Meinung

Tod und Spiele

Nodar Kumaritaschwili war erst wenige Stunden tot, da waren schon die ersten staatstragenden Botschaften formuliert. Es sei zwar schlimm, dass der georgische Rennrodler in Vancouver tödlich verunglückt sei, aber, so tönte zum Beispiel ARD-Reporter Waldemar Hartmann, Tote habe es bei Olympia immer wieder mal gegeben, zum Beispiel 1972 in München. Und deshalb gelte gestern wie heute: »The Games must go on«. Der legendäre Satz des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage war die zynische Antwort auf die Frage, ob man nach dem palästinensischen Terroranschlag auf die israelische Mannschaft die Spiele abbrechen müsse. Doch das Spektaktel ging weiter. Im Laufe der Jahre ist die Forderung, die Wettkämpfe müssen fortgesetzt werden, quasi zu einem Selbstläufer geworden: Olympia darf nicht gestört werden. Diese pseudomoralische Litanei macht keinen Unterschied zwischen dem Trainingstod eines georgischen Rodlers und einem kaltblütigen Terroranschlag. »The Games must go on«? Mitnichten. Es gibt Ereignisse, die Innehalten erzwingen. In München hätte 1972 der Anfang gemacht werden müssen.

Handelte es sich beim Nationalsozialismus um eine linke Ideologie?

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