EILMELDUNG! USA greifen Ziele im Iran an. Teheran reagiert mit Gegenschlägen

Dortmund

»Bildung ist gefragt«

Herr Sperling, am vergangenen Montag wurde die Studie der Jerusalemer L.A. Pincus Fund for Jewish Education in the Diaspora vorgestellt, die sich mit jüdischer Bildung in Deutschland befasst. Wie ist denn die Situation?
Die schulische Bildung, also der Religionsunterricht bis zum Abitur, ist bei uns in Dortmund dank der staatlich anerkannten Religionslehrer des Landesverbandes Westfalen-Lippe sehr gut entwickelt.

Wie sieht es außerhalb der Schulen aus?
Mindestens genauso wichtig wie der Unterricht ist auch das Erleben von Judentum, die jüdische Erfahrung, die viele Jugendliche leider nicht von Zuhause aus mitbekommen. Die lernen sie hauptsächlich in der Gemeinde kennen, wo zum Beispiel jüdische Feiertage gemeinsam begangen werden oder zum Kabbalat Schabbat eingeladen wird. Ein traditionelles jüdisches Elternhaus als Grundlage für die jüdische Bildung ist jedoch kaum zu ersetzen.

Ist die Nachfrage groß?
Das ist durchaus angebotsabhängig und kann gerade bei der Jugend auch von Gruppendynamik und anderen Faktoren bestimmt sein. Aber im Großen und Ganzen werden attraktive Programme auch gut angenommen. Unser Rabbiner hat diesbezüglich in Dortmund viel bewegt.

Wie sieht es bei den Erwachsenen aus?
Für sie werden unterschiedliche Kurse und Schiurim angeboten. Erfolgreich läuft zum Beispiel das Morascha-Programm der Lauder Foundation, das sich vor allem an Studenten richtet. Außerdem gibt es Gastvorträge in deutscher und russischer Sprache. Gerade die würden wir gerne noch regelmäßiger anbieten.

Was hindert Sie daran?
Das ist auch eine finanzielle Frage. Wir müssen Honorare bezahlen und für die Fahrtkosten der Referenten aufkommen.

Sind das die einzigen Herausforderungen, vor denen Sie stehen, wenn es um jüdische Bildung geht?
Die Situation ist aufgrund des oftmals fehlenden heimischen Basiswissens natürlich schwierig. Insgesamt lässt sich das Bildungsangebot an vielen Orten noch verbessern. Gut ausgebildete Lehrer und Rabbiner sind noch Mangelware, auch wenn sich das heute aufgrund der Angebote von Hochschulen und Jeschiwot deutlich verbessert hat. Auch in der Erwachsenenbildung brauchen wir noch mehr professionelle und attraktive Konzepte. Vor allem aber müssen wir die jüdische Bildung von Grund auf verstärken. In Dortmund würden wir deshalb gerne, wenn wir die Kosten hierfür stemmen können, in den nächsten Jahren eine jüdische Grundschule gründen.

Sie erwähnten Vorträge in Russisch. Spielt die Sprache eine wichtige Rolle?
Bei den Schülern und Studenten ist das kein Thema mehr. Anders sieht es bei den älteren Gemeindemitgliedern aus, die oftmals nicht so gut Deutsch sprechen. Für sie übersetzen wir vieles und haben die erwähnten russischsprachigen Vortragsabende im Programm.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in punkto Bildung verändert?
Erst durch gestiegene Mitgliederzahlen in den vergangenen 20 Jahren sind grundlegende lokale Angebote in jüdischer Bildung überhaupt möglich geworden. In Dortmund hat dies zur Einrichtung eines jüdischen Kindergartens und einer Tagesschule für Grundschulkinder geführt. Die überregionale jüdische Bildung ist auch um einiges vielfältiger geworden. Die Bildungsofferten für Studenten sind inzwischen durchweg auf einem guten Niveau. Insgesamt kann man sagen, dass insbesondere informelle Events der jüdischen Bildung ausgebaut wurden. Denken Sie an Wochenendseminare wie Limmud, Tarbut oder das Drei-Rabbiner-Seminar, an die Ferienlager der Zentralwohlfahrtstelle oder die der Lauder Foundation. Jugendliche und junge Erwachsene haben hierdurch heute viel mehr Chancen als früher, jüdische Bildung zu erfahren.

Nordhausen

Ausstellung zeigt Lebensgeschichten von jüdischen Kindern

Im April 1945 befreite die Rote Armee bei Tröbitz 2.300 Häftlinge aus einem abgestellten Zug des »Verlorenen Transports«. Eine Ausstellung dokumentiert mit Fotos das Schicksal von acht überlebenden Kindern

 27.05.2026

Kommentar

Was hat Künstliche Intelligenz mit Antisemitismus zu tun?

Ein Zwischenruf von dem Holocaust-Überlebenden Roman Haller

von Roman Haller  27.05.2026

Berlin

Orden Pour le mérite begrüßt Wolf Biermann als neues Mitglied

Die Künstler- und Gelehrtenvereinigung Pour le mérite trifft sich am Wochenende in Berlin zu ihrer Jahrestagung. Dabei werden neue Mitglieder in den exklusiven Kreis aufgenommen

 26.05.2026

Führung

Open-Air-Ausstellung zum jüdischen Leben in Erfurt

Ab Freitag führt ein Rundgang auf 19 Stationen durch das historische jüdische Viertel Erfurts und verbindet Geschichte mit digitalen Angeboten

 26.05.2026

Dresden

Wegen Betrugs und Geldwäsche: Bewährungsstrafe für Rabbiner

Das Amtsgericht Dresden hat sein Urteil gesprochen: Ein 41-jähriger Rabbiner wurde der Beihilfe zum Betrug für schuldig befunden

 26.05.2026

Porträt der Woche

Flucht und Ankunft

Manfred Eisner erzählt vom Exil und seinem neuen Leben in einem kleinen Dorf

von Heike Linde-Lembke  24.05.2026

Ausstellung

Dynamik des Schreckens

Die Jewish Claims Conference und die Französische Botschaft in Berlin zeigen bislang verschollene Aufnahmen vom Beginn der Schoa im Vichy-Regime

von Alicia Rust  24.05.2026

München

Intensiver Austausch

Zum zweiten Mal fand in der Israelitischen Kultusgemeinde die Zusammenkunft der Europäischen Rebbetzinnen-Konferenz statt

von Vivian Rosen  24.05.2026

Erinnerung

Ein verlorener Ort der Geborgenheit

Yael Neeman sprach im Jüdischen Gemeindezentrum über das Leben im Kibbuz

von Nora Niemann  24.05.2026