Young Ambassadors

Botschafter von morgen

In Zeiten zahlreicher Krisenherde auf der Welt spielt die Diplomatie eine immer wichtigere Rolle. Doch was genau bedeutet es eigentlich, ein Diplomat zu sein? Welche Aufgaben und Pflichten übernimmt ein staatlicher Gesandter im Ausland, und was heißt es, sich auf öffentlichem Parkett »diplomatisch« zu verhalten?

Beziehungen 35 Jugendliche aus Israel konnten vor Kurzem bei ihrem Besuch in Berlin in die spannende Welt der internationalen Beziehungen eintauchen und die Arbeit von Diplomaten aus erster Hand kennenlernen.

Die Gruppe, die im Rahmen des »Young Ambassadors«-Programms des »Israeli Center for Young Leaders« in Kooperation mit der israelischen Botschaft in der Bundeshauptstadt zu Gast war, hatte fünf Tage lang ein volles Programm.

Bei einem Empfang mit Botschafter Jeremy Issacharoff, Gesprächen mit Berliner Jugendlichen in Problemkiezen, einer Gedenkveranstaltung am Mahnmal Gleis 17 am Bahnhof Grunewald oder auch bei ihrem sozialen Einsatz für obdachlose Menschen in Wilmersdorf hatten die Jugendlichen viele Möglichkeiten zum persönlichen Austausch.

WERTE Zu den Höhepunkten der Reise gehörten ein Plausch mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) im Auswärtigen Amt sowie ein Besuch der Synagoge im sachsen-anhaltinischen Halle, die im Oktober Ziel eines rechtsextremistisch motivierten Terroranschlags geworden war. Gemeinsam mit Mitgliedern der Hallenser Gemeinde legten die jungen Botschafter aus Israel Blumen und Kerzen zum Gedenken an die zwei Todesopfer vor dem Gotteshaus ab. Zudem verabschiedeten sie eine gemeinsame Erklärung gegen Hass, Antisemitismus und die Delegitimierung des Staates Israel.

Die Teilnehmer der Delegationsreise waren zwischen 16 und 18 Jahre alt und stammten zur einen Hälfte aus jüdischen und zur anderen Hälfte aus drusischen Familien in Israel.

Es war bereits das zweite Mal, dass eine Delegation der jungen Botschafter aus Israel zu Besuch in Berlin war. »Wir glauben an die Jugend-Diplomatie und denken, dass es wichtig ist, unterschiedliche Gruppen der Gesellschaft zusammenzubringen, um unsere interkulturelle und globalisierte Welt von heute besser verstehen zu können«, sagte Yitzhak Eldan.

Der 76-Jährige ist Leiter der »Israeli Young Ambassadors School« in Israel und hat die Jugendlichen bei ihrer Berlinreise begleitet. Mit dem Austauschprogramm wolle man den israelischen Jugendlichen Werte näherbringen, »die dabei helfen können, eine bessere Welt zu gestalten«, sagte der erfahrene Diplomat, der viele Jahre für das israelische Außenministerium arbeitete und früher unter anderem als Gesandter seines Landes in Dänemark tätig war.

Die Gedenkzeremonie am Gleis 17 war ein besonders emotionaler Moment.

Solidarität Neben dem Einsatz für Demokratie und Menschenrechte seien Akzeptanz von kulturellen Unterschieden sowie gesellschaftliche Solidarität solche Werte. »Auch die Bereitschaft, sich für Israel einzusetzen, und die Wertschätzung der jüdischen Gemeinden in der Diaspora gehören zu den essenziellen Wertvorstellungen, die wir unseren jungen Botschaftern mit auf den Weg geben wollen«, sagte Eldan.

Das Israeli Center for Young Leaders ist eine 2012 gegründete private Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, israelische Jugendliche aus verschiedenen Schulen des Landes und unterschiedlichen kulturellen Hintergründen bei Auslandsreisen die Kunst der hohen Diplomatie näherzubringen und ihr Interesse an Außenpolitik zu wecken.

Ziel des »Young Ambassadors«-Programms ist es, interessierte junge Menschen als zukünftige politische Führungskräfte für den diplomatischen Dienst zu gewinnen. Die Kosten für die Auslandsreisen übernehmen die Eltern der teilnehmenden Jugendlichen sowie die Städte in Israel, aus denen die jungen Botschafter kommen.

An dem Programm kann grundsätzlich jeder Interessierte teilnehmen. Da die Plätze für die Auslandsfahrten aber äußerst begehrt sind, trifft eine Jury eine Auswahl. Als Teilnahmebedingung entscheidend sind vor allem sehr gute Englischkenntnisse.

FREUNDE Eine der Teilnehmerinnen der Delegationsreise war die 16-jährige Gal Friedmann aus der Stadt Ganey Tikva. Für sie war es das erste Mal überhaupt in Berlin. »Die Stadt hat mich gleich am ersten Tag begeistert«, sagte die Jugendliche, die derzeit in die zehnte Klasse geht. Die Gedenkzeremonie am Mahnmal Gleis 17 am Bahnhof Grunewald zur Erinnerung an die Deportation von über 50.000 Juden sei für sie persönlich ein sehr emotionaler Moment gewesen.

»Viele meiner Verwandten stammten aus Ungarn und Tschechien und wurden während der Schoa von den Nationalsozialisten in die Vernichtungslager deportiert und dort ermordet«, sagte Friedmann. Sie will ihren Freunden in Israel die Teilnahme an dem Programm auf jeden Fall weiterempfehlen.

Die Teilnehmer waren zwischen 16 und 18 Jahre alt und stammten zur einen Hälfte aus jüdischen und zur anderen Hälfte aus drusischen Familien in Israel.

»Es ist unglaublich spannend, sich mit Jugendlichen aus anderen Ländern auszutauschen und zu verstehen, wie man sein Land im Ausland repräsentieren kann«, sagte Friedmann. Zudem habe sie während der Reise Freundschaften geschlossen, die über die Zeit in Berlin hinausgehen werden.

Eine der Freundinnen aus dem Delegationsteam, die Gal Friedmann zu Hause in Israel besuchen möchte, ist Shaba Arkab. Die 17-Jährige stammt aus einer drusischen Familie und lebt in der Ortschaft Isfiya am Fuße des Karmel-Bergs. »Ich wollte während der Reise vor allem den Beruf des Diplomaten näher kennenlernen«, sagte Arkab.

Schulabschluss Die Jugendliche besucht derzeit die Oberstufe eines Gymnasiums in ihrer Heimatstadt. Im Frühjahr nächsten Jahres macht sie ihren Schulabschluss. Danach kann es sich die junge Frau durchaus vorstellen, internationale Beziehungen oder Politikwissenschaft zu studieren.

»Mit anderen Menschen in anderen Ländern in Austausch zu treten und zu schauen, ob man nicht gemeinsam Lösungen für gemeinsame Probleme findet, ist eine sehr spannende Aufgabe«, sagte Arkab. Sie habe während ihres Berlin-Aufenthalts aber auch gemerkt, wie stressig der Job eines Diplomaten sein kann. »Ständig von Termin zu Termin zu springen, dafür muss man schon gemacht sein.« Fest steht, auch sie wird in ihrer Schule für die Young Ambassadors werben.

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