Meinung

Wer am lautesten brüllt ...

Ultimative Drohgebärden bringen nicht selten Unheil. Seit Jahrzehnten schüchtert die muslimische Weltglaubensgemeinschaft alle Staaten ein, die ihre Botschaft nach Jerusalem verlegen wollen.

Und alle machen in vorauseilendem Gehorsam den Kotau, selbst die mächtigen Präsidenten der USA haben sich in der Vergangenheit demütig den Warnungen der arabischen Staaten unterworfen, keinen Krieg vom Zaune zu brechen, sprich: Jerusalem nicht als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Hätte Helmut Kohl, unter der Bedingung, dass Bonn die Hauptstadt Deutschlands bleiben müsse, der Wiedervereinigung zugestimmt? Wie hätte die Bundesregierung reagiert, wenn allen Nationen untersagt worden wäre, ihre Botschaften nach Berlin zu verlegen?

eskalation Als unter Federführung korrupter arabischer Diktatoren und radikal-islamischer Monarchen die Kulturorganisation UNESCO zum wiederholten Mal die historischen, religiösen und kulturellen Bindungen Israels an Jerusalem leugnete, drohte Netanjahu nicht mit einer selbst verschuldeten »gefährlichen Eskalation«. Die israelische Regierung stachelte die Bevölkerung nicht zu blindwütigen Massenprotesten an und schürte nicht die ohnehin explosive Lage. Im Gegensatz zur palästinensischen Fatah-Bewegung und Terrororganisation Hamas rief die israelische Führung auch nicht zu drei »Tagen des Zorns« auf.

Auf palästinensischer Seite heißt es, nun seien alle Optionen auf dem Tisch, Israel müsse mit legitimen Anschlägen rechnen. Nach palästinensischer Logik gilt es, die arabische Identität Jerusalems mit allen Mitteln zu verteidigen. Und die Welt? Sie schweigt. Die palästinensische Führung, die sich bisher mit Mord und Diffamierung gegenseitig bekämpfte, ist sich wieder einig, dass Israel an ihrer Misere schuld ist. Im engstirnigen Denk-Silo der Palästinenser hat Israel – samt der jüdischen Weltlobby – die USA dazu angestiftet, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Was lässt sich daraus schließen?

frieden Wer am lautesten brüllt, geht nicht hungrig vom Tisch. Doch wer schrill schreit, hat nicht unbedingt recht. Und wer eindringlich droht, ist nicht zwingend glaubhaft. Weder Messerattacken und Attentate der Palästinenser noch eine anhaltende Besatzung eines zukünftigen palästinischen Staates durch israelisches Militär werden den Frieden herbeiführen.

Wie wäre es, wenn die Weltgemeinschaft, anstatt die USA und Israel anzuprangern, die arabischen Staaten und die muslimische Glaubensgemeinschaft in die Pflicht nehmen würde, den Staat Israel und die unauflösliche Bindung des jüdischen Volkes an Jerusalem endlich anzuerkennen? Das wäre eine glatte Abkehr von einer unglaubwürdigen Appeasement-Politik westlicher Demokratien gegenüber arabischen Despoten und morschen Monarchen.

Und Israel wäre gut beraten, aus einer Position der Stärke heraus aktiv auf die Palästinenser zuzugehen und konstruktive Konzepte zu entwickeln. Eines ist jedenfalls sicher: Frieden schließt man nicht mit seinen Freunden, sondern durch Dialog und Begegnung mit dem Feind.

Der Autor ist Psychologe und Stressberater in München. Zuletzt von ihm erschienen: »Stressless: Das ABC für mehr Gelassenheit in Job und Alltag« (zusammen mit Markus Böhler). Ariston, München 2017, 256 S., 16,99 €

Präsidentenwahl in Frankreich

Wahlkampfstart der Rechten – Le Pen im Aufschwung?

Nach den Unruhen in Frankreich gewinnt Marine Le Pen in Umfragen weiter hinzu. Doch Antisemitismusvorwürfe gegen ihren politischen Ziehsohn, RN-Chef Jordan Bardella, belasten die Partei

 25.10.2026

Berlin

Mutmaßlich antisemitische Attacke in Schöneberg

Ein Unbekannter fragte einen 60-Jährigen, ob er Jude sei – dann schlug er zu. Der Staatsschutz ermittelt

 25.10.2026

Schild des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

Sachsen

Sachsen: Jede antisemitische Diskriminierung ist verfassungswidrig

Der Schutz jüdischen Lebens ist in mehreren Landesverfassungen verankert. Der Freistaat Sachsen sieht bisher von einer expliziten Formulierung ab

 25.10.2026

Islamismus

Psychologe Ahmad Mansour: Teile der Linken verharmlosen Islamismus

Solidarität mit zweierlei Maß? Islam-Experte Mansour sieht bei Teilen der Linken eine Doppelmoral im Umgang mit Islamismus. Scharfe Kritik übt er auch am Umgang mit Israel und dem Nahostkonflikt

 25.10.2026

Feuer am Flughafen von Riad

Krieg in der Golfregion

Weiter Angriffe im Jemen und Saudi-Arabien

Riad im Norden, die jemenitische Hafenstadt Aden im Süden: An beiden Fronten greifen die Huthi-Rebellen mit Drohnen und Raketen an. Wird aus dem dauerhaften Beschuss ein Abnutzungskrieg?

 25.10.2026

Brandenburg

Neuer Staatsvertrag für jüdische Gemeinden in Brandenburg

In Brandenburg hat die Bekämpfung des Antisemitismus seit 2022 Verfassungsrang. Nun soll der Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden verbessert werden

 25.10.2026

Antisemitismus

Hälfte der Länder verankert Kampf gegen Antisemitismus in Verfassung

Der Kampf gegen zunehmenden Antisemitismus ist nicht erst nach dem Hamas-Überfall auf Israel 2023 im Fokus. Schon nach dem Synagogenanschlag von Halle 2019 zogen einige Länder Konsequenzen in ihren Landesverfassungen – aber bei weitem nicht alle

 25.10.2026

Kommentar

Schließt die Botschaft Irans!

Deutschland muss verstehen, dass diese Diktatur nicht mehr zu halten ist

von Saba Farzan  25.10.2026

Iran-Krieg

Bericht: Iran nimmt US-Diplomaten in Nahost ins Visier

US-Botschaftspersonal wird im Nahen Osten reduziert. Hintergrund sollen Erkenntnisse von US-Nachrichtendiensten zu Anschlagsplänen des Irans sein

 25.10.2026