Einspruch

Wagen statt warten

Einerlei, was aus dem Aufstand gegen den ägyptischen Pharao in den kommenden Tagen und Wochen letztendlich wird: Hosni Mubarak ist schon jetzt Geschichte. Der Autokrat hat ausgedient. Was die noch unterdrückten Bürger freut, bereitet Außenstehenden – von Berlin über Brüssel bis Washington – heftige Kopfschmerzen. Und bei den politisch Verantwortlichen in Israel verursachen die historischen Bilder aus Kairo inzwischen sogar schon dröhnende Hammerschläge gegen die Schädeldecke.

Vor allem dort, wo im politischen Verstand die Taktik beheimatet ist. Die Preisfrage der eigenen Sicherheit lautet: Wie halten wir es mit der Despotie? Und vor allem: Was tun, wenn die Demokratie kommt?

Feindbild Mit Mubarak als Ägyptens Staatenlenker ist Jerusalem in den vergangenen 30 Jahren ziemlich gut gefahren. Der Wunsch, den Islamismus in Form von Muslimbruderschaft und deren Ableger Hamas außen vor zu halten, hat beide über alle Animositäten hinweg geeint. Dem verbindenden Feindbild verpflichtet, sah Israel geflissentlich darüber hinweg, dass man mit einem Diktator gemeinsame Sache machte. Jetzt droht diesem Verbündeten im Kampf gegen den Terror und für ein bisschen Frieden das Ende. Weiter wegschauen – das geht nach den Tagen des Zorns nicht mehr.

Doch Demokratie in Ägypten bedeutet für Israel ein Wagnis. Denn es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass auf das Mubarak-Regime eines der Islamisten folgt, das alle Vereinbarungen mit dem jüdischen Staat für null und nichtig erklärt. Dementsprechend groß ist Jerusalems Furcht vor einem Systemwechsel.

Also setzt man in aller Offenheit auf Altbewährtes – und nimmt billigend in Kauf, die Mutigen in Kairo und Alexandria zu verprellen. Dabei zeugte es von weitaus größerer politischer Ein- und Weitsicht, sich mit Kommentaren zur inneren Entwicklung Ägyptens tunlichst zurückzuhalten. Wenn überhaupt, dann sollte man als Demokratie ruhig ein wenig Sympathie für die Freiheitsliebe der Nachbarn erkennen lassen. Die hat das, worauf Mubarak vergeblich hoffen mag: Zukunft.

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026

Meinung

Linke Luftnummer

Der Fünf-Punkte-Plan gegen Antisemitismus der Berliner Linken ist heuchlerisch. Die Partei ist derzeit nämlich nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems

von Ralf Balke  13.05.2026

TikTok

Antisemitismus per Algorithmus

Antisemitische Inhalte auf der Social-Media-Plattform treten häufig codiert auf. Reichweitenstarke Beiträge sind oft uneindeutig und werden erst im Kontext als antisemitisch erkannt

 13.05.2026

Meinung

Was Sachsen-Anhalt im Herbst droht

Nach den aktuellen Umfragen ist eine Alleinregierung für die AfD zum Greifen nah. Was das allein für die Erinnerungspolitik bedeuten würde, konnte man zuletzt an der Reaktion der Landespartei auf den 8. Mai beobachten

von Mascha Malburg  13.05.2026

Berlin

Ulf Poschardt gibt Herausgeber-Position bei »Welt« auf

Vom Herausgeber zum Autor: Der Journalist Ulf Poschardt wechselt seine Position beim Medien-Unternehmen Axel Springer

 13.05.2026

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

London

Sie »fischten« mit Geld nach Juden: Zwei Männer verurteilt

»Fishing for Jews« mit einer Angel, an der ein Geldschein hängt: Im Stadtteil Stamford Hill, in dem viele Charedim wohnen, werden die Verdächtigen von den Shomrim gestellt und später festgenommen

 13.05.2026

Teheran

Weitere Hinrichtung im Iran nach Spionagevorwürfen

Die iranische Justiz hat in den vergangenen Wochen viele Männer exekutieren lassen. Nun wird wieder ein Todesurteil vollstreckt

 13.05.2026

Bern

Mengele-Akten endlich öffentlich

Der Schweizer Nachrichtendienst blockierte den Zugang zu diesen Unterlagen jahrzehntelang. Nun wird diese Sperre aufgehoben

von Nicole Dreyfus  13.05.2026