Potsdam

Bewegung im Synagogenstreit

Noch im Entwurf: die Neue Synagoge Foto: dpa

In den Potsdamer Synagogenstreit ist nach monatelangem Stillstand wieder Bewegung gekommen. Nach vielen bilateralen Gesprächen mit den drei beteiligten jüdischen Gemeinden hofft die Landesregierung, die strittigen Punkte der Raumaufteilung und der Fassadengestaltung der Synagoge bis Jahresende klären zu können.

Bereits geeinigt haben sich die Akteure nach Angaben des Kulturstaatssekretärs Martin Gorholt über das Fortbestehen des Vertrags mit dem Architekturbüro Haberland, von dem der Entwurf stammt, und auf eine Grundstruktur des Betreibermodells. »Für uns als Land ist es wichtig, dass der Betreiber die drei jüdischen Gemeinden repräsentiert«, sagte Gorholt. Danach wird ein Rat, der von den drei Gemeinden berufen wird, das Synagogenprojekt mit einem Vorstand verwalten. »Dieser wird das Sagen haben«, betonte Gorholt.

offenes Haus Die religiöse Gestaltung des Gottesdienstes in der Synagoge werde nach orthodoxem Ritus stattfinden, über dessen Ausgestaltung wache der Rabbiner, erklärte Gorholt der Jüdischen Allgemeinen. Auf jeden Fall werde das neue Synagogengebäude ein offenes Haus sein.

Die historische Potsdamer Synagoge war bei einem alliierten Luftangriff auf den Potsdamer Hauptbahnhof im April 1945 zerstört worden. Für das Bauvorhaben hat die Landesregierung 4,5 Millionen Euro eingeplant. Aufgrund der Vereinbarung werde es eine Überarbeitung der Fassadenplanung geben, sagte Gorholt. Über die drei Gestaltungsvorschläge werde das Land mit den drei Gemeinden beraten und beschließen. Kommt es zu einer Einigung über Fassade und Raumaufteilung, könnte im nächsten Jahr mit dem Bau begonnen werden. Eine Grundsteinlegung 2014 sei in realistische Nähe gerückt.

Über den Bau der Neuen Synagoge hatten sich die Jüdische Gemeinde, die Synagogengemeinde und die Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde der brandenburgischen Landeshauptstadt in den vergangenen Monaten völlig zerstritten. Die Synagogengemeinde und die streng orthodoxe Gesetzestreue Gemeinde lehnten den Haberland-Entwurf unter anderem wegen der schlichten Fassade, die nicht erkennen lasse, dass das Bauwerk eine Synagoge ist, und wegen der Raumaufteilung, die religiösen Vorschriften widerspreche, wiederholt ab.

Vorschläge Alexander-Shimon Nebrat, der Vorstandsvorsitzende der Gesetzestreuen, wollte zu der jetzigen Ankündigung der Landesregierung »derzeit keinen Kommentar« abgeben. Für die Jüdische Gemeinde Potsdam mit ihren 400 Mitgliedern warnte deren Geschäftsführer Mykhalo Tkach vor zu großem Optimismus. Eine Einigung sei bei Weitem noch nicht erreicht. Die noch anstehende räumliche Gestaltung des Gebäudes sei für seine Gemeinde wesentlich.

»Dort spielt sich für uns jüdisches Leben ab«, betonte Tkach im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. Ud Joffe dagegen begrüßte die Vorschläge der Landesregierung. »Wir sind bereit, diesen Weg mitzugehen«, sagte der Vorsitzende der Synagogengemeinde. Endlich gebe es auch Klarheit über die Finanzierung der Folgekosten, die Brandenburg übernehmen wolle.

Trotz der skeptischen Stimmen hofft Kulturstaatssekretär Martin Gorholt auf eine baldige und endgültige Vereinbarung in allen Punkten. Er mahnte die Beteiligten allerdings zu weiterer Kompromissbereitschaft. »Wir werden nicht mehr unendlich diskutieren können.« epd/ja

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