Bundestag

Wenig Optimismus

Muslimischer Antisemitismus ist mitunter gut organisiert: Schilderausgabe beim Al-Quds-Tag in Berlin 2016 Foto: dpa

Vor wenigen Tagen konnte man es in Berlin wieder hautnah erleben: Anlässlich des sogenannten Al-Quds-Tages marschierten Israel-Hasser durch die Straßen Berlins und demonstrierten für die vermeintliche Befreiung Jerusalems. Zwar nahm in den vergangenen zwei Jahren die Zahl der Teilnehmer kontinuierlich ab, doch Grund zur Entwarnung gibt es deshalb noch lange nicht.

»Schließlich können wir den virulenten Antisemitismus im fundamentalistischen Islam hierzulande nahezu täglich beobachten«, bringt es Gitta Connemann auf den Punkt. »Auch die Demonstranten vom vergangenen Samstag verfolgten nur ein Ziel: die Vernichtung Israels«, so die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, die am Montag zu einem Fachgespräch zu diesem Thema in das Reichstagsgebäude eingeladen hatte.

terror Gekommen waren Kenner des islamistischen Terrors wie Berndt Georg Thamm und Verfassungsschutz-Vizepräsident Thomas Haldenwang, die jesidische Journalistin Dücan Tekkal, Zentralrats-Vizepräsident Abraham Lehrer sowie mit Lala Süsskind vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus und Deidre Berger vom American Jewish Committee auch Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen mit reichlich Expertise.

Dass die Ereignisse vom vergangenen Samstag viele der Anwesenden selbst nach jahrelanger Beschäftigung mit dem Antisemitismus alles andere als kaltlassen, merkte man ihrer Diktion deutlich an. »Es ist einfach widerlich und ekelerregend, wenn so etwas auf deutschen Straßen stattfinden kann«, erklärte denn auch Lala Süsskind, und Abraham Lehrer ergänzte: »Fünf Synagogen liegen entlang der Route, die die Demonstranten jedes Jahr entlanglaufen. Das ist eine gewollte Provokation und zeigt sehr genau, was wirklich dahinter steckt.«

jugendliche Doch letztendlich sollte das Fachgespräch auch auf Perspektiven verweisen, wie gegen diese spezifische Form des Judenhasses, der in den migrantischen Milieus muslimischer Prägung in Deutschland Fuß gefasst hat, vorgegangen werden kann. Schnell kristallisierte sich dabei heraus, dass gezielt die Kinder und Jugendlichen aus dem Kreis der muslimischen Zuwanderer angesprochen werden müssen.

Nur so könne man den Hasspredigern in den Moscheen oder Internetforen den Wind aus den Segeln nehmen – darüber herrschte auf dem Podium Einigkeit. »Es geht darum, genau die Werte zu vermitteln, für die unser Land steht«, so Lehrer. »Auf diese Weise haben wir die Chance, vielleicht auch die Elterngeneration zu erreichen.«

Doch leichter gesagt als getan. Alle relevanten Islamverbände, die man gerne als Partner an seiner Seite wüsste, um entsprechende Strategien gemeinsam zu entwickeln und nachhaltig in die Tat umzusetzen, fallen nicht unbedingt durch ihren Aktivismus auf. »Die Politik muss sie dringend in die Pflicht nehmen«, lautet daher auch eine zentrale Forderung Lehrers. »Offensichtlich brauchen die Verbände da noch gehörig Druck.«

Düzen Tekkal wünscht sich ebenfalls mehr zivilgesellschaftliches Engagement seitens der migrantischen Community. »Es fehlen mir die Stimmen der säkularen Muslime.« Sie sollten sich mehr aus der Deckung wagen. Viele Juden fühlten sich in mancher Hinsicht im Stich gelassen.

»Wo bleibt der Aufschrei der Zivilgesellschaft, wenn Juden hierzulande angegriffen werden«, fragte Süsskind. »Die große Demonstration gegen den Antisemitismus im Herbst 2014 mussten letztendlich auch wir Juden auf die Beine stellen.«

extremismus Nicht nur sie machte ihrer Frustration Luft, wenn es darum geht, strafrechtlich beispielsweise gegen Imame in einigen Moscheen vorzugehen. Ein Teilnehmer verwies etwa auf das Islamische Zentrum in Hamburg, das einerseits durch den Staatsvertrag mit den Islamverbänden vor Ort ein Partner der Hansestadt ist, andererseits aber zu einem der wichtigsten Unterstützer des Al-Quds-Tags zählt.

Letztendlich sprach Verfassungsschutz-Vizepräsident Thomas Haldenwang über den Antisemitismus als radikalisierendes und zugleich verbindendes Element innerhalb der extremistischen Szenen: »Gegner einer Zuwanderung von Rechts als auch islamistische Gruppierungen treffen sich in ihren antisemitischen Einstellungen und versuchen, sich beim Thema Judenhass gegenseitig zu überholen.« All das lässt wenig optimistisch in die Zukunft blicken.

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026