Fachsymposium

Aus jüdischer Perspektive

»Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus steigen stark an«: Benjamin Bloch, Direktor der ZWST Foto: Maria Ugoljew

Das Kompetenzzentrum der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) hat am Dienstag ein Fachsymposium zum Thema »Sprechen und Schweigen über Antisemitismus« eröffnet. Bei einem Pressegespräch im Berliner Pfefferberg informierten die Organisatoren und Unterstützer, welche Ziele sie mit der zweitägigen Veranstaltung verfolgen.

Benjamin Bloch, Direktor der ZWST, betonte die Notwendigkeit, über Antisemitismus ins Gespräch zu kommen. »Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus steigen stark an«, sagte er. Das Problem beobachte er weltweit, ob in den USA, Frankreich oder den Niederlanden. Jahrelang sei die Politik nach Links ausgeschlagen, »jetzt geht sie nach Rechts«. Das Fachsymposium komme zur richtigen Zeit.

Phänomen Die Veranstaltung richte sich an alle am Thema interessierten Menschen und nicht ausschließlich an die jüdische Community, sagte Marina Chernivsky vom Kompetenzzentrum. Die Tagung wolle Antisemitismus und Rassismus als ein soziales und politisches Phänomen betrachten. »Es geht nicht um individuelle Vorurteile«, betonte die Psychologin, »wir alle haben Vorurteile.« Viel wichtiger sei es, sich des Phänomens, das jede Gesellschaft betrifft, bewusst zu werden. »Es geht um das Greifbarmachen, nicht um Vorwürfe«, sagte Marina Chernivsky.

Beim Symposium werden Referenten aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Antirassismusprojekten erwartet. Wie machen sich Rassismus und Antisemitismus im öffentlichen Leben bemerkbar? Was kann gegen den Hass im Internet unternommen werden? Wie können diejenigen gestärkt werden, die angegriffen werden? Alle diese Fragen und viele weitere stehen zur Diskussion.

Unterstützung »Man muss dem Antisemitismus etwas entgegensetzen«, sagte Susanne Krause-Hinrichs, Geschäftsführerin der F. C. Flick Stiftung. Die in Potsdam sitzende Institution unterstützt die Arbeit der ZWST seit vielen Jahren, so auch das Symposium des Kompetenzzentrums, das darüber hinaus auch vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend gefördert wird.

Gegründet wurde das Kompetenzzentrum 2015. Es sei in drei Bereichen aktiv, sagte Marina Chernivsky: in der politischen Bildung, der Stärkung der jüdischen Gemeinschaft und in der Beratung von Personen, die von Diskriminierung betroffen sind. Das Fachsymposium, das nun erstmals ausgetragen wird, sieht sie als eine wichtige Ergänzung zum bisherigen Angebot. Es sei eine Plattform, in der die Sicht der jüdischen Zivilgesellschaft zu Wort komme. Ihre Perspektiven und Erfahrungen seien für die Mehrheit der Gesellschaft bislang nicht sichtbar. Das wolle man ändern.

Berlin

Dieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis

Der Kabarettist ist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte den Kabarettisten für seinen entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  10.06.2026

Leo-Baeck-Preis

»Seine Arbeit hat rettende Relevanz«

Ahmad Mansour lobte in seiner Laudatio auf Dieter Nuhr den Mut und die intellektuelle Unbestechlichkeit des Kabarettisten. Eine Dokumentation

von Ahmad Mansour  10.06.2026

Rede

»Sie beweisen Zivilcourage und folgen mit ihrem Mut dem Beispiel von Leo Baeck«

Zentralratspräsident Schuster hob bei der Vergabe des Leo-Baeck-Preises Dieter Nuhrs ebenso fairen wie kompetenten Blick auf den jüdischen Staat hervor

von Josef Schuster  10.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  10.06.2026

Berlin

Kleine Botschafter

Beim Innovationswettbewerb »Building Bridges« der israelischen Vertretung in Deutschland wurden vier Projekte ausgezeichnet. Eine Ehrung für gelebten Austausch

von Katrin Richter  10.06.2026

Unterstützung

Hilfe für gestrandete Israelis

Von Notunterkünften bis Schabbat-Einladungen: Die IKG zeigt gelebte Solidarität

von Luis Gruhler  10.06.2026

Programm

Fast ohne Fußball: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 11. Juni bis zum 18. Juni

 10.06.2026

Standort

Yad Vashem am Karolinenplatz

Die Holocaust-Gedenkstätte errichtet in München ihr erstes Bildungszentrum außerhalb Israels

von Luis Gruhler  09.06.2026

Meinung

Nein, ein Davidstern ist keine Provokation

Im Amtsgericht Flensburg wurde einer Frau der Zutritt zum Saal nur unter der Bedingung gewährt, dass sie ihre Kette mit einem jüdischen Symbol ablegt. Das ist keine Auslegungsfrage, sondern ein Justizskandal

von Annabelle Ganapol-Vučelić  09.06.2026