Wieso Weshalb Warum

Schammes

Das hebräische Wort »Schamasch« oder jiddisch »Schammes« bedeutet wörtlich »Diener«. In der jüdischen Gemeinde bezieht sich dieser Begriff im Allgemeinen auf einen Synagogen- und Gemeindemitarbeiter: eine Person, die die Synagoge und ihre Einrichtungen verwaltet und für einen reibungslosen Ablauf der religiösen Angelegenheiten sorgt.

In talmudischer Zeit wurde der Schamasch »Chasan« genannt. Zu jener Zeit gehörte zu seinen Aufgaben auch das Vorbeten. Im frühen Mittelalter war der Begriff Schamasch bereits etabliert, und es verbarg sich dahinter eine angesehene Position. Der Schamasch verfügte als Amtsträger über erhebliche Macht und trug große Verantwortung. Er half nicht nur mit, die G’ttesdienste zu leiten, sondern er verschaffte auch den Urteilen des Beit Din, des Rabbinatsgerichts, Geltung.

Chanukka Die Bezeichnung Schamasch bezieht sich aber auch auf die neunte Kerze in der Chanukkia, dem Chanukkaleuchter. Mit dem Licht des Schamasch werden alle anderen Kerzen zum Leuchten gebracht. Anders als die acht Festlichter durfte man dieses neunte Licht in früheren Zeiten auch für profane Zwecke verwenden.

In einigen Gegenden gehörte es früher zu den Pflichten des Schammes, der Gemeinde an jedem Schabbat die Urteile des Beit Din in Rechtsstreitigkeiten bekanntzugeben und die Mitglieder darüber zu informieren, welche Liegenschaften zum Verkauf angeboten werden.

Der Schammes verkündete der Gemeinde am Freitagnachmittag vor Eingang des Schabbats mit drei Schofar- oder Trompetentönen, dass die Arbeit nun zu ruhen hat. In späteren Zeiten wurde mittels eines Holzhammers, mit dem der Schammes auf die Zäune klopfte (»Schulklopfer«, »Synagogenklopfer«), bekannt gemacht, dass die Zeit für den G’ttesdienst nun angebrochen war.

Der Schammes trug auch Einladungen zu privaten Feiern aus und erinnerte die Gemeindemitglieder an bestimmten Feier- oder Trauertagen mit dem Klopfen an ihre religiösen Pflichten. In kleineren Orten wurde der Schammes auch mit dem Eintreiben der Gemeindesteuer oder Toraspenden betraut.

Schtetl In den großen Gemeinden und in den Schtetls in Osteuropa ab dem 16. Jahrhundert war es für den Schammes nicht mehr möglich, all diese Aufgaben zu erfüllen. Und so übertrug er sie an untergeordnete Mitarbeiter. Jede Synagoge hatte in der Regel einen Schammes, der sozusagen eine »Vorarbeiter«-Funktion hatte. Unterstützt wurde er von einem »Unter-Schammes«. Dieser fungierte als Pförtner, fegte die Fußböden oder reinigte die Kerzenhalter.

Der Schammes und sein Assistent waren auch verantwortlich für die Talmudstudenten oder durchreisende Gäste, die mangels einer eigenen Bleibe in der Synagoge wohnten. Der Schammes kümmerte sich darum, Haushalte zu finden, in denen die armen Studenten jeweils an einem Tag in der Woche mit einer warmen Mahlzeit verpflegt wurden.

Wie über den Schnorrer gibt es auch über den Schammes viele Anekdoten. Eine Geschichte erzählte man über jemanden, der in einer kleinen osteuropäischen Gemeinde nicht als Schammes angenommen wurde. Da er des Schreibens nicht kundig war, hätte er die Spenden der Gemeindemitglieder nicht quittieren können. Er wanderte nach Amerika aus und kam dort zu Reichtum und Ansehen. Er wurde sogar Konzernchef, überließ es aber stets seinem Kompagnon, die Verträge zu unterzeichnen. Auf die erstaunte Frage, was aus ihm wohl alles hätte werden können, wenn er lesen und schreiben könnte, antwortete er: »Schammes in meinem Dorf!«

Chaje Sara

Riwka ist die Richtige

Die biblische Geschichte zeigt, wie die Verheißungen des Ewigen auch durch Frauen erfüllt werden

von Rabbinerin Yael Deusel  06.11.2026

Talmudisches

G’tt will das Herz

Was unsere Weisen über die Verinnerlichung und das Leben mit der Tora lehren

von Vyacheslav Dobrovych  06.11.2026

Standpunkt

In der Tradition verwurzelt, der Welt zugewandt

Rabbiner Bradley Shavit Artson plädiert für ein selbstbewusstes, offenes und traditionsverbundenes Judentum, das sich den Herausforderungen unserer Zeit stellt

von Rabbiner Bradley Shavit Artson  05.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 03.11.2026

Aleeza Ben Shalom

»Wir suchen nach Körper und Seele«

Als Star der Netflix-Serie »Jewish Matchmaking« ist sie international bekannt und kommt auch nach Deutschland. Funktioniert die jüdische Liebe hierzulande anders?

von Mascha Malburg  02.11.2026

Wajera

Lots Töchter

Wie in der Tora über Inzest und sexuelle Gewalt gesprochen wird

von Paige Harouse  30.10.2026

Talmudisches

Sonnenanbeter

Was unsere Weisen über die Macht lehren, die wir dem Zufall zuschreiben

von Vyacheslav Dobrovych  30.10.2026

Mobilität

Scootern am Schabbes?

Was Rabbiner über Fahrräder, Roller und die Belohnung für jeden Schritt lehren

von Rabbiner Dovid Gernetz  29.10.2026

München

20 Jahre jüdisches Leben im Herzen Münchens: Synagoge Ohel Jakob

Das Judentum ist seit 20 Jahren wieder mitten in der bayerischen Hauptstadt verankert

von Christiane Ried  26.10.2026