UN-Vollversammlung

Zentralrat der Juden kritisiert Enthaltung Deutschlands

Die UN-Vollversammlung tagte am Mittwoch Foto: picture alliance / Anadolu

124 von 193 Mitgliedsstaaten der UN stimmten am Mittwoch in einer Vollversammlung für eine Resolution, die Israel auffordert, sich innerhalb eines Jahres aus dem Westjordanland zurückzuziehen. Während Israel, die Vereinigten Staaten und zwölf weitere Länder gegen den Entschluss votierten, enthielt sich Deutschland - zum wiederholten Mal. Das sorgt für scharfe Kritik vom Zentralrat der Juden in Deutschland.

»Es ist im Auswärtigen Amt wohl Common Sense, sich immer dann rauszuhalten, wenn es um Israels Verteidigung geht«, teilte ein Sprecher des Zentralrats mit.

Erst am Montag hatte Zentralratspräsident Josef Schuster Kritik am Auswärtigen Amt geübt. Über Außenministerin Baerbock sagte er in einem Interview mit dem »Tagesspiegel« allerdings: »Ich habe das Gefühl, auch im persönlichen Gespräch mit Ministerin Baerbock, dass sie ein echtes Interesse daran hat, die Lage zu befrieden.«

Die Probleme sehe er »eher in der zweiten und dritten Reihe« des Auswärtigen Amtes. Schuster könne sich vorstellen, dass Baerbock teilweise schlecht beraten sei.

Lesen Sie auch

WJC: Resolution ignoriert Terror der Hamas

Der World Jewish Congress (WJC) verurteilte die Verabschiedung der Resolution. »Wir lehnen die Resolution der UN-Vollversammlung ab, die Israel unfairerweise heraushebt, die fürchterlichen Angriff vom 7. Oktober nicht anerkennt und Israel das existenzielle Recht auf Selbstverteidigung abspricht. Die Resolution ignoriert außerdem den Terrorismus von Gruppen wie der Hamas oder dem Islamischen Dschihad und bietet nur ein einseitiges Narrativ, das Israels Existenzrecht innerhalb sicherer Grenzen übersieht«, teilte die Organisation mit.

Die Resolution soll ein Rechtsgutachten des obersten UN-Gerichts zum Nahost-Konflikt durchsetzen. Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hatte im Juli in dem Rechtsgutachten festgestellt, dass die Besetzung der palästinensischen Gebiete illegal sei und so schnell wie möglich beendet werden müsse.

Israel hatte das Westjordanland 1967 im Sechstagekrieg von der Besatzungsmacht Jordanien erobert, nachdem der jüdische Staat von seinen Nachbarn Ägypten und Syrien angegriffen worden war. Die beabsichtigte Vernichtung Israels erfolgte jedoch nicht, da die Angreifer eine Niederlage einsteckten.

Zuvor hatte Jordanien das Westjordanland besetzt gehalten. Den Palästinensern wurden seit der Jahrtausendwende 91 Prozent des Gebietes mehrfach angeboten – für einen eigenen Staat. Sie lehnten ab, da sie es vorzogen, Israel weiterhin zu bekämpfen und mit Terror zu überziehen.

Zentralrat kritisierte Auswärtiges Amt immer wieder

Der Zentralrat hatte Deutschlands Abstimmungsverhalten in der jüngeren Vergangenheit mehrfach kritisiert. Etwa als die UN wenige Wochen nach dem Massaker vom 7. Oktober eine »sofortige humanitäre Waffenruhe« im Gazastreifen gefordert hatte.

Während im Resolutionstext Israel für seine Bodenoffensive kritisiert wurde, wurden die Terroristen der Hamas und ihre grausamen Verbrechen mit keinem Wort erwähnt. Die Bundesregierung verstärke mit seiner Enthaltung die »relativierende Haltung der UN gegenüber Israel«, bemängelte Schuster damals. ja/dpa

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Berlin

Amnesty International ruft Hamas zum Ende der Gewalt auf

Gewalt und außergerichtliche Hinrichtungen durch die Terrororganisation auch gegen Palästinenser kommen laut UN regelmäßig vor. Menschenrechtler fordern ein sofortiges Ende dieser Verbrechen

von Anna Mertens  21.08.2026

Erfurt

Deutsch-israelischer Jugendaustausch kommt nicht voran

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse sieht strukturelle und politische Gründe. Auch ein Austauschprogramm stockt

von Matthias Thüsing  21.08.2026

Wahlkampf der AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Magdeburg

Wie sich die AfD auf eine mögliche Regierung vorbereitet

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte der rechtsextremistischen AfD erstmals den Weg in eine Landesregierung öffnen. Mit Schulungen, einem Personalpool und Hilfe aus Österreich bereitet sie sich seit langem darauf vor

von Jörg Ratzsch  21.08.2026

Berlin

Bezirk prüft Entzug der Zulassung von antisemitischem Influencer als Berufsbetreuer

Auf Instagram verbreitet er Judenhass und Verschwörungsmythen, im Job soll er Berufstätige mit Herausforderungen betreuen. Passt das zusammen?

 21.08.2026

Iran-Konflikt

Nach Berichten über Missstände: US-Flugzeugträger »USS George Washington« löst Pannenschiff ab

Die »USS Abraham Lincoln« ist seit Monaten im Mittleren Osten eingesetzt und hat zuletzt wegen erheblicher Probleme an Bord Schlagzeilen gemacht. Nun ist ein neuer Flugzeugträger in der Region angekommen

 21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026