Interview

»Wir können uns keinen Lockdown für Kinder mehr leisten«

Prof. Dr. Tobias Tenenbaum Foto: privat

Herr Tenenbaum, in den USA und Israel gibt es Empfehlungen, auch Kinder von fünf bis elf Jahren gegen Corona zu impfen. Wann ist es in Deutschland so weit?
Für Kinder zwischen fünf und elf Jahren ist die Zulassung des Impfstoffs von Pfizer/BioNTech bei der Europäischen Arzneimittelbehörde beantragt. Wir erwarten in den nächsten Tagen bis Wochen eine Entscheidung. Eine Stellungnahme der STIKO wird sicher folgen. Aber sobald der Impfstoff zugelassen ist, können Eltern sich für eine Impfung ihrer Kinder entscheiden.

Wie dringend ist die Impfung der Kinder angesichts der hohen Inzidenzen von Kita- und Schulkindern?
Die hohen Infektionszahlen sind auch deshalb gut dokumentiert, weil Kinder regelmäßig getestet werden, ob in der Schule oder in der Kita. In vielen Betrieben grassiert das Virus sicherlich genauso oder schlimmer.

Wie würden sich erneute Schulschließungen auswirken?
Die Kinderärzte und Kinderpsychiater haben durch Corona viel mehr Kinder mit psychischen Störungen, Depressionen und Suizidalität behandeln müssen. Wir können uns für die Kinder keinen Lockdown mehr leisten. Der Kollateralschaden wäre immens. Im Einzelfall muss natürlich eine Klasse oder eine Schule geschlossen werden, aber das kann keine flächendeckende Maßnahme sein.

Was empfehlen Sie jüdischen Gemeinden für Chanukka?
Dass man Feste möglichst auf ein geringes Maß reduziert, etwa auf den engeren Familienkreis. Wenn die Großeltern oder andere vulnerable Gruppen dabei sind, sollte man sicherstellen, dass die sich die Booster-Impfung abgeholt haben. Und es macht Sinn, dass sich alle, auch geimpfte Familienmitglieder, noch einmal testen – also 2G plus.

Gibt die dritte Impfung definitiv mehr Schutz? Oder brauchen wir danach eine vierte, eine fünfte, eine sechste Impfung?
Letztendlich werden wir uns für den optimalen Langzeitschutz wiederholt mit dem Coronavirus infizieren müssen. Die Impfung stimuliert zwar das Immunsystem, aber um es dauerhaft auf einem sehr hohen Niveau zu halten, werden wir uns in einem geschützten Zustand – also geimpft – mit dem Erreger auseinandersetzen müssen, wenn wir uns nicht jedes halbe Jahr neu impfen lassen wollen.

In Frankreich und Italien wurde mehr Druck aufgebaut als in Deutschland …
Im Sommer war bei uns die Rate der vollständig Geimpften bei 65 Prozent, seitdem ging es nicht mehr steil nach oben. Die Politik war wohl mehr mit sich selbst beschäftigt als mit der Impfkurve. Wir müssen jetzt verschärfte Maßnahmen treffen, sonst bekommen wir noch mehr Probleme.

Mit dem Professor und Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Sana Klinikum Lichtenberg in Berlin sprach Ayala Goldmann.

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Steffen Alisch

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026