Gutachten

Schuster: »Der Mut der Betroffenen verdient größten Respekt«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Marco Limberg / Zentralrat der Juden in Deutschland

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Vorwürfe gegen Walter Homolka bekräftigt. Am Mittwoch veröffentlichte der Zentralrat sein angekündigtes, mehr als 800 Seiten umfassendes Gutachten zu möglichem Fehlverhalten Homolkas.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Es listet konkrete Aussagen aus Interviews mit 74 Personen auf und beschreibt anhand von 23 Beispielen die schwerwiegenden Vorwürfe gegen den Rabbiner und dessen Lebensgefährten, etwa im Bereich des Machtmissbrauchs. In den Beispielen werden auch deren detaillierte Erwiderungen aus Anhörungen und Stellungnahmen aufgeführt, in denen sie Fehlverhalten bestreiten.

Homolka war auch gerichtlich gegen Vorhaltungen vorgegangen, auch gegen vorläufige Ergebnisse in einer »Executive Summary«, die der Zentralrat im Dezember 2022 vorgelegt hatte. Homolka sprach am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme von einer angeblichen »Kampagne« des Zentralrats. Von den ebenso zahlreichen wie ausführlich beschriebenen Anschuldigungen von mehr als 70 Menschen bliebe nichts übrig als »diffuse Mutmaßungen über vermeintlichen Machtmissbrauch, die unstreitig unterhalb der straf- oder disziplinarrechtlichen Schwelle liegen und für die es nur anonyme Hinweisgeber und Hörensagen gibt«.

Mut verdient Respekt Zentralratspräsident Josef Schuster erklärte dagegen: »Insgesamt ist deutlich geworden, dass Machtmissbrauch nicht kleingeredet werden darf. Derartige Verdachtsfälle müssen konsequent und öffentlich aufgearbeitet werden. Nur so werden wir die nötige Sensibilisierung für den Umgang mit problematischen Strukturen, Verhaltensweisen und Machtgebaren herstellen.« Und: »Der Mut der Betroffenen verdient größten Respekt.«

Das Gutachten listet 46 »konkrete, objektivierbare Vorgänge« auf, die Vorwürfe gegen Homolka betreffen. Jedenfalls 12 von ihnen seien als »rote Fälle« eingeordnet worden. Die Einordnung als »roter Fall« bedeute aber nicht, dass »zwingend eine straf- oder ordnungswidrigkeitsrechtliche Relevanz angenommen wurde, sondern kann sich auch allein auf ein strafrechtlich nicht relevantes Fehlverhalten beziehen«, heißt es zur Erklärung.

Bei Homolkas Lebensgefährten gab es laut Gutachten 13 »konkrete, objektivierbare Vorgänge«. Davon werden 9 als »rote Fälle« eingeordnet.

Ämterhäufung Als Ursachen von möglichem Fehlverhalten macht das Gutachten unter anderen eine Häufung von Ämtern und auch strukturelle Probleme aus. Das Gutachten empfiehlt in den untersuchten Einrichtungen zum Beispiel, sogenannte Compliance-Strukturen mit einer klaren Definition von Werten zu schaffen und diese einzuhalten.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Macht und Kontrolle sollten begrenzt, Transparenz geschaffen und Fehlverhalten nicht geduldet werden. Auch könne es sinnvoll sein, bestehende Strukturen aufzubrechen.

Die Kölner Kanzlei Gercke Wollschläger hatte für das Gutachten mehrere jüdische Einrichtungen untersucht und Interviews geführt. Darunter waren auch die beiden Ausbildungsstätten für Rabbinerinnen und Rabbiner in Potsdam, das Abraham-Geiger-Kolleg und das Zacharias-Frankel-College.

Homolka war Gründer und lange Zeit Rektor des liberalen Geiger-Kollegs. Die Kanzlei untersuchte unter anderen auch die Union progressiver Juden, deren Vorstandsvorsitzender Homolka war.

Nach dem ersten öffentlichen Bekanntwerden der Vorhaltungen im Frühjahr 2022 hatte Homolka notgedrungen zahlreiche Ämter in der jüdischen Gemeinschaft zunächst ruhen lassen und sich später auch von Spitzenämtern zurückgezogen.

Für das Gutachten wurden den Angaben zufolge mit 74 Personen 80 Interviews geführt, die wenige Minuten oder auch mehrere Stunden gedauert hätten. Zudem lägen schriftliche Stellungnahmen und Dokumente vor. kna

Lesen Sie mehr dazu in unserer Printausgabe.

Washington

Berichte: Iran bricht Kontakt mit US-Seite ab

Wenige Stunden vor Ablauf seines Ultimatums droht US-Präsident Trump dem Iran mit harschen Worten. Laut Berichten zieht Teheran daraus Konsequenzen

 07.04.2026

New York

Russland und China stimmen gegen UN-Resolution zur Straße von Hormus

Seit dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran ist die Meerenge für die Handelsschifffahrt weitgehend blockiert. Eine UN-Resolution zur Entschärfung der Lage ist nun gescheitert

 07.04.2026

Washington

Trump: »Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen«

Mit Drohungen hat der US-Präsident bereits in den Tagen vor Ablauf seiner Frist versucht, den Druck auf den Iran zu erhöhen. Nun legt er noch einmal nach

 07.04.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragter gegen »Kufiyas in Buchenwald«

Vor dem Gedenken an die Befreiung des früheren NS-Konzentrationslagers wird über angekündigten propalästinensischen Protest gestritten. Felix Klein solidarisiert sich mit der Gedenkstättenleitung

 07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Iran-Krieg

Medien: USA greifen Dutzende Ziele auf Ölinsel Charg an

Bereits Mitte März hat das US-Militär die Insel Charg im Persischen Golf bombardiert. Nun berichten US-Medien über neue Angriffe

 07.04.2026 Aktualisiert

Türkei

Schüsse vor Israels Konsulat in Istanbul – Ein Angreifer tot

Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul sind Schüsse gefallen. Einer von drei Angreifern wird nach offiziellen Angaben getötet. Was steckt dahinter?

 07.04.2026 Aktualisiert