Thüringen

Achava-Festspiele: 53 Veranstaltungen in 17 Tagen

Foto: picture alliance/dpa

In gleich vier thüringischen Städten, nämlich Erfurt, Eisenach, Gotha und Weimar stehen die Achava Festspiele an. Am 5. Oktober beginnt die Veranstaltungsreihe, in der es den Organisatoren zufolge darum geht, jüdisches Leben und jüdische Kultur zu vermitteln.

Konkret geht es um »Erinnerung mit dem Blick nach vorn«, wie es in einer offiziellen Ankündigung heißt. »Humanistische Werte, Toleranz, Mitmenschlichkeit und Zivilcourage sind essentiell für ein friedliches Miteinander aller Menschen. Die Vergangenheit verstehen, um eine bessere Zukunft gestalten zu können.«

Vergangenheit vs. Gegenwart Gerade in Thüringen ist die politische Situation mehr als problematisch, was auch die Macher der Achava Festspiele wissen: »Aktuell scheint die Vergangenheit die Gegenwart einzuholen. 100 Jahre nach dem eigentlich Unwiederholbaren. Rechte Tendenzen erstarken wider besseres Wissen. Scheinbar einfache Lösungsansätze verschleiern komplexe Probleme.« In dem ostdeutschen Bundesland liegt die rechtsextremistische AfD in Umfragen auf Platz 1 - weit vor allen anderen Parteien.

»Wir glauben fest daran, dass der Mensch immer bei sich selbst anfangen sollte, die Welt ein Stück besser zu machen«, sagt Martin Kranz, der Intendant der Achava Festspiele Thüringen. »Das heißt auch, dass man Verantwortung übernimmt für sein Handeln. Dass man es sich auch zutrauen kann.«

In Eisenach habe eine Gruppe beispiellos engagierter Bürger das Festivalprogramm in die Hand genommen, hieß es. Im dortigen »E-Werk« sind Workshops für Schulen und Lesungen vorgesehen, sowie eine Party, Ausstellungen und Konzerte. Shelly Kupferberg wird am 17. Oktober ihren neuen Roman »Isidor« vorstellen.

Gipsy Style Gotha ist erst seit dem vergangenen Jahr Partnerin der Festspiele. Eines der dortigen Highlights ist das Konzert des Klarinettisten Helmut Eisel, der einst Schüler von Giora Feidman war. Mit Schülern der Musikschule »Louis Spohr« soll er am 22. Oktober ein Programm mit dem Titel »Jewish Land & Gipsy Style« auf die Bühne bringen.

Sowohl die kanadisch-israelische Sängerin Yael Deckelbaum als auch Tim Fischer geben in Erfurt Konzerte - am 7. und 8. Oktober. Deckelbaum und ihre Gruppe The Mothers liefern Emanzipations-Songs, während Fischer auf Lieder von Georg Kreisler zurückgreift. Und dies sind nur zwei von vielen Höhepunkten.

In Weimar sind die Events der Achava Festspiele ebenfalls vielfältig. Hier trifft die Stadtgesellschaft auf »Studierende und Lehrende«, wie es in einer offiziellen Ankündigung heißt - sowie auf Überlebende des Holocaust und Ron Prosor, den israelischen Botschafter in Deutschland. »Let’s dance meschugge« ist das Motto einer Party am Donnerstag.

Das gesamte Programm der Achava Festspiele in Thüringen ist hier einsehbar.

Friedliche Revolution Neben Begegnungen mit Zeitzeugen, die ihre Geschichten erzählen, will das Festival auch die deutsch-deutsche Geschichte, die friedliche Revolution und das Leben danach thematisieren. Es geht darum, dem Publikum, darunter auch Schülern, ein gutes Demokratieverständnis zu vermitteln.

Neben dem 17-tägigen Festival gehören »kleinere Satelliten« zu den Achava-Festspielen, darunter ein Sommerkino, Jazz-Konzerte im Dezember sowie separate Advents- und Chanukka-Konzerte in Weimar und Gotha am 13. und 16. Dezember. Der treffende Titel: »Light a Little Candle«. im

Eröffnung

Museum Zwangsarbeit zeigt Ausstellung zu »unerwünschten Kindern«

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im NS-Regime waren verboten. Trotzdem gab es diese Kontakte ebenso wie Kinder aus diesen Beziehungen. Eine Ausstellung in Weimar widmet sich den Geschichten der betroffenen Eltern und Kindern

 29.10.2026

Berlin

Wundersame Rückkehr

Eine Delegation des Temple Chai aus Phoenix, Arizona, brachte einen Wimpel und eine Parochet, die 88 Jahre verschollen waren, zurück in die Synagoge Oranienburger Straße

von Alicia Rust  29.10.2026

Frankfurt am Main

L’Chaim! Auf das Leben

Die Gala »WIZO Night for Children« brachte mehr als 560 Patenschaften

von Eugen El  29.10.2026

Frankfurt

Eine Akademie für Deutschland

Am Montag wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  29.10.2026

Gefahr

Antisemitische Gewalt an Halloween?

In einem Schreiben rät der Zentralrat der Juden für das Wochenende zu Vorsicht und empfiehlt verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

 28.10.2026

Seele

Wenn alles zu viel ist

Erstarkende Extreme, Gedanken ans Auswandern, Rechtfertigen im Alltag – eine virtuelle Begegnung mit Jüdinnen und Juden und der Frage: Wie gehtʼs dir?

von Katrin Richter  27.10.2026

Ausstellung

Waschgefäß ohne Geschichte

Das Jüdische Historische Institut in Warschau zeigt Exponate aus dem ehemaligen Berliner Jüdischen Museum – ohne klare Verweise und mit auffälliger Distanzierung

von Ingo Loose  27.10.2026

Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens: Akademie öffnet

Es ist die erste Institution dieser Art in der Bundesrepublik. Was hat es damit auf sich?

 27.10.2026

Deutschland

Zentralrat der Juden warnt vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober

In einem Schreiben wird für das Wochenende zu Vorsicht und verschärften Sicherheitsmaßnahmen geraten

 26.10.2026