Gematria

Krone über der Tora

Auf jede Torarolle wird eine Krone aufgesetzt. Foto: Marco Limberg

Gematria

Krone über der Tora

»Corona« heißt auf Hebräisch »Keter«. Was das in der jüdischen Zahlenmystik bedeutet – und wozu es uns verpflichtet

von Rabbiner Benjamin Blech  26.03.2020 17:45 Uhr

Covid-19 ist eine weltweite Pandemie. Mit einem Mal stellen wir fest, dass wir von einer Plage biblischen Ausmaßes heimgesucht werden. An Pessach gedenken wir der zehn Plagen, die Gott gegen die Ägypter schickte.

Mithilfe der Bibel kennen wir die Absicht, die hinter dieser Drangsal eines ganzen Volkes steckte: Gott hatte einen Plan. Das Leiden der Ägypter hatten einen Sinn. Was unsere heutige Angst so unerträglich macht, ist ihre scheinbare Unbegreiflichkeit.

Im Zeitalter der Propheten hätte es Bemühungen gegeben, in dieser weltweiten Tragödie eine göttliche Botschaft zu erkennen. Heute hingegen sind wir offenbar überzeugt, wissenschaftliche Erkenntnisse schlössen die Möglichkeit aus, dass Gott etwas mit dem Management des Universums zu tun haben könnte.

Keimtheorie Wer will schon mit Louis Pasteur und Robert Koch streiten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Keimtheorie bewiesen haben – dass nämlich Erreger, die zu klein sind, um sie ohne Vergrößerungsglas zu sehen, die wahre Ursache von Krankheiten sind. Bakterien und Viren sind die Bösewichte und der einzige Grund für die Existenz von Krankheiten, die darüber entscheiden, ob wir leben oder sterben.

Und ich wage zu fragen: Verlangt der Glaube an Gott nicht auch von uns, die Keimtheorie mit der Gewissheit zu kombinieren, dass es ein höheres Wesen gibt, das tatsächlich entscheidet, wo, wann und wie weit sich Viren ausbreiten?

Hygiene ist eine Mizwa. Wenn wir von Ärzten angewiesen werden, uns die Hände zu waschen, sind wir nach dem Gesetz der Tora dazu verpflichtet.

Wenn wir von Ärzten angewiesen werden, uns die Hände zu waschen, sind wir nach dem Gesetz der Tora dazu verpflichtet. Maimonides hat vor langer Zeit klargestellt, dass es unsere Pflicht ist, für unsere Gesundheit zu sorgen. Wir können uns nicht einfach auf Gott verlassen; Gott hat uns zu seinen Partnern gemacht im Streben nach einem langen Leben.

Hygiene ist eine Mizwa; sie ist eine Pflicht. Die Sorge um unseren Körper ist eine spirituelle Anforderung, die dem Schutz unserer Seele gleichkommt. Doch die endgültige Entscheidung über Leben oder Tod – wie wir jedes Jahr an Rosch Haschana und Jom Kippur, wenn unser Schicksal besiegelt wird, deutlich machen – verbleibt bei dem Allmächtigen.

Deshalb erstaunt es mich, dass in den zahllosen Vorschlägen, wie wir dem Coronavirus begegnen können, das Wort »Gott« so selten fällt und wir so wenig über die Möglichkeit hören, in dieser weltweiten Pandemie könnte vielleicht eine tiefe göttliche Botschaft stecken.

Zehn Gebote Die Zehn Gebote sind die biblische Quelle für das elementarste Regelsystem für ethisches und moralisches Verhalten. Und die Exegeten haben eine bemerkenswerte Zahl entdeckt. Im ursprünglichen Hebräisch, der Sprache, in der die Gebote von Gott auf die beiden Tafeln geschrieben wurden, sind es genau 620 Buchstaben.

Enthielten die Zehn Gebote exakt 613 Buchstaben, wäre das leicht nachvollziehbar. Denn das ist die Zahl der Mizwot, die dem jüdischen Volk in der Tora aufgegeben wurden. Aber was bedeuten die 620 Buchstaben? Die Rabbiner haben es erklärt.

Die Symbolik liegt auf der Hand. Die Krone über der Tora zeigt die Beziehung der Zehn Gebote zum Rest der Tora auf.

Während die Zahl der Mizwot für Juden 613 beträgt, gibt es sieben Gesetze für die Nachkommen Noahs – die Mindestanzahl von Geboten, die die ganze Menschheit einhalten muss. Und 620 ist natürlich die Summe von 613 und sieben, die Gesamtheit der göttlichen Führung sowohl für die Juden als auch für den Rest der Welt.

Das Wort »corona« – wie in Coronavirus – ist das lateinische Wort für Krone. 620 ist die Gematria, der Zahlenwert, eines wichtigen hebräischen Wortes, Keter, was Krone bedeutet. Eine Keter – eine Krone – wird auf jede Torarolle oben aufgesetzt.

Symbolik Die Symbolik liegt auf der Hand. Die Krone über der Tora zeigt die Beziehung der Zehn Gebote zum Rest der Tora auf. Von den Zehn Geboten – 620 Buchstaben – stammen die Prinzipien, die später in der Gesamtheit der Tora ihren Ausdruck fanden. Die Krone ist das mächtigste Symbol unserer Verbindung mit Gott.

Vielleicht sollten wir die Bedrängnis, in der sich die Welt derzeit befindet, nicht nur im Zusammenhang mit einer durch Erreger verursachten Krankheit sehen, sondern als eine göttliche Botschaft begreifen, die uns daran erinnert, dass uns das Leben geschenkt wurde, um es mit Sinn und Tugend zu erfüllen, wie es in den Zehn Geboten Gottes definiert ist.

Übersetzung und Abdruck mit freundlicher Genehmigung von www.aish.com

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