Kritik an Maaßen

»Typisch für antisemitische Hetze«

Hans-Georg Maaßen Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Ein Twitter-Beitrag des umstrittenen CDU-Politikers Hans-Georg Maaßen sorgt für Empörung. Kritik kommt unter anderem vom Antisemitismusbeauftragten des Bundes, dem American Jewish Committe (AJC) und der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS).

Der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte vergangenen Donnerstag in einem Tweet geschrieben, die Stoßrichtung der »treibenden Kräfte im politischen-medialen Raum« sei ein »eliminatorischer Rassismus gegen Weiße«.

Grenzen Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, warf daraufhin Maaßen die Relativierung der Schoa vor. Seine Formulierung überschreite »ganz klar die Grenze demokratischer Legitimität«, sagte Klein dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Der Grund für seine Kritik: Der Begriff des »eliminatorischen Antisemitismus« wurde vom Historiker Daniel Goldhagen für die Beschreibung der nationalsozialistischen Verbrechen geprägt. Die Übernahme dieses Vokabulars relativiere die Schoa, so Klein. Die so entstehende Täter-Opfer-Umkehr sei »typisch für antisemitische Hetze«.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auch Daniel Poensgen vom Bundesverband RIAS ist der Meinung, dass Maaßen mit seiner Formulierung »Assoziationen zur Beschreibung des nationalsozialistischen Vernichtungsantisemitismus« wecke. »Die Vorstellung, dass ‚Weiße‘, ‚Deutsche‘ oder auch andere Kollektive Opfer eines neuen Holocausts seien, ist eine weit verbreitete Form der Schoa-Relativierung«, erklärte der wissenschaftliche Referent gegenüber der Jüdischen Allgemeinen. Die von Maaßen zum Ausdruck gebrachte Idee sei »aktuell häufiger Gegenstand antisemitischer Stereotype«.

Der Direktor des AJC in Berlin, Remko Leemhuis, sagte auf Anfrage dieser Zeitung, dass Maaßen schon seit längerem eine Kommunikationsstrategie verfolge, »die wir aus der extremen Rechten kennen«. Das werde aus »aus Begrifflichkeiten, Vokabeln und Codes ersichtlich, die er verwendet«. Leemhuis fordert daher: »Die CDU sollte sich zu ihm und seinen Äußerungen daher endlich deutlicher positionieren, als das bis jetzt der Fall ist.«

Revisionismus Zuvor hatte bereits der Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, scharfe Kritik an Maaßen geäußert. Dieser betreibe »klassische rechtsextreme Schuldumkehr und zeigt sich einmal mehr als Geschichtsrevisionist«, so Wagner in einem Kommentar für diese Zeitung. Es sei nicht das erste Mal, dass Maaßen »antisemitische Chiffren« verbreite. Wagner fordert von der CDU, »sich so schnell wie möglich von dem Mann zu trennen«.  

Wagners Text wurde daraufhin von Ruprecht Polenz, der von 1993 bis 2013 für die CDU im Bundestag saß, auf Twitter aufgegriffen. An die CDU Thüringen gerichtet, forderte er: »Parteiausschluss-Verfahren jetzt«. Polenz war im Jahr 2000 kurzzeitig auch der Generalsekretär seiner Partei.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Maaßen stand bereits Anfang vergangenen Jahres in der Kritik, weil er ein Video des als Verschwörungstheoretiker und Antisemiten kritisierten Mikrobiologen Sucharit Bhakdi in den sozialen Medien teilte. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte damals in einem Interview mit Domradio: »Wer solche Theorien noch weiter verbreitet oder sich solchen Theorien anschließt, der ist in meinen Augen nichts anderes als selber ein Antisemit.«

Partei Die CDU-Politikerin Karin Prien, Schleswig-Holsteins Bildungsministerin und Sprecherin des Jüdischen Forums, forderte im Januar 2022 den Ausschluss Maaßens aus der Partei. Der damals noch designierte CDU-Vorsitzende Friedrich Merz äußerte sich jedoch zurückhaltender: »Die Hürden für Parteiausschlüsse sind hoch. Das muss aktives, parteischädigendes Verhalten sein. Herr Maaßen bleibt immer gerade so unter dieser Grenze.«

Maaßen stehe am Rand der Partei und man solle seinen Aussagen nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, so Merz in einem ARD-Interview im Januar vergangenen Jahres.

Der CDU-Vorsitzende äußerte sich bisher nicht zu der neuesten umstrittenen Aussage von Maaßen. Es bleibt auch unklar, ob ein Parteiausschluss aktuell in der CDU wieder verstärkt diskutiert wird. Eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung ließ Merz unbeantwortet.

Bei der Bundestagswahl im September 2021 wurde Maaßen von der thüringischen CDU als Direktkandidat aufgestellt. Maaßen verlor jedoch gegen Frank Ullrich (SPD) und zog daher nicht in den Bundestag ein. Für Maaßen gibt es dennoch erste Konsequenzen: Wegen der Kritik an zahlreichen seiner Äußerungen erklärte der Verlag C.H. Beck am Donnerstag, seine Zusammenarbeit mit Maaßen beendet zu haben.

Reaktion

»Juden können sich in Berlin nicht mehr sicher fühlen, wenn Elif Eralp gewählt wird«

Bundesbildungsministerin Karin Prien warnt SPD und Grüne vor Regierung mit Linken

 24.09.2026

Berlin

Özdemir: »An die Linke muss derselbe Maßstab angelegt werden wie an die AfD«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Bündnis90/Die Grünen) hat seine Partei vor einer Regierungskoalition in Berlin mit der Linkspartei gewarnt. Als Grund nannte er antisemitische Tendenzen

 24.09.2026

Debatte

Hamburgs zweite Bürgermeisterin warnt vor Linken in Berlin

Katharina Fegebank (Grüne): »Eine Regierung, die abhängig ist von Antisemiten und Terrorunterstützern darf es in Deutschland niemals geben«

 24.09.2026

Berlin

»Diese Flut an Anschuldigungen zielt darauf ab, andere Meinungen zu unterdrücken und das internationale Völkerrecht auszuhöhlen«

Jüdische Aktivisten kritisieren den Umgang mit der von zahlreichen Antisemitismusvorfällen geprägten Linkspartei

 24.09.2026

Gedenkstunde

In Auschwitz geboren: Holocaust-Überlebende spricht im Bundestag

Angela Orosz-Richt wurde 1944 im NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau geboren. Im Januar wird sie in der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag sprechen

 24.09.2026

München

Haft für mehrfach vorbestraften Holocaustleugner

Selbst im Gerichtssaal tätigte der Verurteilte weitere strafrechtlich relevante Äußerungen

 24.09.2026

Gespräch

Antisemitismusbeauftragter: Linke muss sich von Antisemiten trennen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner fordert von der Linken einen entschlosseneren Umgang mit Antisemitismus. Im Interview spricht der frühere Linken-Politiker darüber, was die Partei ändern müsse

 24.09.2026

Berlin-Wahl und ihre Folgen

Katherina Reiche: Linke-Regierung in Berlin gefährlich für Standort

Enteignungen und Judenhass seien für den Investitionsstandort Deutschland gefährlich, sagt die Bundeswirtschaftsministerin

 24.09.2026

Berlin

CDU bringt Verfassungsschutz-Prüfung der Linken ins Spiel

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander Throm, begründete seinen Vorstoß mit Verbindungen einzelner Linken-Politiker zur organisierten Kriminalität sowie mit Antisemitismus

 24.09.2026