Rheinland-Pfalz

»Unbürokratische Anlaufstelle«

Malu Dreyer Foto: PR

Rheinland-Pfalz

»Unbürokratische Anlaufstelle«

Malu Dreyer über die Berufung eines Antisemitismusbeauftragten

von Detlef David Kauschke  03.01.2018 11:54 Uhr

Frau Ministerpräsidentin, bald nimmt in Rheinland-Pfalz mit Dieter Burgard ein Antisemitismusbeauftragter seine Arbeit auf. Warum jetzt?
Wir können nicht tatenlos hinnehmen, dass in Deutschland die Zahl der antisemitischen Delikte ansteigt. Judenhass darf auf unseren Straßen und in unseren Köpfen keinen Platz haben! Neben dem Antisemitismus von rechts und einem stärker werdenden Rechtspopulismus erleben wir auch einen Antisemitismus unter Muslimen und Musliminnen. Um jüdisches Leben in Deutschland zu stärken und Antisemitismus zu bekämpfen, habe ich einen Antisemitismusbeauftragten berufen. Er wird Ansprechpartner für Menschen jüdischen Glaubens in Rheinland-Pfalz sein und soll bereits vorhandene Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus koordinieren.

Es handelt sich um ein Ehrenamt. Hat er dennoch genügend Kompetenzen?
Er wird direkt bei mir in der Staatskanzlei angesiedelt. So kann er die bestehende Infrastruktur nutzen. In der Landesregierung haben verschiedene Ministerien Maßnahmen gegen Diskriminierung und Antisemitismus ergriffen. Die Aufgabe des neuen Beauftragten wird es daher auch sein, die vorhandenen Aktivitäten ressortübergreifend zu koordinieren und eigene Impulse zu setzen. Dabei wird er aus der Staatskanzlei unterstützt.

Wie werden Erfahrungen und Wünsche der Juden in Rheinland-Pfalz berücksichtigt?
In seiner Funktion als Bürgerbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz hat Dieter Burgard wichtige Erfahrungen bei der Vernetzung aller kommunalen und staatlichen Ebenen. So kann er als künftiger Ansprechpartner bei besonderen Problemlagen von Juden und jüdischen Gemeinden kompetent vermitteln und, wo nötig, korrigierend eingreifen. Dieter Burgard ist seit 2001 Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz, er ist Mitglied in deren wissenschaftlichem Beirat und unterhält seit vielen Jahren intensive Kontakte zu jüdischen Gemeinden. Ich bin überzeugt: Er wird ein Bindeglied zwischen Landesregierung und in Rheinland-Pfalz lebenden Juden sowie jüdischen Gemeinden sein. Der Antisemitismusbeauftragte soll eine unbürokratische Anlaufstelle für alle Menschen sein, die von Antisemitismus betroffen sind, und Verbindungsperson zu den verantwortlichen öffentlichen Stellen. Mir ist wichtig, dass wir in Rheinland-Pfalz ein gesellschaftliches Klima der Akzeptanz, der Anerkennung und des Erinnerns schaffen und wachhalten.

Der Zentralrat der Juden fordert, weitere Länder sollten dem Beispiel folgen.
Rheinland-Pfalz ist ein Land mit großer jüdischer Tradition. Bei uns liegen die Zentren der jüdischen Gelehrsamkeit, die sogenannten SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz. Ich will meinen Ministerpräsidentenkollegen und -kolleginnen keine Ratschläge erteilen. Der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, hat diese Bitte an die Länder und den Bund herangetragen. Das müssen wir ernst nehmen.

Mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin sprach Detlef David Kauschke.

Gefahr

Israel: Iran kann kein Uran mehr anreichern

Seit 20 Tagen attackieren Israel und die USA den Iran mit schweren Luftangriffen. Dem israelischen Ministerpräsidenten zufolge hat die gemeinsame militärische Operation bereits Ergebnisse gebracht

 19.03.2026

Suchmaschine

USA ermöglichen Recherche zu Nazis in der eigenen Familie

War der eigene Opa ein Nazi? Diese Frage kann nun über das US-Nationalarchiv beantwortet werden. Erstmals wurden die überlieferten Mitgliedskarteien der NSDAP vollständig ins Netz gestellt

von Sabina Crisan, Marc Fleischmann  19.03.2026

Krieg

Araghtschi droht mit Vergeltung für Angriffe auf Infrastruktur

Irans Außenminister droht mit massiver Vergeltung, sollte Israel erneut Öl- und Gasanlagen angreifen. Araghtschi stellt auch eine weitere Bedingung für ein Kriegsende

 19.03.2026

Krieg gegen Iran

Deutschland und Verbündete verurteilen Blockade am Golf

Die großen europäischen Staaten und Japan fordern ein sofortiges Ende der Angriffe auf Handelsschiffe und zivile Infrastruktur. Die USA und Israel werden nicht erwähnt

 19.03.2026

Fernsehen

Linken-Chefin Schwerdtner übt sich bei Markus Lanz in Antizionismus-Akrobatik

Die Linken-Chefin wurde in der Talkshow zum israelfeindlichen Beschluss ihrer niedersächsischen Genossen befragt, der den Zionismus ablehnt

von Chris Schinke  19.03.2026

Krieg gegen Iran

US-Finanzminister könnte Sanktionen gegen iranisches Öl lockern

Öl und Gas haben sich in den vergangenen Wochen dramatisch verteuert, nachdem die USA und Israel den Iran angegriffen haben. Nun will US-Finanzminister Bessent dagegen vorgehen

 19.03.2026

Washington D.C.

Berichte: Trump wusste vorab von Israels Angriff auf Gasfeld

Neue Berichte stellen Trumps Darstellung zum israelischen Angriff auf »South Pars« infrage. Hat der US-Präsident den Schlag gebilligt, um den Druck auf den Iran zu erhöhen?

 19.03.2026

Teheran

Expertin: Irans Führung kämpft im Krieg ums Überleben

Das Mullah-Regime betrachtet den Konflikt mit Israel und den USA als Überlebenskampf. Warum eine Expertin dennoch keinen Zusammenbruch des Systems erwartet

 19.03.2026

München

CSU: »Linke zeigt ihr antisemitisches Gesicht«

Niedersachsens Linke hat sich gegen den »real existierenden Zionismus« gewandt. Die CSU ist fassungslos und fordert nicht nur eine Reaktion der Parteispitze. Eine Person wird besonders attackiert

 19.03.2026