Weilheim

Acht Namen fürs Gedenken

Abgesprengt: Bildhauer Egon Stöckle (2.v.r.) erklärt Charlotte Knobloch sein Konzept bei der Einweihung des Gedenksteines mit Bürgermeister Markus Loth (2.v.l.).

Im oberbayerischen Weilheim erinnert seit Kurzem ein Gedenkstein an die jüdischen Bürger, die in der NS-Zeit verschleppt und ermordet wurden. Zur Enthüllung kam auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Für sie ist klar: Die Erinnerung an die Opfer dürfe »nicht abgehakt und weggestellt werden, sondern sie ist eine Mahnung an uns alle« – sowohl für die Gegenwart als auch für die Zukunft.

Auf dem Stein sind acht Namen verewigt: Emil, Hedwig, Johanna und Ernst Buxbaum, Johanna, Bernhard und Sabina Schmidt sowie Richard Grunwald. Sieben der Genannten wurden umgebracht, Ernst Buxbaum beging Selbstmord. Der Gedenkstein steht auf dem städtischen Friedhof. Im Vorfeld hatten mehrere Kommunalpolitiker für einen zentralen Standort plädiert. Die Mehrheit der Stadträte entschied sich jedoch für den Friedhof. Vor ein paar Jahren wurde bereits eine zentral gelegene Gasse in Buxbaumgasse umbenannt. Weilheim feiert 2010 die erste urkundliche Erwähnung vor 1.000 Jahren.

etabliert Die Juden lebten hier einst mitten in der Stadt, hatten Geschäfte und waren gesellschaftlich etabliert. Knobloch erwähnte unter anderem die Familie Harburger. Der 13-jährige Sohn Max rettete 1921 einen Mitschüler vor dem Ertrinken. Dafür sprach die Regierung von Oberbayern dem Jungen die öffentliche Anerkennung aus. »In all diesen Jahren prägten jüdische Menschen das Stadtbild«, betonte Knobloch. Eine Zukunft sei ihnen jedoch verwehrt geblieben – »nur weil sie Juden waren«. Die Harburgers emigrierten 1934 nach Palästina.

Geschaffen hat das Denkmal der Bildhauer Egon Stöckle. Dabei hat er von einem roten Sandsteinblock ein Stück weggesprengt. Auf diesem Teil stehen die acht Namen. Stöckle wollte damit zeigen, dass diese Menschen von »der Bürgerschaft abgetrennt wurden«. Sowohl Knobloch als auch Weilheims Bürgermeister Markus Loth lobten den Bildhauer für die Gestaltung des Denkmals. Mit einer Schweigeminute gedachten die Gäste der Toten.

Nach Knoblochs Auffassung ist es jedoch nicht damit getan, den Blick ausschließlich auf die Vergangenheit zu richten. So verwies sie darauf, dass heute wieder Juden in Weilheim leben und sich aktiv für den Tierschutz und gegen die Jagd einsetzen. Die Präsidentin betonte, es sei ihr ein »besonderes Herzensanliegen, dass diese kleine jüdische Oase weiter Wurzeln« schlage

Berlin

Zentralrat der Juden fordert baldiges Demokratiefördergesetz

Josef Schuster: Das Gesetz ist nötig, um das zivilgesellschaftliche Engagement gegen Antisemitismus zu fördern

 26.01.2022 Aktualisiert

Interview

»Jeder Zeitzeuge hat eine individuelle Geschichte«

Jugendliche erinnern an den Todesmarsch von David »Dugo« Leitner und essen Falafel – eine Aktion der ZWST

von Christine Schmitt  25.01.2022

Rostock

Damit die Erinnerung nicht verblasst

Mehr als 50 Freiwillige reinigen Denksteine für ermordete Juden in der Hansestadt

von Jérôme Lombard  25.01.2022

Auszeichnung

Bunt, lustig, berlinerisch

Mit ihrem Puppentheater »Bubales« will Shlomit Tripp Brücken bauen. Dafür erhält sie den Preis der Obermayer-Stiftung

von Nina Schmedding  25.01.2022

Schlewig-Holstein

Kieler Bunker zeigt Ausstellung zur Blockade Leningrads

Die Schau umfasst historische Aufnahmen, Texte auf Russisch und Deutsch sowie eine Klanginstallation

 24.01.2022

Porträt der Woche

»Zeichen faszinieren mich«

Imola Nieder-O’Neill ist Kunsthistorikerin und möchte ihre eigene Galerie eröffnen

von Katrin Diehl  22.01.2022

Jüdisches Museum Berlin

»Wir hoffen auf unbekannte Geschichten«

Tamar Lewinsky über ihre Ausstellungspläne zu Juden in der DDR und die Suche nach Objekten

von Christine Schmitt  22.01.2022

Amt

In Mainz angekommen

Jan Guggenheim ist seit Oktober vergangenen Jahres Rabbiner in der Gutenbergstadt. Ein Porträt

von Jens Balkenborg  22.01.2022

München

Olympia 1972, Zeitzeugin, Gedenkjahr

Meldungen aus der IKG

 20.01.2022