Meinung

Wer sich schuldig macht

Moral ist relativ, so haben wir aufgeklärten Multikulturalisten gelernt, die Welt zu sehen – was im Lande X zu den guten Sitten zählt, ist im Lande Y bei Strafe verboten. Und doch gibt es bestimmte Universalien, die in jeder menschlichen Gesellschaft zu finden sind. Einem drei Monate alten Baby den Hals durchzuschneiden, gilt überall als barbarische Tat. Wirklich überall?

Keine Reue Vor wenigen Wochen wurde die Familie Fogel, die in einer jüdischen Siedlung im Westjordanland lebte, bestialisch ermordet – die Eltern und drei ihrer Kinder, nur weil sie Juden waren. Die beiden Verdächtigen, der 18-jährige Hakim Awad und der 19-jährige Amjad Awad aus dem palästinensischen Dorf Awarta, haben die Tat inzwischen gestanden. Reue zeigen sie keine. Und sie sind nicht alleine.

Ihre Verwandten halfen ihnen, die Tat zu vertuschen. Die Väter und Onkel der Mörder sind oder waren Mitglieder der säkularen »Volksfront zur Befreiung Palästinas«, also keine Islamisten. Die Reaktion in Awarta: »Unsere« Jungs können so etwas nicht getan haben. PLO-Medien behaupteten, asiatische Gastarbeiter hätten die Fogels ermordet.

Wie soll ein Palästinenserstaat funktionieren ohne eine Zivilgesellschaft, die Verantwortung für Verbrechen aus den eigenen Reihen übernimmt? Und wem wird wohl von der Weltöffentlichkeit mehr Sympathie entgegengebracht, den Opfern, die das Pech haben, jüdische Siedler zu sein, oder den Tätern, die von der Besatzungsmacht ins Gefängnis gesteckt werden? Was die Universalität moralischer Mindeststandards anbelangt, ist also weltweit kein Optimismus angezeigt.

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« erhält Tacheles-Preis

Der Tacheles-Preis wird alle zwei Jahre an Personen oder Organisationen verliehen, die sich für die Sicherung einer jüdischen Zukunft in Deutschland einsetzen. Die Laudatio hält der neue WELT-Chefredakteur Helge Fuhst

 18.05.2026

Berlin

Josef Schuster für Bestrafung der Leugnung von Israels Existenzrecht

Der Zentralratspräsident stellt sich hinter das Vorhaben aus Hessen. Derweil sind einige Strafrechtler skeptisch

 18.05.2026

Interview

»Sonntagsreden reichen nicht«

Hessens Justizminister Christian Heinz will, dass Aufrufe zur Vernichtung Israels künftig unter Strafe stehen. Wie lässt sich ein solcher Eingriff in die Meinungsfreiheit begründen? Ein Gespräch über Staatsräson, den Schutz jüdischen Lebens und Mehrheiten im Bundesrat

von Joshua Schultheis  18.05.2026

Mailand

Provokantes »Hitler mit Kufiya«-Mural bei israelfeindlicher Demonstration aufgetaucht

Nach Angaben des Künstlers versteht sich die Aktion als Warnung vor wachsender gesellschaftlicher Radikalisierung und der zunehmenden Normalisierung antisemitischer Sprache

 18.05.2026

Washington D.C.

Mutmaßlicher Drahtzieher von Angriffen auf jüdische Einrichtungen vor Gericht

Auch für einen Brandanschlag auf ein jüdisches Restaurant in München soll Mohammad Baqer Saad Dawood Al-Saadi verantwortlich sein

 18.05.2026

Initiative

Offener Brief jüdischer Organisationen an Berliner Senatorin

Nachdem eine Klage des jüdischen Studenten Lahav Shapira gegen die Freie Universität Berlin für unzulässig erklärt worden ist, fordern jüdische Organisationen eine Gesetzesänderung

 18.05.2026 Aktualisiert

Potsdam

Forscher: Offenheit für AfD wächst trotz mehr Radikalität

Der Extremismusforscher Botsch erklärt, warum die Bereitschaft wächst, die zumindest in Teilen rechtsextremistische Partei zu wählen - ungeachtet ihrer Entwicklung

von Marc-Oliver von Riegen  18.05.2026

Ramallah

Abbas will blockierte Gelder als Terror-Renten verwenden

In Zusammenhang mit Israels Entscheidung, Teile der Steuereinnahmen für die PSA einzubehalten, spricht der Palästinenserpräsident von einem Rechtsbruch, will aber weiterhin illegale Terror-Renten bezahlen

 18.05.2026

Pilsen

Wie es mit Marla Svenja Liebich weitergehen könnte

Nach monatelanger Fahndung wurde die Rechtsextremistin gefasst. Seit einigen Wochen sitzt sie in Tschechien in Haft. Ein Gericht dort will nun über eine Auslieferung entscheiden

 18.05.2026