Jugendzentrum

Abschied mit Wehmut

Stolz auf ihre Arbeit im Olam: Xenia Fuchs Foto: Mike Minehan

Jugendzentrum

Abschied mit Wehmut

Xenia Fuchs hat die Leitung von Olam abgegeben

von Christine Schmitt  14.11.2011 18:03 Uhr

Die Abfalleimer stehen im Weg. Xenia Fuchs schüttelt den Kopf. »Die stören doch, und es sieht nicht gerade einladend aus«, sagt sie. Obwohl sie sich als Leiterin des Jugendzentrums Olam an der Joachimstaler Straße bereits verabschiedet hat, muss sie die Mülleimer doch noch wegstellen. Am Sonntag fand die erste Casting-Show für die nächste Jewrovision statt – in diesem Jahr ohne die 28-Jährige.

»Ich habe mich ausgeruht und mir einen faulen Sonntag gemacht – das kenne ich schließlich gar nicht«, sagt sie. Ein bisschen komisch sei es schon gewesen. »Für mich ist es ein großer Schritt, zu gehen und mein Baby Olam zurückzulassen«, sagt sie. Sie will sich nun um ein Referendariat als Grundschullehrerin bewerben, am liebsten an einer jüdischen Schule.

Tanzgruppe Mit knapp acht Jahren kam Xenia mit ihrer Familie von Moskau nach Berlin. Eine der ersten Anlaufstellen war für sie damals das Jugendzentrum der Jüdischen Gemeinde, vor allem die Tanzgruppe Gita. Von der Steglitzer Grundschule wechselte sie zur Jüdischen Oberschule und stellte bald fest, dass sie einen guten Draht zu Kindern hatte. Bald gab sie Nachhilfeunterricht.

Auf den Machanot der Zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland lernte sie das Judentum erst richtig kennen. »In meiner Heimat wurde kaum über die Religion gesprochen.« Ehrenamtlich half sie im Jugendzentrum, bis sie schließlich gefragt wurde, ob sie die stellvertretende Leitung übernehmen könnte. »Ich wollte weitergeben, was ich selbst bekommen hatte.«

Als vor vier Jahren die damalige Leiterin ging, übernahm sie erst einmal kommissarisch die Führung und bewarb sich dann auf die ausgeschriebene Stelle. »Wir hatten ein schlechtes Image, standen im Ruf, dass bei uns nur Russisch gesprochen wird«, erzählt sie, »und niemand kam.«

Ehrenamt »Xenia hat das Jugendzentrum aus dem Koma geholt«, sagt Tatjana Vidanova, die sich jahrelang im Jugendzentrum ehrenamtlich engagiert hat. Xenia sei ein Stehaufmännchen und habe trotz vieler Schwierigkeiten immer weitergemacht. »Wenn ich sie als Freundin traf, hatte sie immer nur ein Thema: das Jugendzentrum.«

Immerhin gab es Madrichim, die Xenia in der schwierigen Zeit unterstützten, und so boten sie erst einmal einen Tag der Offenen Tür an, stellten ein Programm auf die Beine und schrieben Briefe an die Eltern. »Ich freute mich über jedes Kind.« Und die brachten wiederum Freunde mit, bald gab es Kinder und Jugendliche, mit denen Pessach, Purim und Chanukka gefeiert werden und die Peulot am Sonntag stattfinden konnten. Die Jewrovision erwies sich als Glücksfall und Magnet. Etwa 1.100 Kinder gehören der Gemeinde an, und mehr als 100 seien regelmäßig im Olam.

»Am wichtigsten war es, wieder einen Ort für jüdische Kinder und Jugendliche zu schaffen, in dem sie ihre Freizeit verbringen können«, betont sie. Sie hingegen habe kaum über freie Zeit für sich verfügt. Es mussten die Abrechnungen gemacht, Räume dekoriert oder nach Partys noch aufgeräumt werden, damit am nächsten Tag alles in Ordnung war, wenn das Jugendzentrum öffnete. »Ich war immer mit meiner ganzen Kraft dabei. Ich blicke voller Stolz zurück.«

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Thüringen

Landesgemeinde dringt auf Ehrung von Klaus Trostorff

Klaus Trostorff war Buchenwald-Häftling und leitete später die Mahn- und Gedenkstätte der DDR. Die Jüdische Landesgemeinde will ihm in Erfurt eine Straße widmen

 17.02.2026

Hamburg

Altona war schon immer toleranter

Ein Projektraum im Regionalmuseum zeigt 400 Jahre jüdische Geschichte der gesamten Hansestadt

von Heike Linde-Lembke  16.02.2026

München

Brauchtum zu Besuch

Der Tanz der Schäffler im Hof der Sinai-Grundschule verband auf besondere Weise Geschichte und gelebte Gemeinschaft

von Esther Martel  16.02.2026