Tagung

»Zeichen der Hoffnung«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Foto: dpa

Tagung

»Zeichen der Hoffnung«

Fast 1000 Vertreter verschiedener Religionen suchten am Bodensee nach Lösungen für aktuelle Konflikte

 22.08.2019 09:25 Uhr

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Dienstag die zehnte Weltversammlung von »Religions for Peace« (RfP) in Lindau am Bodensee offiziell eröffnet. Eigenen Angaben zufolge ist die Versammlung die weltweit größte Allianz religiöser Gemeinschaften in rund 100 Ländern. Hauptsitz ist New York. Bis einschließlich Freitag beraten mehr als 900 Religionsvertreter auch über mögliche Lösungen für aktuelle Konflikte.

Ruanda Vertreter des Bündnisses waren unter anderem bei den Konflikten in Bosnien-Herzegowina und in Ruanda als Vermittler tätig. Zu den diesjährigen Teilnehmern gehören auch jüdische Vertreter wie David Rosen, internationaler Direktor für interreligiöse Angelegenheiten des American Jewish Committee (AJC), Oded Wiener, ehemaliger Generaldirektor des israelischen Oberrabbinats, Rabbiner Walter Homolka, Rektor des Abraham Geiger Kollegs in Potsdam, und Rabbiner Tovia Ben-Chorin.

Steinmeier betonte, in Deutschland nehme man ernst, »dass die Religionen zu den größten gesellschaftlichen Akteuren der Welt gehören«. Im Auswärtigen Amt sei daher ein eigenes Referat »Religion und Außenpolitik« gegründet worden: »Und so ist es für uns auch selbstverständlich, dass wir die Arbeit von Religions for Peace besonders unterstützen.«

Phänomen Steinmeier unterstrich: »Es darf uns – ich darf mich hier als gläubiger Christ ganz bewusst einschließen –, es darf uns, denen uns Religion und Glaube wichtig sind, nicht gleichgültig sein, wenn immer wieder viele Menschen zum Ausdruck bringen, dass Religion geradezu ein friedensverhinderndes, ja kriegsförderndes Phänomen sei.«

Der religiöse Glaube könne »eine große, ja wunderbare Macht sein, die den Einzelnen für sein ganzes Leben prägen kann, die ihm im Leben und Sterben Kraft und Sinn geben kann«. Doch Glaube und Religion könnten auch missbraucht werden: »Als Motivation für im Grunde außerreligiöse Intentionen und politische Ziele«, so der Bundespräsident. Er unterstrich: »Kein Krieg darf geführt werden im Namen der Religion! Das muss die gemeinsame Botschaft von Lindau sein.«

Globalisierung Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete das Treffen am Bodensee als »Zeichen der Hoffnung in einer verunsicherten Welt«. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte, in Zeiten der Globalisierung müssten die Religionen Instrumente des Friedens sein.

Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., forderte: »Wir müssen die Menschheit dazu bewegen, sich für ein weltweites Gemeinwohl einzusetzen.« Scheich Abdullah bin Bayyah aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bemerkte, die Globalisierung habe zwei Kräfte hervorgebracht: die eine, die darauf dringe, religiöse Identitäten zu zerstören und eine gemeinsame aufzubauen, und die andere, die Gemeinschaften dazu bringe, sich an ihre Sitten und Bräuche zu klammern. Doch werde es keine Zukunft Einzelner geben, wenn es nicht eine Zukunft aller gebe.

Motto Die Tagung steht unter dem Motto »Caring for Our Common Future – Advancing Shared Well Being« (»Für unsere gemeinsame Zukunft sorgen – das Gemeinwohl für alle fördern«). Viel Beachtung fand der »Ring for Peace«.

Diese vom Brandenburger Künstler Gisbert Baarmann geschaffene 7,5 Meter hohe Skulptur steht nun dauerhaft im Lindauer Luitpoldpark. Sie ist aus 36 Hölzern aus aller Welt als in sich verschlungenes Möbiusband geschaffen und soll die sich »gegenseitig komplettierende Eigenschaft von Weltreligionen« symbolisieren, »die in ihrer Einheit die Gesamtheit des Bewusstseins abbilden«. kna/epd/ag

Wale

Leviathan in der Ostsee

Die Aufregung um »Timmy« zeigt: Riesige Meerestiere faszinieren die Menschen bis heute. Schon die Gelehrten im Talmud hatten ihre Theorien über die Bewohner der Tiefe

von Vyacheslav Dobrovych  01.05.2026

Talmudisches

Richtig beten

Kawana: Eine bestimmte geistige Haltung ist Vorbedingung für das innere Gespräch mit G’tt

von Yizhak Ahren  01.05.2026

Feiertage

Besondere Zeiten

Die Tora möchte, dass wir uns immer wieder aus unserer Routine lösen, um uns mit unseren Mitmenschen zu verbinden

von Miksa Gáspár  01.05.2026

Forschung

Der Fuchs, die Gans und der Rambam

Eine Illustration in der Kölner Abschrift der »Mischne Tora« scheint auf das Volkslied anzuspielen. Doch dies entstand viel später

von Lorenz Hegeler  30.04.2026

Berlin

»Ich will mich nicht verstecken«

Ron Dekel wurde angepöbelt, weil er eine Kippa trug. Ein Video davon ging viral, er wurde im Netz beleidigt, man lauerte ihm vor der Synagoge auf. Hier spricht der Präsident der Studierendenunion darüber, was ihm passiert, seitdem er sich sichtbar als Jude zeigt

von Mascha Malburg  27.04.2026

Talmudisches

Kraft der Gemeinschaft

Was unsere Weisen über Zusammenhalt lehren

von Rabbiner Avraham Radbil  24.04.2026

Geschichte

Als die Zeit stillstand

Während der Schoa hatten viele Juden keinen Zugang zu einem jüdischen Kalender. Trotz allem fanden sie Wege, um in den Lagern oder im Versteck den Schabbat und die Feiertage einzuhalten

von Valentin Suckut  24.04.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Acharej Mot – Kedoschim

Feuer aus Menschenhand

Heiligung entsteht nicht im Rückzug ins Himmlische, sondern im gestaltenden Eingreifen in die Welt

von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl  23.04.2026