Meinung

Tendenziös und reißerisch

Die SPD-Politikerin Michaela Engelmeier wird erste Generalsekretärin des Verbandes. Foto: PR

Auf verschiedenen Nachrichtenportalen finden sich Überschriften wie »Israelische Sicherheitskräfte erschießen vier Palästinenser«. Die Information, dass diese Palästinenser zuvor in einem terroristischen Akt fünf Israelis, drei Polizisten und zwei Zivilisten, mit Messern angegriffen haben, kommt erst später im Text.

Solche Formulierungen schüren den Hass auf Israelis, da bei Lesern zunächst nur eine Nachricht hängen bleibt: Bewaffnete Israelis töten Palästinenser.

Es macht mich fassungslos, mit welch tendenziösen und reißerischen Formulierungen über Israel im Allgemeinen und über Terror in Israel im Besonderen berichtet wird. So wurden vergangenes Wochenende nicht »drei Siedler« im Westjordanland getötet, sondern drei Mitglieder einer israelischen Familie aufs Grausamste ermordet.

siedler Das ist ein Terroranschlag auf unschuldige Menschen, und dennoch wird im Gros der Berichterstattung verharmlosend von einem Angriff geredet. Der Begriff »Siedler« legitimiert für viele Menschen diese Tat sogar, indem er die Israelis als angebliche Besatzer und Unterdrücker brandmarkt.

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender verstehen es nicht immer, ausgewogen über ein Thema zu berichten, das an Komplexität kaum zu überbieten ist. Letztes Jahr blamierte sich die ARD mit einem einseitigen Beitrag über die Wasserversorgung im Westjordanland, der in seiner systematisch verkürzten Darstellung an Ressentiments gegenüber Israel kaum zu überbieten war.

Ein derart undifferenzierter und unreflektierter Umgang mit dem Nahostkonflikt birgt die Gefahr, dass dem Antisemitismus medial die Tür geöffnet wird.

Eine weitverbreitete Form des Antisemitismus in Deutschland ist der israelbezogene Antisemitismus, der sich unter dem Deckmantel der »Israelkritik« versteckt. Darum ist es von großer Bedeutung, dass Journalisten mit der größtmöglichen Objektivität an das Thema herangehen. Tendenziöse Berichterstattung führt nämlich letztlich dazu, dass nur noch mehr Öl ins Feuer des Antisemitismus gegossen wird.

Die Autorin ist Bundestagsabgeordnete der SPD.

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