Shirel Dagan-Levy

»Wir sind vulnerabel«

Shirel Dagan-Levy Foto: Daniel Edri

Shirel Dagan-Levy

»Wir sind vulnerabel«

Die »Voice of the People«-Geschäftsführerin über den neuen globalen jüdischen Beirat

von Nicole Dreyfus  25.08.2024 08:24 Uhr

Frau Dagan-Levy, Israels Präsident Isaac Herzog will einen globalen Beirat der Juden gründen. Sie leiten das Projekt. Warum braucht es diesen Beirat?
Bereits vor über einem Jahr ist die Idee eines solchen Rats entstanden, weil etwas Großes geschaffen werden sollte, um jüdische Identität innerhalb, vor allem aber auch außerhalb Israels zu stärken. Nach dem 7. Oktober ist uns klar, dass diese Idee noch wichtiger geworden ist. Die Herausforderungen, mit denen die jüdischen Gemeinden und die Juden weltweit zu kämpfen haben, sind um ein Vielfaches gewachsen.

Was sind die aktuell größten Herausforderungen für Juden in der Diaspora?
Seit dem 7. Oktober hat sich der ohnehin schon sehr stark ausgeprägte Antisemitismus noch einmal deutlich verstärkt. Damit haben Juden weltweit zu kämpfen. Die Hamas-Massaker und die antisemitischen Reaktionen darauf haben uns vor Augen geführt, wie vulnerabel die jüdische Diaspora ist. Ich denke, dass ich nicht nur für mich spreche, wenn ich sage, dass vieles ins Wanken geraten ist, dessen wir uns vorher sicher waren.

Gilt das auch für den Blick der Diaspora auf Israel, die Lebensversicherung für Juden weltweit, wenn es hart auf hart kommt?
Israel war für viele Juden insofern unantastbar, als sie wussten, wenn irgendetwas ist, so habe ich dort ein Zuhause. Seit dem Krieg sind sich viele jüdische Menschen auf der Welt nicht mehr so sicher, ob das künftig so bleibt.

Was sind weitere Themen, mit denen sich der jüdische Beirat befassen will?
Die wirtschaftliche Diskriminierung von Juden und Israelis, die Verbesserung der jüdischen und nichtjüdischen Beziehungen, Leadership, Tikkun Olam, unser Umgang mit der jüdischen Kultur und dem jüdischen Erbe sowie die Herausforderungen jüdischer Identität heutzutage. Wir haben einen Katalog mit den zehn wichtigsten Problemfeldern zusammengestellt. Eines ist klar: Die Themen werden uns nicht ausgehen.

Israel muss sich gegen den Terror der Hamas, des Iran und seiner Verbündeten zur Wehr setzen. Diese Notwendigkeit verkennt der Westen oft. Wie nehmen Sie das Verhältnis westlicher Staaten zu Israel wahr?
In den vergangenen zehn Monaten ist sehr viel geschehen. Was am Morgen gesagt wird, gilt am Abend oft schon nicht mehr. Unsicherheiten sind gewachsen, aber auch die Solidarität mit Israel. Innerjüdisch betrachtet, ist ein unglaublicher Zusammenhalt entstanden. Seit dem 7. Oktober fühlen sich Menschen, die sich vorher nicht über ihr Judentum Gedanken gemacht haben, mit dem jüdischen Volk verbunden. Auch diese Menschen wollen wir mit »Voice of the People« ansprechen.

Mit der Geschäftsführerin des globalen Beirats »Voice of the People« sprach Nicole Dreyfus.

Justiz

Melanie Müller und der Hitlergruß auf der Bühne: Das Landgericht Leipzig hat nun sein Urteil gesprochen

Die Schlagersängerin hatte bei einem Konzert in Leipzig mehrfach den Hitlergruß gezeigt

 12.01.2026

Jackson

Brandanschlag auf Synagoge in Mississippi

Überwachungsvideos zeigen laut Shemper einen Mann mit Kapuze und Maske, der eine Flüssigkeit aus einem Kanister im Inneren des Gotteshauses verteilt

 12.01.2026

Bayern

Kommunen müssen Antisemitismus-Verdacht alleine prüfen

Wenn der Verdacht des Judenhasses aufkommt, können Bayerns Kommunen jetzt Veranstaltungen in ihren Räumen untersagen. Um Gerichtsverfahren zu vermeiden, hatten sie um Hilfe gebeten - vergeblich, wie sich nun zeigt

 12.01.2026

Argentinien

Antisemitische Verschwörungstheorien nach Waldbränden

Der ehemalige General César Milani beschuldigt »Israelis«, für die Brände verantwortlich zu sein. Präsident Javier Milei spricht in Zusammenhang mit den Verschwörungsmythen von der »dunklen Seite Argentiniens«

 12.01.2026

Washington D.C.

Trump an Antisemiten: »Ich denke, wir mögen sie nicht«

In einem Interview sagt der amerikanische Regierungschef auch: »Ich war der beste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten für Israel.«

 12.01.2026

Berlin/Jerusalem

Dobrindt: Mehr Kooperation mit Israel für Sicherheit Deutschlands

Der Brandanschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten zeigt Schwachstellen in Deutschlands Sicherheit. Um besser aufgestellt zu sein, will die Bundesrepublik enger mit Israel zusammenarbeiten

 11.01.2026

Meinung

Wo bleibt Deutschlands Unterstützung für die protestierenden Iraner?

Bisher äußerte sich der Bundeskanzler schmallippig zu den Protesten gegen die Mullahs. Es wird Zeit, dass er aus Europa Druck auf die Mullahs macht

von Saba Farzan  11.01.2026

Kommentar

Ärzte mit Grenzen

Die Waffen schweigen weitgehend in Gaza, der Informationskrieg tobt weiter. Ein besonders niederträchtiges Beispiel liefert »Ärzte ohne Grenzen«

von Wolf J. Reuter  10.01.2026 Aktualisiert

Kommentar

Die Proteste im Iran und die blamable Berichterstattung von ARD und ZDF

Die Mullahs sollen weg, der Schah soll kommen: Dafür hat die Linke gerade keine Erklärung parat - und mit ihr auch nicht die links geprägten Redaktionen des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks

von Christoph Lemmer  10.01.2026