Meinung

Zeit ohne Zeugen

Das Denkmal von Fritz Cremer an die Befreiung von Buchenwald 1945. Foto: wiki

Der 11. April des Jahres 2020: In der Gedenkstätte Buchenwald wird während einer kleinen Feierstunde an die Befreiung des KZs vor 75 Jahren erinnert. Ein paar Ansprachen, dazwischen klassische Musik. Dann herrscht für ein paar unendlich lange Sekunden Stille. Das Rednerpult mit dem Mikrofon steht verwaist im Saal. Plötzlich ist über Lautsprecher eine brüchige Stimme zu hören, ein Überlebender erzählt vom Lageralltag 1944, von den Schlägen der Wärter, dem ständigen Hunger, dem Dahinsiechen und tausendfachen Sterben. Nach 20 Minuten rutschen im Publikum einige Schüler etwas unruhig auf ihren Sitzen hin und her. Einer älteren Frau sind die Augen zugefallen. Nach einer Stunde endet die Feier. Beim Verlassen des Saales sagt ein Mittdreißiger, früher sei das viel ergreifender gewesen. Früher, als es noch die Überlebenden gab, die authentisch über unvorstellbares Grauen berichten konnten. Doch das kollektive Gedächtnis muss seit einigen Jahren ohne Zeitzeugen auskommen. Ein nicht zu kompensierender Verlust: Selbst die Erinnerung an das singuläre Verbrechen der Schoa ist Geschichte und damit zum unwirklich wirkenden Abstraktum geworden. Es fehlt die emotionale Bindung an das Geschehene. Die Empathie für die Millionen Opfer und das Trauern um sie fühlt sich seltsam fremd und fern an. Wie anders war es doch vor zehn Jahren, im April 2010.

Thüringen

Entschuldigung nach Hass-Kommentar von Leinefelder Gastwirt abgelehnt

Das Auschwitz-Komitee wirft dem Gastronomen vor, Menschen mit dem Tod bedroht und die Verbrechen des Nationalsozialismus verherrlicht zu haben.

 29.07.2026

Toronto

Solidarität nach Angriffen: Lange Schlangen vor jüdischen Bagel-Läden

Nach Angriffen auf zwei Filialen der jüdischen Bäckereikette Kiva’s Bagel Bar kaufen Bewohner dort ein. Zeitgleich feuerte ein Unbekannter Schüsse auf das US-Konsulat ab

 29.07.2026

Nahost

Iran greift US-Stützpunkt in Jordanien an – Washington reagiert mit Luftschlägen im Irak

Es ist der erste Raketenangriff des Iran auf einen US-Stützpunkt, seit Präsident Donald Trump die amerikanischen Angriffe auf iranische Ziele vor wenigen Tagen ausgesetzt hatte

 29.07.2026

Berlin

Klein: Sympathiebekundung für Terrororganisationen strafbar machen

Nach dem Anschlag durch einen IS-Anhänger fordert der scheidende Antisemitismusbeauftragte Gesetzesänderungen

 29.07.2026

Berlin

CSD-Anschlag: Innensenatorin und Polizei beantworten Fragen

Nach dem Angriff gibt es noch viele Unklarheiten. Der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses kommt daher zusammen. Außerdem rückt das Thema Prävention in den Fokus

 29.07.2026 Aktualisiert

Berlin

Prien stellt mehr Geld gegen Radikalisierung in Aussicht

Nach dem CSD-Anschlag sagt die Familienministerin, queere Menschen seien in Teilen des Landes besonders unter Druck und könnte Solidarität erwarten

 29.07.2026

Judenhass

Antisemitismus auf Höchststand seit mehr als drei Jahrzehnten

Die Untersuchung erfasst die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungen außerhalb Israels, darunter Deutschland

 29.07.2026

Benjamin Netanjahu (l.) und Wolodymyr Selenskyj bei der Trauerfeier für Lindsay Graham am Dienstag in Washiongton, D.C.

Washington D.C.

Netanjahu und Selenskyj treffen sich erstmals seit fast drei Jahren persönlich

Die beiden Politiker wechselten einige Worte und begrüßten sich mit einem Handschlag, nachdem sie zuvor getrennt von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus empfangen worden waren

 29.07.2026

Washington D.C.

Ein Begräbnis und ein Gipfeltreffen

Israels Premier Netanjahu und Ukraine-Präsident Selenskyj waren offiziell angereist, um an der Beerdigung von US-Senator Lindsey Graham teilzunehmen. Doch das Begräbnis wird auch für ein geopolitisches Gipfeltreffen mit US-Präsident Trump genutzt

 29.07.2026