto: Anna Bilousova

Frau Novominski, die Facebook-Gruppe »Frag den Rabbiner« feiert ihren zweiten Geburtstag. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung des »Kindes«?
Eine schöne Metapher. Das Kind entwickelt sich prächtig. Die Gruppe ist wirklich groß geworden. Aber genau wie ein Kind fordert sie unsere volle Aufmerksamkeit. Die Mitglieder sind fast zu jeder Zeit aktiv, und die Moderatoren sind somit ständig präsent. Zumindest wenn Schabbat anfängt, können wir durchatmen.

Wie viele Mitglieder hat die Gruppe?
Wir nähern uns langsam der 3000er-Marke. Es ist somit eine der größten, wenn nicht gar die größte deutschsprachige Facebook-Gruppe mit ausschließlich jüdischen Inhalten. An manchen Tagen haben wir zwei bis drei Fragen, an anderen Tagen Dutzende – besonders vor Feiertagen.

Haben Sie auch nichtjüdische Mitglieder?
Wir betonen immer wieder, dass es sich um eine Gruppe handelt, die sich ausschließlich jüdischen Fragen widmet, und dass diese Gruppe weder für politische Diskussionen noch für den interreligiösen Dialog geeignet ist. Wenn sich Nichtjuden für rabbinische Antworten interessieren, sehen wir keinen Grund, sie auszuschließen. Wenn eine neue Anfrage für die Mitgliedschaft kommt, prüfen wir sorgfältig, ob aus dem Profil des Bewerbers ersichtlich ist, weswegen er der Gruppe beitreten möchte. Wenn die Motivation nicht offensichtlich ist, fragen wir nach. Die meisten können einen vernünftigen Grund anführen.

Welche Themen stoßen auf besonders großes Interesse?
Das ursprüngliche Konzept sah vor, dass sich die Gruppe primär den Fragen halachischer Natur widmen sollte. Es werden auch sehr viele Fragen darüber gestellt, ob das eine oder andere Produkt koscher ist. Allerdings interessieren sich die Mitglieder auch für Probleme religionsphilosophischer Natur und für Fragen, die die Auslegung oder die Übersetzung der Quellen betreffen.

Gerade in sozialen Netzwerken ist es für Nutzer leicht, andere in Kommentaren anzugreifen. Gibt es solche Probleme bei »Frag den Rabbiner«?
Dass die Mitglieder einander angreifen, kommt vergleichsweise selten vor. Häufiger ist es der Fall, dass Mitglieder die Gruppenregeln nicht akzeptieren. Deswegen haben wir uns einige Wochen, nachdem die Gruppe eröffnet wurde, schweren Herzens für den »harten Moderationsstil« entschieden. Wenn Vorwarnungen des Moderators nicht ausreichen und Beiträge gegen die Gruppenregeln verstoßen, werden diese gelöscht. Eine undankbare, aber notwendige Arbeit, aber jeder Teilnehmer hat ein Recht auf eine qualifizierte rabbinische Antwort.

Welche Pläne haben Sie für die Gruppe?
Wir haben einen »Frag den Rabbiner«-Kalender für das nächste jüdische Jahr gedruckt. Mit Bildern und rabbinischen Kommentaren. Den kann man bei uns gegen eine kleine Gebühr bestellen. Übrigens haben wir den größten Teil der Kosten aus freiwilligen Spenden finanzieren können. Wir verhandeln gerade über ein weiteres interessantes Projekt mit einer jüdischen Organisation in Deutschland. Für Ideen und Kooperationsvorschläge sind wir allerdings immer dankbar.

Mit der Initiatorin der Gruppe »Frag den Rabbiner« sprach Tina Kampf.

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