Berlin

Wagenknecht reagiert auf Kritik des Zentralrats der Juden

Sahra Wagenknecht, Vorsitzende des nach ihr benannten BSW Foto: picture alliance / Wolfgang Maria Weber

Die BSW-Vorsitzende Sahra Wagenknecht weist Kritik des Zentralrats der Juden in Deutschland zurück, sie befeuere mit ihren Positionen zum Nahostkonflikt Israelhass. »Wenn jeder, der die Netanjahu-Regierung und deren brutale Kriegsführung im Gazastreifen kritisiert, ein Israel-Hasser ist, dann wäre ein erheblicher Teil der Israelis Israel-Hasser«, sagte Wagenknecht der »Welt«.

Zentralratspräsident Josef Schuster hatte Wagenknecht und ihrem Bündnis BSW vor gut einer Woche im »Welt«-Interview vorgeworfen, mit einer »eher populistischen Positionierung den Israelhass in Deutschland« zu befeuern. Wagenknecht erkenne nicht an, dass sich Israel gegen eine Terrororganisation verteidige. Dass die BSW-Chefin Israels Kriegsführung unterstellte, »Züge eines Vernichtungsfeldzugs« zu tragen, nannte Schuster »völlig unangemessen«.

Wagenknecht zog ihrerseits einen Vergleich zu Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine: »Man stelle sich vor, Kiew würde so aussehen wie Gaza. Was für einen Aufschrei gäbe es in der deutschen Öffentlichkeit – zu Recht«, betonte sie. Notwendig sei ein Waffenstillstand im Nahen Osten.

»Mordanschlag in Teheran«

Einen Waffenstillstand lehnen die Aggressoren der palästinensischen Terrororganisation Hamas ebenso ab wie eine Freilassung der 109 Geiseln aus Israel, die sich weiterhin in ihrer Gewalt befinden. Die Terroristen fordern ein Ende des Krieges, den sie am 7. Oktober selbst begannen, um sich neu gruppieren und Israel erneut angreifen zu können. Eine Vernichtung Israels ist ihr erklärtes Ziel. Weitere Massaker im Stil des 7. Oktobers hat die Hamas bereits angekündigt, während sie ihre eigene Bevölkerung in Gaza als lebende Schutzschilde missbraucht.

Lesen Sie auch

Wagenknecht warf dem Zentralrat vor, Israels Kriegsführung nicht ausreichend zu verurteilen. »Ich vermisse die deutliche Kritik des Zentralrats an der Netanjahu-Regierung und ihrem barbarischen Krieg«, sagte die Bundestagsabgeordnete. »Der Mordanschlag in Teheran vor kurzem bringt die Region näher an einen großen Krieg«, sagte Wagenknecht.

In der iranischen Hauptstadt wurde vor wenigen Wochen Hamas-Chef Ismail Haniyeh getötet, der als einer der Planer der Massaker vom 7. Oktober gilt. Der Iran beschuldigt Israel. Das Land äußerte sich bislang nicht dazu.

Bedrohliche Lage

»Das Existenzrecht Israels werde ich immer verteidigen«, erklärte Wagenknecht. Israel habe zwar das Recht, sich gegen »die Hamas und deren schrecklichen Anschlag vom Oktober zu verteidigen«. Sie fügte hinzu: »Aber der Vernichtungsfeldzug im Gazastreifen ist schon lange keine Selbstverteidigung mehr.«

Tatsächlich geht Israel in Gaza gegen den palästinensischen Terror vor, nicht aber gegen die Zivilbevölkerung. Bewohner werden vor Angriffen gegen die in zivilen Gebäuden und Tunneln verschanzten Terroristen per Telefon, SMS und mit Flugblättern gewarnt und zur Flucht aufgefordert. Fluchtrouten und humanitäre Zonen hat die israelische Armee eingerichtet, während die Hamas bewusst die Opferzahlen in der eigenen Bevölkerung in die Höhe treibt. dpa/ja

Davos

Israels Präsident sieht iranische Führung als sehr fragil

Israels Präsident Herzog nimmt die iranische Führung nach den Massenprotesten als geschwächt wahr. Warum er trotzdem vor zu viel Optimismus warnt und internationale Unterstützung fordert

von Sara Lemel  22.01.2026

Davos

Trump gründet »Friedensrat«

US-Präsident Trump und weitere Staatenlenker unterzeichneten das Gründungsdokument des umstrittenen neuen Gremiums. Israel nahm an der Zeremonie nicht teil, will aber Mitglied des Rates werden

 22.01.2026

Diplomatie

Papst ernennt neuen Botschafter für Israel

Erst seit 1994 haben der Vatikan und Israel volle diplomatische Beziehungen. Der Botschafter des Papstes dort ist zugleich auch Delegat für Palästina. Nun hat der Papst einen Wechsel vorgenommen

 22.01.2026

Ulm/Stuttgart

Anklage nach Angriff auf israelischen Rüstungskonzern

Bekennervideos, zerstörte Labore und Proteste gegen ein Unternehmen aus Israel: Was den fünf Angeklagten vorgeworfen wird

 22.01.2026

NRW

Einladung von Terrorunterstützerin: Jüdische Gemeinde fordert Konsequenzen

In einer Presseerklärung wird eine Abberufung der Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf, Donatella Fioretti, gefordert

von Imanuel Marcus  22.01.2026

Washington D.C.

USA wollen israelfeindlichen Aktivisten nach Algerien abschieben

Der frühere Student Mahmoud Khalil wird von den Behörden als Hamas-Unterstützer eingestuft. Seine Abschiebung sei auch eine Mahnung an Nicht-Staatsbürger im Land

 22.01.2026

Berlin

Linkes Bündnis will akademischen Boykott Israels

Ein linkes Bündnis will einen Boykott israelischer Wissenschaftler organisieren. Am Wochenende soll nun eine umstrittene Konferenz dazu stattfinden

 22.01.2026

Award

»Auch wenn es dunkel ist« ist Hörspiel des Jahres 2025

Das Hörspiel »Auch wenn es dunkel ist. Berichte vom 7. Oktober« gibt Opfern des Überfalls der Hamas auf Israel 2023 eine Stimme. Das Dokumentarstück interpretiere nicht und klage nicht an, lobte die Jury

 22.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die umstrittene ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an. In allen Kategorien dominieren die Öffentlich-Rechtlichen. Zugleich gibt es Kritik an zahlreichen Leerstellen

von Jana Ballweber  22.01.2026