Berlin

18 Sorten Glück

»Glück kann man nicht kaufen, aber Eiscreme. Und das ist fast dasselbe«, heißt es in einem Sprichwort. Das kann der gelernte Konditor und Jungunternehmer Felix Schwabe nur bestätigen. »Süßfein« heißt seine kleine Eismanufaktur in der Brunnenstraße – nur unweit von der Gemeinde Kahal Adass Jisroel entfernt.

Was sein Eis von anderen unterscheidet? Abgesehen davon, dass er alle Eiskreationen selbst zusammenstellt und sie jeden Tag frisch vor Ort produziert werden, gibt es hier koscheres Eis. Ein Novum.

Zufall Und wie ist er auf diese Idee gekommen? Der 32-jährige Unternehmer zuckt mit den Schultern und lacht: Eigentlich sei es Zufall gewesen. »Eines Tages, als wir gerade dabei waren, alles aufzubauen, kam Rabbiner Shlomo Afanasev von der Jüdischen Gemeinde von gegenüber vorbei und fragte, ob er einmal bei der Produktion zuschauen dürfte.«

Da habe Schwabe kurzerhand gemeinsam mit dem Rabbi Eis produziert. »Der Rabbi war sehr angetan – vor allem, weil wir nur die hochwertigsten Zutaten verarbeiten, deshalb bot er uns an, er könne unser Eis doch eigentlich auch als koscher zertifizieren.« Ganz so einfach sei der Prozess bis zur Zertifizierung dann aber doch nicht gewesen, gibt der Eisproduzent zu.

Rabbi Afanasev nahm gemeinsam mit Felix Schwab gleich jede Eiszutat in Augenschein.

Was folgte, war eine gründliche Betriebsbesichtigung. Alle Abläufe wurden ausgiebig getestet und – wo nötig – auch optimiert. Jede einzelne Zutat sei vom Rabbiner in Augenschein genommen worden. Jeden Ablauf habe man gemeinsam gemacht. »Wir mussten uns an einige Regeln halten, zum Beispiel, dass wir auf gar keinen Fall Gelatine verarbeiten und natürlich die milchigen und tierischen Produkte getrennt aufbewahren.«

Gelatine ließe sich aber ohne Weiteres durch pflanzliche Produkte ersetzen. »Wir verwenden keine Chemie, setzen ausschließlich auf frische Milch.« Und der Rabbi habe auf »Deutscher Markenbutter« bestanden, weil die für ihre Reinheit bekannt sei. Dass alles ohne Konservierungsstoffe produziert wird, war hingegen in der kleinen Eismanufaktur bereits vor dem ersten Besuch des Rabbiners selbstverständlich.

sortiment Erdnuss-Dattel-Salzkaramell, Pistazie mit Nougat oder Brombeer-Brownie-Mascarpone; 18 Sorten pro Tag bietet Felix Schwabe seinen Kunden an, dabei wechselt das Sortiment wöchentlich. Über 56 Sorten insgesamt hat der gelernte Konditor inzwischen kreiert. Und ständig kommen neue hinzu.

Die bislang wohl ungewöhnlichste Sorte ist ein Bier-Eis. Etliche der Eissorten sind inzwischen nicht nur »koscher«, wofür auf den Hinweisschildchen ein kleines KP, die Abkürzung für koscher-parve, oder KM für koscher-milchig steht. Manche sind zusätzlich auch vegan. Die Verwendung von Eiern oder Eigelb sei ohnehin tabu.

Insgesamt hat »Süßfein« 56 Sorten im Angebot: von Erdnuss bis Salzkaramell und und Bier-Eis.

Und welche Sorte bevorzugt der Rabbi? »Wenn er nicht gerade vorbeikommt, um eine neue Mischung als koscher zu zertifizieren oder um den Ofen anzumachen, weil wir zum Beispiel eine Bestellung von Brownies aus der Gemeinde haben, kommt er gern mit seiner Frau und den vier Kindern vorbei. Dann bevorzugt er Sorbets, meistens das Schoko-Sorbet.«

Begegnungen Vier Festangestellte und rund 16 Aushilfen beschäftigen Schwabe und seine Geschäftspartnerin Lisa Staib, eine studierte BWLerin, inzwischen. Auch das zweite Ladenlokal in der Rykestraße 50 im Prenzlauer Berg liegt nur unweit von einer jüdischen Schule und einer Synagoge entfernt. Auch das sei eher Zufall gewesen, gibt Schwabe zu.

Die Begegnungen mit den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und die Zusammenarbeit mit dem Rabbi empfindet er hingegen als großes Glück und als Bereicherung. Inzwischen sind beide Eiscafés eine Begegnungsstätte für Juden wie für Nichtjuden. Menschen kommen miteinander ins Gespräch, Kinder genießen das süße Glück, ganz unabhängig davon, ob oder wie es zertifiziert sein mag – Hauptsache, es schmeckt.

Wenn das Wort Beruf von Berufung kommt, hat Schwabe, der in Berlin-Buch aufgewachsen ist, offenbar vieles richtig gemacht. Schon als Kind hatte er – anders als der Rest der Familie – ein Faible für gute Lebensmittel. »Mein Beruf erfüllt mich mit Freude!« Es sei nicht nur das Handwerk, die Produktion oder das Unternehmerische. »Es gibt nichts Schöneres, als den Menschen etwas über den Tresen zu reichen, was sie augenblicklich erstrahlen lässt. Ich schaue den ganzen Tag in glückliche Gesichter!«

Bildung

»Die jüdische Sicht stärken«

Eduard Steinberg über den neu gegründeten Verband jüdischer Pädagogen, Ausbildung von Lehrern und Fakten statt Meinungen

von Katrin Richter  22.06.2026

Maccabi

Eine Feier für den jüdischen Sport

Der Verein lud zum traditionellen Sommerfest im Vereinsgelände an der Riemer Straße

von Luis Gruhler  21.06.2026

München

Ganz im Vertrauen

Seit rund sechs Wochen ist Dominik Krause als Oberbürgermeister im Amt. Nun traf er sich mit Vertretern des Vorstandes der IKG zum Gespräch

von Luis Gruhler  21.06.2026

Porträt der Woche

Flucht und Farben

Alexander Glinkin ist Maler. Im Frühjahr 2022 verließ er Kyjiw und lebt heute in Berlin

von Matthias Messmer  21.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026

Interview

»Ich kann daraus lernen«

Rabbiner Avigdor Moshe Nosikov hat eine ungewöhnliche Umfrage durchgeführt: Wie zufrieden sind die Mitglieder der Dortmunder Jüdischen Kultusgemeinde mit seiner Arbeit?

von Christine Schmitt  18.06.2026

Berlin

Kampflibellen am BER

Bei der gerade zu Ende gegangenen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Schönefeld haben auch israelische Firmen die neueste Technik vorgestellt. Ein Besuch zwischen Kraftstofftanks und Drohnenabwehr

von Leon Stork  18.06.2026

Nordrhein-Westfalen

Landtag ehrt Sieger von »Shalom - Jüdisches Leben heute«

Mehr als 2200 junge Menschen haben mit mehr als 450 Beiträgen jüdisches Leben greifbarer gemacht

 17.06.2026