Zentrum für Politische Schönheit

Weitere Installationen zu umstrittener Kunstaktion

Das gläserne Kernstück der Säule vor dem Berliner Reichstag wurde mittlerweile blickdicht abgeklebt. Foto: dpa

Im Zusammenhang mit der umstrittenen Kunstaktion des »Zentrums für Politische Schönheit« (ZPS) in Berlin sind weitere Installationen bekannt geworden. Neben der Gedenksäule für NS-Opfer im Berliner Regierungsviertel waren ähnliche Installationen auch in Chemnitz (Sachsen), Halle (Sachsen-Anhalt) und Arnstadt (Thüringen) aufgetaucht, wie mehrere Medien am Donnerstag berichteten.

ZPS-Mitbegründer Philipp Ruch bestätigte dem Evangelischen Pressedienst (epd) die Existenz weiterer Installationen. Alle Gedenkstätten im Rahmen der Aktion »Sucht nach uns!« seien mittlerweile geschlossen worden. Angaben, wo sich darüber hinaus Installationen befinden, wollte die Künstlergruppe nicht machen.

glassäule In Chemnitz soll eine Glassäule laut der Tageszeitung »Freie Presse« ähnlich wie in Berlin angeblich auch Asche und Knochenreste enthalten haben. Der Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen, Frédéric Bußmann, habe dem Künstlerkollektiv eine Ladenfläche bis Jahresende vermietet.

In der »Süddeutschen Zeitung« berichtete die Schriftstellerin und Journalistin Mirna Funk von der Aufstellung einer ZPS-Stele in Halle.
Dabei sei auch das Gedicht »Die Asche von Birkenau« des jüdischen Schriftstellers Stephan Hermlin, ihrem Ur-Großvater, verwendet worden. »Unsere Familie wurde selbstverständlich nicht gefragt, ob sie dieser Veröffentlichung zustimmt«, kritisierte Funk auf Twitter.

https://twitter.com/MirnaFunk/status/1202257845783273473

In Arnstadt habe das ZPS gegenüber des AfD-Bürgerbüros eine gefüllte Glassäule aufgestellt, berichtete der MDR. Auch hier soll das Gedicht »Die Asche von Birkenau« zu sehen gewesen sein. Laut MDR hatte die Künstlergruppe für zwei Wochen ein leerstehendes Ladengeschäft angemietet.

Das »Zentrum für Politische Schönheit« hatte Anfang der Woche zwischen Bundestag und Kanzleramt eine Stahlsäule zum Gedenken an NS-Opfer installiert. In der Säule befinden sich nach Angaben der Gruppe auch Asche und Knochenreste von Holocaust-Opfern. Mit der Aktion sollte vor einer Zusammenarbeit von CDU/CSU mit der AfD auf Bundes- und Landesebene gewarnt werden.

kritik Nach heftiger Kritik entschuldigte sich die Gruppe am Mittwochnachmittag bei Holocaust-Überlebenden und Angehörigen von NS-Opfern. Zudem wurde die Gedenksäule in Berlin verhüllt und eine für Samstag geplante Betongießaktion abgesagt.

Die Aktion war insbesondere bei jüdischen Verbänden auf Ablehnung gestoßen.

Die Aktion war insbesondere bei jüdischen Verbänden auf Ablehnung gestoßen. Mehrere jüdische Vertreter wie der Zentralrat der Juden in Deutschland hatten den Künstlern Unterstützung angeboten, die Ruhe der Toten wiederherzustellen und die Asche gemäß dem jüdischen Religionsgesetz beizusetzen. ZPS-Gründer Ruch wollte sich am Donnerstag nicht äußern, ob das Künstlerkollektiv das Angebot annehmen werde. »Das gesamte Gedenkstättenkonzept wird derzeit überarbeitet«, betonte Ruch.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Im Rahmen der umstrittenen Kunstaktion »Sucht nach uns!« soll vom ZPS auch die Grabplatte des früheren Reichskanzlers Franz von Papen (1879–1969) aus dem saarländischen Wallerfangen entfernt worden sein. Das saarländische Landespolizeipräsidium hatte das Fehlen der Platte bestätigt. Auf die Frage zum Verbleib der Grabplatte bekräftigte Ruch erneut: »Franz von Papen ist auf dem Weg nach Berlin, um die historische Schuld des deutschen Konservatismus aufzuarbeiten.«  epd

Großbritannien

Antisemitische Straftaten in London stark gestiegen

Der größte monatliche Zuwachs von durch Judenhass motivierten Übergriffen seit ende 2023 wird registriert

 08.06.2026

Nahost

Reaktion auf Hisbollah-Angriff: Israel nimmt Hauptquartier der Terroristen ins Visier

Die israelische Armee erklärt, sie habe auch Abschussvorrichtungen für Raketen zerstört

 08.06.2026

Nahost

Israel reagiert mit Angriffen auf iranische Raketenattacken

Ist die Waffenruhe endgültig vom Tisch? Der Überblick am Morgen

 08.06.2026

Krieg

Medien: Trump fordert von Israel Verzicht auf Gegenschläge

Der US-Präsident fordert zugleich den Iran auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein Abkommen abzuschließen

 07.06.2026

Krieg

Iran bricht die Waffenruhe und feuert Raketen auf Israel

Was bislang bekannt ist

 07.06.2026 Aktualisiert

Kommentar

Der alte Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026

Meinung

Libanon: Zwischen Anschein und Wirklichkeit

Wer den aktuellen Konflikt verstehen will, darf den Zedernstaat nicht als tragisches Opfer Israels lesen

von Jacques Abramowicz  07.06.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor islamistischer Einflussnahme auf deutsche Institutionen

Laut BfV-Chef Sinan Selen geht es nicht um kurzfristige Aktionen, sondern langfristig angelegte Strategien, die auf eine Veränderung politischer Entscheidungsprozesse abzielen

 07.06.2026

Justiz

Richterbund warnt vor Einfluss der AfD auf Justiz

Das Risiko gezielter politischer Eingriffe in die Richterauswahl und in die Strafverfolgung müsse minimiert werden

von Lukas Philippi  07.06.2026