Bayern

Besorgniserregende Entwicklung

2020 wurden 2372 Delikte verzeichnet, auch die Gewaltbereitschaft hat deutlich zugenommen. Foto: picture alliance/dpa

Die Zahl rechtsextremistischer und antisemitisch motivierter Straftaten ist in Bayern im vergangenen Jahr erneut stark angestiegen. Das geht aus dem aktuell veröffentlichten Bericht des Landesamts für Verfassungsschutz hervor.

Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, zeigt sich angesichts dieser Entwicklung besorgt, jedoch keineswegs überrascht. Mit Blick auf die Zahlen stellt sie fest: »Die negativen Trends der vergangenen Jahre werden ungebrochen fortgesetzt.«

angriffe Besonders erschreckend sei die deutliche Zunahme rechtsextremer Gewalttaten in Verbindung mit der hohen Zahl von Angriffen auf Politiker. »Wo Extremismus grassiert«, betont Charlotte Knobloch, »da ist auch Judenhass nie weit weg – und umgekehrt.«

Im vergangenen Jahr sind die rechtsextremen Straf- und Gewalttaten einerseits um 16 Prozent auf 2372 Delikte angestiegen, andererseits ist auch eine deutliche Zunahme der Gewaltbereitschaft erkennbar. 81 registrierte Gewalttaten bedeuten einen Zuwachs von 33 Prozent. Es gab ferner 477 rassistische Straftaten und 353 antisemitisch ausgerichtete Delikte. Diese Zahl stieg innerhalb der vergangenen beiden Jahre um das Doppelte.

Rechtsextremismus, so kommentierten die Landtags-Grünen den Verfassungsschutzbericht, sei aktuell die größte Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhang und die Demokratie. Cemal Bozoglu, Sprecher der Fraktion, sprach auch die Corona-Proteste an, die in der gesamten rechten Szene zu einem enormen Mobilisierungsschub geführt hätten.

querdenker Diese Entwicklung beobachtet auch die IKG-Präsidentin mit Sorge: »Viel zu viele der Protestierer sind mit den Querdenkern ins extremistische Lager abgerutscht.« Antidemokratische Desinformation spielt ihrer Ansicht nach dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Gerade Minderheiten wie die jüdische Gemeinschaft könnten ins Fadenkreuz derer geraten, denen Freiheit und Selbstbestimmung des Einzelnen ein Dorn im Auge sind, bewertet Charlotte Knobloch die Entwicklungen.

Auch Burkhard Körner, der Präsident des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz, kommt um die problematische »Corona-Szene« nicht herum. »Verschwörungstheorien, auch solche mit extremistischen Bezügen, gewinnen an Popularität«, stellte er bei der Vorstellung des Berichts fest. »Lautstärke übertönt die Vernunft«, schrieb er dazu im Vorwort.

Entscheidung

Noam Bettan startet beim ESC für Israel

Mehrere Länder boykottieren wegen Israels Teilnahme den Eurovision Song Contest 2026. Jetzt wurde entschieden, wer für das Land in diesem Jahr bei dem Musikwettbewerb an den Start geht

von Cindy Riechau  21.01.2026

München

Ein lebendiger Ort der Begegnung

Das neue Familienzentrum lud in der Reichenbachstraße zu einem »gemein(de)samen« Nachmittag ein

von Esther Martel  20.01.2026

Würdigung

Oldenburgerin Elke Heger erhält den Albrecht Weinberg-Preis

Die Oldenburger Pädagogin Elke Heger erhält für ihr jahrzehntelanges Engagement für die Gemeinschaft zwischen Juden und Christen den Albrecht Weinberg-Preis. Zur Verleihung wird der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies erwartet

 20.01.2026

Essen

»Holo-Voices«: Zeitzeugen des Holocausts sollen für immer sprechen

Auf der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen startet ein Medienprojekt, das Zeugen des Holocausts mit Besuchern in einen Dialog bringt. »Holo-Voices« soll Zeitzeugen »eine Stimme für die Ewigkeit« geben

 20.01.2026

Gedenktag

Weltweit noch 196.600 jüdische Holocaust-Überlebende

Am 27. Januar wird an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 81 Jahren erinnert. Dort und an vielen anderen Orten ermordeten die Nationalsozialisten Millionen Juden. Noch können Überlebende von dem Grauen berichten

 20.01.2026

Interview

»Man tut sich mit den toten Juden leichter als mit den lebenden«

Die Münchnerin Eva Umlauf ist Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees. Auf eine bestimmte Art des Gedenkens an die Opfer der Schoa schaut sie kritisch – und sagt, was sie sich wünscht

von Leticia Witte  20.01.2026

Warnung

Holocaust-Überlebende besorgt um Zukunft der Demokratie

Sieben Holocaust-Überlebende berichten in dem Buch »Nach der Nacht«, welche politischen Entwicklungen ihnen Sorge bereiten

 19.01.2026

Interview

»Die Kita wird für alle offen sein«

Yevgeny Kutikov, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Potsdam, über die erste jüdische Kita in Brandenburg.

von Christine Schmitt  19.01.2026

Dachau

2025 mehr als eine Million Besucher in KZ-Gedenkstätte

Erstmals wurden in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein ganzes Jahr lang Besucher gezählt. 2025 waren es mehr als eine Million. Im kommenden Frühjahr will man deren Profil genauer untersuchen

 19.01.2026