»Schalom Aleikum«

Brückenbauen durch Musik

Sie mixen alte persische Songs mit traditionellen jüdischen Rhythmen und zaubern aus beiden Welten ihren ganz eigenen Sound – die iranisch-israelische Band »Sistanagila« aus Berlin.

Am Donnerstagabend waren die beiden Bandmitglieder und Begründer des interkulturellen Projektes, der israelische Sänger Yuval Halpern und der iranische Manager Babak Shafian, im Rahmen des jüdisch-muslimischen Dialogprojekts »Schalom Aleikum« zum Austausch zusammengekommen. Unter dem Motto »Dialog unplugged« sprachen sie über Herkunft, Musik und wie sie dabei helfen kann, Brücken zu bauen.

Digital »Schalom Aleikum« wird seit 2019 vom Zentralrat der Juden in Deutschland organisiert und findet während der Corona-Pandemie digital statt. Unterstützt wird das Format von der Staatsministerin und Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Anette Widmann-Mauz (CDU).

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Moderiert wurde der musikalische Gesprächsabend am Donnerstag von der RBB-Journalistin Shelly Kupferberg. Interessierte konnten sich per Livestream über YouTube und Facebook dazuschalten und Fragen an die beiden Bandmitglieder stellen. »Wie ist die Idee einer gemeinsamen iranisch-israelischen Band entstanden?«, wollte Moderatorin Kupferberg von Manager Shafian wissen.

»Die Idee für unser musikalisches Projekt ist aus einem Gefühl der Ohnmacht heraus entstanden«, antwortete der Iraner, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt. Nachdem im Jahr 2007 der damalige iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad mit seinen antisemitischen Hasstiraden international auf sich aufmerksam machte, hatte sich Shafian gedacht: »Das darf nicht das einzige Bild sein, das Menschen vom Iran bekommen. Ich wollte ein Projekt gemeinsam mit Juden machen.«

Aus der iranischen und israelischen Community in Deutschland bekommt die Band viel Lob.

Über das Internet nahm er dann Kontakt mit dem ausgebildeten Komponisten Halpern auf. Dieser war kurz vorher der Liebe wegen nach Berlin gekommen. Rasch konnte sich der Musiker von Shafians Idee einer gemeinsamen interkulturellen Musikgruppe begeistern.

»Israel und Iran gelten als Länder, die nicht zusammenkommen können. Ich wollte mithelfen, dieses Stereotyp aufzubrechen«, sagte Halpern. Musikalisch habe ihn die persische Seite von Anfang an sehr gereizt. »Ich kannte die musikalische Tradition des Iran vorher überhaupt nicht. Ich wollte wissen, was kulturell in diesem Land geschieht, dass wir in Israel vor allem als Feind kennen.«

Sistanagila zeigt den Menschen, dass Musik Brücken bauen kann.

Seit ihrem offiziellen Start als Band vor nunmehr neun Jahren ist »Sistanagila« – der Name ist eine iranisch-israelische Wertschöpfung aus »Sistan«, einer iranischen Provinz und »Nagila« aus dem hebräischen Lied »Hava Nagila« – in Deutschland sehr erfolgreich. »Als interkulturelle Band und Projekt des Friedens bekommen wir durchweg positive Reaktionen«, sagte Shafian. »Ich denke, wir haben den Spagat geschafft, einerseits auf musikalisch hohem Niveau zu spielen und anderseits ein Projekt zu sein, dass kulturell  Brücken baut.«

Auch aus der iranischen Expat-Community in Deutschland bekomme die Band viel Lob. Wie dies in seinem Heimatland selbst ist, konnte Shafian nicht einschätzen. »Das politische Regime im Iran basiert auf Angst.« Die Leute könnten ihre Meinung in den Sozialen Netzwerken nicht frei äußern.

»Natürlich sind wir mit unserer Musik ein politisches Projekt, das ist ganz klar und so verstehen wir uns auch.«

Yuval Halpern

Halpern sagte, dass »Sistanagila« den Menschen zeige, dass Musik sehr wohl ganz konkret Brücken bauen kann. »Als Band zeigen wir, dass wir zusammenarbeiten und Grenzen zwischen Kultur und Herkunft einfach überwinden.« Das Vorurteil, dass Iraner und Israelis nicht zusammenarbeiten könnten, habe man ad acta gelegt.

»Natürlich sind wir mit unserer Musik ein politisches Projekt, das ist ganz klar und so verstehen wir uns auch«, erläuterte Halpern. Dennoch versuche man, konkrete politische Fragen aus der Musik herauszuhalten. Der Band ginge es vielmehr darum, ein Kontrapunkt zu den Nachrichten zu sein. »Wir zeigen: Wir können mit unserer unterschiedlichen Herkunft gemeinsam in Deutschland Musik machen. Damit wollen wir auch ein Beispiel für andere sein«, so Halpern.

Er würde sich über weitere »Sistanagilas« sehr freuen. Die beiden Bandmitglieder äußerten ihre Zuversicht, im Sommer wieder vor Publikum auftreten zu können. »Corona war für uns eine Katastrophe. Wir wollen endlich wieder spielen«, sagte Shafian.

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