Teil-Lockdown

»Corona kann mich nicht stoppen«

Adam will sich die gute Laune nicht verderben lassen. »Ich bin bereit, sofort wieder loszulegen, Corona kann mich nicht stoppen.« Adam Yahyayev sagt dies mit einem Schmunzeln. Natürlich weiß auch er um die Situation, verhält sich immer vorsichtig, aber »es trifft mich nicht so krass«, sagt er. Er hält sich mit Spaziergängen fit, geht joggen, verbringt viel Zeit mit seinem kleinen Bruder und lernt für die Schule.

Doch der Teil-Lockdown macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Mit 13 Jahren fing er mit dem Boxen an, und vor vier Jahren kam noch Käfigkämpfen (Mixed Martials Arts) dazu. Dabei werden verschiedene Kampftechniken kombiniert. »Es fasziniert mich und bringt mir Spaß.« Sein Vater hatte ihn damals motiviert. Doch nun ist auch in diesem Sport alles dicht – und somit bleibt bei kälteren Temperaturen nur noch das »Homeworkout«: Hanteltraining, Liegestützen, Dehnübungen, Kniebeugen – eine Stunde am Tag.

Zoom-Treffen Ferner wurde er vor drei Monaten »in das Leben eines Madrich eingeführt«, wie er gut gelaunt sagt. In den Herbstferien hatte er sogar eine eigene Gruppe. Doch nun sind auch diese Türen wieder zu. »Leider.« Stattdessen treffen sich die Madrichim des Düsseldorfer Jugendzentrums in diesen Tagen per »Zoom«, um ein spannendes Online-Programm aufzubauen. »Und somit bin ich dann doch betroffen. Hoffentlich helfen die Corona-Maßnahmen, dass die Pandemie wieder beherrscht wird und alles, oder zumindest vieles, wieder möglich wird.«

Samuel Morgensteyn ist Rettungsschwimmer und Boxer, seinen letzten Boxkampf bestritt er im vergangenen Jahr.

Das meint auch Samuel Morgensteyn aus Düsseldorf. Den 19-Jährigen treffen die Einschränkungen sehr, er kann weder boxen noch schwimmen, denn er ist auch Rettungsschwimmer. Seinen letzten Boxkampf bestritt er im vergangenen Jahr, sagt Samuel etwas enttäuscht. Seit März war auch wegen der Kontaktbeschränkung dieser Sport nicht mehr erlaubt.

Allerdings konnte der Psychologiestudent im Sommer draußen trainieren – wobei es schwierig war, die Kontaktbeschränkung einzuhalten, ab und zu sei es schon mal zu Berührungen gekommen. Kämpfe mit Zuschauern, über die sich die Vereine auch finanzieren, gab es in diesem Jahr gar nicht. »Ich vermisse es sehr.«

Taekwondo Schon als Kind machte er Taekwondo. »Ich sollte lernen, mich zu verteidigen«, sagt er. Er war begeistert und wollte noch mehr Kampfsportarten kennenlernen, beim Boxen blieb er hängen. »Wenn ich durch die Straße gehe, dann weiß ich, dass ich keine Angst haben muss, auch wenn ich immer Kippa trage«, sagt er. Ihm könne nichts passieren – er ist kräftig und durchtrainiert. »Das macht mich auch stolz.«

Allerdings sei es schwierig, in Corona-Zeiten die Fitness zu halten. Sein Trainingspartner ist nun der Boxsack zu Hause, ergänzt mit vielen Minuten Seilspringen. Freitags jobbt er immer im jüdischen Altersheim am Empfang. Da muss er von allen Besuchern die Daten aufnehmen und sowohl die Besucher als auch die Bewohner daran erinnern, die Corona-Regeln einzuhalten.

Melissa Vapner wollte sich eigentlich mit den Kindern auf die nächste Jewrovision vorbereiten.

Eigentlich würde Melissa Vapner jetzt mit den Kids aus den Jugendzentren in Dortmund und Bochum an den Tanzschritten für die Jewrovision feilen. Doch in diesem Jahr ist alles anders. »Das Tanzen ist kaum noch ein Thema im Jugendzentrum«, sagt die Madricha. Sie selbst hat jahrelang Hip-Hop-Unterricht gehabt und mehrmals die Woche trainiert – und mit viel Freude ihr Know-how im Jugendzentrum eingesetzt.

Bis zur Pandemie habe sie auch mit den Kids am Sonntag oft Schritte zu den Liedern gezeigt. So habe sie auch den Job einer Tanzlehrerin besser kennengelernt. »Aber mit Maske macht das einfach keinen Spaß«, sagt die 17-Jährige. Und Masken gehören zum Hygienekonzept des Jugendzentrums. Somit falle auch Sport aus.

Seit den Sommerferien hatte das Juze wieder geöffnet, etwa 40 Kinder kommen regelmäßig. Am ersten Sonntag haben sie sich Lasertec ausgeliehen, dann folgten ganz »normale« Peulot – allerdings mit Abstand und Masken. »Wir waren auch viel draußen.« Sie boten eine Schnitzeljagd an und waren Tretboot fahren.

Gameshow Nach dem Teil-Lockdown hat das Juze eine Online-Gameshow mit zehn Spielen ausgearbeitet. »Die kam sehr gut an.« Es habe den Kindern gutgetan. Doch sind sie niedergeschlagen, weil sie erneut nicht ins Juze gehen können. Melissa, die schon mit fünf Jahren in der Gemeinde Tanzunterricht nahm, hält sich nun mit Yoga fit. »Ich schaue mir dann ein YouTube-Video an und dehne meine Muskeln.«

Das Tanzen fehlt ihr doch zunehmend, vor allem, wenn sie sich entspannen möchte – gerade jetzt, wo so viele Klausuren anstehen. Denn nach dem Abi im Frühjahr möchte sie studieren – Jura oder Psychologie.

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