Emmendingen

Cool und koscher

Eis aus der Würfelbox: Selbstgemachtes schmeckt am besten. Foto: Markus Zimmermann

Intensiver Fischgeruch zieht durch den Raum. Völlig unerwartete Düfte strömen dem Besucher am Freitagvormittag im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde Emmendingen entgegen. Erwartet hätte man eher den süßen Duft frisch gebackener Waffeln. Die sollen zum Eis serviert werden, das Kinder im Rahmen des interkulturellen Workshop »Eis mal koscher« herstellen wollen.

Doch der Widerspruch ist schnell geklärt. In der Küche des ehemaligen »Gastroturmes« – ursprünglich sollte hier eine extravagante Gaststätte entstehen – wird das Essen für Erew Schabbat vorbereitet. Ein Stockwerk darüber sind elf Kinder zwischen sechs und elf Jahren eifrig damit beschäftigt, die Waffeln zu backen.

Zusammenarbeit Es ist nicht der erste Workshop, den Monika Miklis im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt anbietet. Schon vor mehreren Jahren hatte sich die jüdische Gemeinde gemeinsam mit dem Verein für Jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen entschieden, in den Sommerferien ein Angebot zu machen, an dem Kinder gleich welcher Herkunft teilnehmen können, um gemeinsam jüdische Kultur kennenzulernen.

»Nach Spielen und Basteleien zu jüdischen Festtagen sind es nun die Speisegesetze«, erklärt die Absolventin der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg. Einen ähnlichen Workshop gab es auch schon im Monat Kislew. Unter dem Titel »Weihnukka« ging es um Chanukka und Weihnachten.

»Dieses Mal ist die Nachfrage sehr groß«, freut sich Monika Miklis über das wachsende Interesse. Gleich zwei Termine muss sie anbieten, um allen Kindern eine Teilnahme zu ermöglichen. »Eis zieht immer«, betont sie. Von den 20 Teilnehmern kommen gut die Hälfte nicht aus der Gemeinde, sechs Kinder sind das erste Mal zu Gast in den Räumen der jüdischen Gemeinde.
Unter ihnen ist auch der neunjährige Anouk Truog, der schnell auf den Punkt bringt, was an diesem Vormittag so interessant ist. »Learning by doing«, formuliert er eloquent und weiß mittlerweile: »Wenn es darum geht, dass Eis und Waffeln entsprechend der jüdischen Speisegesetze hergestellt werden, kommt es auf die Inhaltsstoffe an, aber auch auf das verwendete Geschirr«, erzählt Anouk.

Milchig »Beim Eismachen ist das noch ganz einfach«, berichtet Muriel-Marie Hodapp. Die Zutaten sind entweder neutral oder milchig, sodass es beim Rühren von Melonen, Erdbeer- und Vanilleeis überwiegend darum geht, keine Schüsseln, Löffel und anderes Geschirr zu verwenden, das zuvor mit Fleischspeisen in Berührung kam. In der Küche der jüdischen Gemeinde ist es kein Problem, das richtige Geschirr zu finden, und so werden nach Herzenslust Früchte zerkleinert und mit den Zutaten verrührt.

Noch anschaulicher wird das Thema Kaschrut dann beim Backen der Waffeln. »Wir haben genau darauf geachtet, ob in den Eiern ein Blutstropfen zu sehen ist«, berichtet Daniela Hodapp. Die Mutter von Muriel-Marie war von einem früheren Workshop so begeistert, dass sie sich gerne bereit erklärte, zu helfen und dabei selbst mehr zu erfahren. So eben auch, dass Speisen, die Blut enthalten, nach den jüdischen Speisegesetzen verboten sind.

Kontrolle Ein waches Auge hat Rabbiner Moshe Navon darauf, dass alles mit rechten Dingen zugeht und auch das neu gekaufte Waffeleisen erst einmal mindestens 20 Minuten aufgeheizt werden sollte, um es zu kaschern. Ihm ist aber vor allem wichtig, dass die Kinder nicht Regeln um ihrer selbst willen kennenlernen. »Es muss doch auch erklärt werden, welchen Sinn sie haben«, betont er und sagt den Kindern: »Was in den Mund hinein kommt, kommt auch aus ihm heraus.« Die bewusste, kontrollierte Zubereitung von Speisen sei somit die Ermahnung und Erprobung darin, sich auch in dem zu kontrollieren, was man redet. »Genauso bewusst, wie wir essen, sollen wir auch die Worte wählen, die wir nutzen«, so Moshe Navon.

Das gilt eigentlich für jeden, und so wird die Idee unterstrichen, die für die Initiatorin Monika Miklis hinter dem interreligiösen Workshop steht. »Es ist mir ein Anliegen, dass alle Kinder, egal, ob sie religiös, areligiös oder agnostisch sind, kommen«, betont sie. Und wenn es dann noch »total lecker schmeckt«, wie Muriel-Marie jubelnd attestiert, ist es umso besser.

Rund um das morgens angerührte Meloneneis stehen die Kinder im Kreis und löffeln es aus der Schale. Zumindest das ist einigermaßen fest geworden, doch glücklicherweise hat Monika Miklis ja noch ein paar Schalen koscheres Eis gekauft, das mit den Waffeln genüsslich verspeist wird. Die selbst gefertigten Süßspeise dürfen dann die Teilnehmer beim zweiten Workshop, bei dem Miriam Navon, die Frau des Rabbiners, hilft, essen. Dann endlich ist das Eis richtig fest geworden und auch der Fischgeruch längst verflogen.

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