Feiertag

»Das Festessen hilft gegen den Kater«

Margarita Bardich ist Allgemeinärztin und lebt in Berlin Foto: privat

Frau Bardich, an Purim sollen Juden so viel trinken, dass sie nicht mehr zwischen dem guten Mordechai und dem Bösewicht Haman unterscheiden können. Wie viel muss man trinken, um in einen solchen Zustand zu geraten?
Das ist nicht einfach zu beantworten. Es kommt auf viele Faktoren an: Wie viel wiegt die Person, ist sie jung oder alt, ist es eine Frau oder ein Mann? Dann kommen noch ganz individuelle, auch genetische Bedingungen hinzu. Jeder Mensch reagiert auf Alkohol anders. Deshalb ist es auch unklug, sich bei den anderen abzuschauen, wie viel die so schaffen. Besser ist es, auf sich selbst zu hören. Jeder Erwachsene sollte das für sich einschätzen können. Allgemein kann man sagen: Ab etwa zwei Promille wird ein Betäubungsstadium erreicht, in dem Störungen des Gedächtnisses und der Orientierung auftreten können.

Schadet es denn schon der Gesundheit, einmal im Jahr so viel zu trinken?
Als Ärztin kann ich einen solchen Rausch natürlich niemandem empfehlen. Wer unter einer chronischen Krankheit leidet, Medikamente eingenommen hat, schwanger, noch minderjährig oder schon älter ist, dem würde ich sogar dringend davon abraten. Gleichzeitig ist das Risiko für langfristige Schäden für gesunde Menschen gering. Auch wird man nicht zum Suchtalkoholiker, nur weil man einmal zu tief ins Glas geschaut hat. Wichtig ist vor allem, sich in so einem Zustand nicht hinters Steuer zu setzen oder im Übermut auf die Idee zu kommen, auf ein Dach zu steigen. Dann wird es nämlich wirklich lebensgefährlich.

Das Judentum ist dem Alkohol auch sonst nicht abgeneigt. Am Schabbat trinkt man traditionell abends und morgens zum Kiddusch ein bisschen Wein.
Ich würde sagen, für gesunde Erwachsene ist ein kleines Kidduschglas vollkommen in Ordnung. Nur sollte es dann auch dabei bleiben.

Man hört immer wieder, dass Rotwein sogar gesund sein soll. Ist da etwas dran?
Rotwein enthält tatsächlich Resveratrol – ein Stoff, der für seine starken antioxidativen Eigenschaften bekannt ist. Er ist sozusagen das natürliche Anti-Aging-Mittel. Aber: Die Konzentration im Rotwein ist zu gering, um wirklich einen Effekt auf den Konsumenten zu haben. Gesund ist Weintrinken also nicht.

Was kann man tun, um dem Kater nach dem Rausch vorzubeugen?
An Purim trinkt man klassischerweise während der Festtagsmahlzeit. Das ist keine schlechte Idee: Denn gerade fettiges Essen verzögert die Aufnahme von Alkohol ins Blut. Die Seʼuda hilft also schon gegen den Kater. Bereiten Sie sich außerdem ein Glas Wasser und eine altbewährte Alka-Seltzer auf dem Nachttisch vor. Auch Aspirin hilft gegen das Kopfweh. Und vergessen Sie nicht, am nächsten Tag viel zu trinken. Aber diesmal nur Wasser!

Mit Margarita Bardich sprach Mascha Malburg.

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