Außenpolitik

Teheraner Farce

Im Gespräch: Irans Außenminister Ali Akbar Salehi (r.) auf der Münchner Sicherheitskonferenz Foto: dpa

Die Szenerie war an Absurdität und Tragik kaum noch zu überbieten: Während die iranische Diktatur seit 30 Jahren den Wahlbetrug im eigenen Land auf die Spitze getrieben hat, spricht sich der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi auf der Münchner Sicherheitskonferenz am vergangenen Sonntag für freie Wahlen in Syrien aus.

Zu den Problemen der Staatenwelt mit dem iranischen Regime – allen voran die von Teheran forcierte atomare Aufrüstung – ist in den vergangenen zwei Jahren Irans massive politische und logistische Unterstützung für den syrischen Völkermord hinzugekommen. Die geostrategischen Gräben sind noch größer geworden und Lösungsansätze mit dieser iranischen Führung noch weiter in die Ferne gerückt.

Umso naiver und kontraproduktiver ist das erneute Hofieren des iranischen Regimes durch die Sicherheitskonferenz in München. Unverständlich ist es auch, wenn die renommierte Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) dem weltweit größten Exporteur des islamistischen Terrorismus am Montag in Berlin eine Bühne bot, um ausgerechnet über dessen Rolle für den »regionalen Frieden« im Nahen Osten zu monologisieren. Warum? Musste man sich wirklich noch einmal treffen, um gemeinsam zu besprechen, dass es mit diesem Regime schon lange nichts mehr zu besprechen gibt?

Islamismus Um ein für allemal zu begreifen, dass es mit der Islamischen Republik keine Verhandlungslösung gibt – weder beim Atomwaffenprogramm noch bei den regionalen Konflikten –, hätte es schon ausgereicht, sich allein die Biografie von Ali Akbar Salehi näher zu Gemüte zu führen. Salehi steht wie Präsident Mahmud Ahmadinedschad für eine Generation, die die treibende Kraft hinter dem Beginn des Islamismus im Iran war. Ironie der Geschichte ist, dass Personen wie Salehi, die zum Teil in den Vereinigten Staaten sozialisiert wurden, von tiefem ideologischen Hass auf Amerika, und alles, wofür es steht, beseelt sind.

Die Obama-Administration hat dem iranischen Regime schon wieder ein Gesprächsangebot gemacht, um den Atomkonflikt friedlich zu lösen. Es wird, wie alle vorhergehenden Ansätze, scheitern. Zu fundamental destabilisierende Interessen verfolgt die Islamische Republik im Nahen Osten und weit darüber hinaus, zu unfähig, rationale Entscheidungen zu treffen, ist sie besonders in jüngster Zeit. Das zeigt auch Teherans erste Reaktion auf die amerikanische Gesprächsofferte: Verlangt wurde als Voraussetzung, die internationalen Sanktionen auszusetzen, sprich, ein mögliches Ergebnis von Verhandlungen ohne Gegenleistungen vorwegzunehmen.

Verhandlungen, Anreize und Beschwichtigungen gegenüber dem Regime machen auch aus einem anderen Grund keinen Sinn. Sowohl in Teheran wie in den Hauptstädten des Westens weiß man, dass die Zeit dieser Diktatur abgelaufen ist. Ausdruck findet diese mühsam errungene Erkenntnis, wenn besonders europäische Diplomaten und Politiker Hoffnungen auf einen persischen Frühling bekunden – eben jene Demokratiebewegung, die sie im Sommer 2009 so leichtfertig verraten haben. Doch immerhin hat man aus Fehlern zumindest ein Stück weit gelernt, und tatsächlich sind Hoffnungen auf einen Regimewechsel in Teheran nicht unbegründet – die Sanktionen entfalten einschneidende Wirkung, die Führungsriege ist massiv zerstritten, und die iranische Zivilgesellschaft will diese Barbarei endlich los sein.

Diktatur Es ist daher wenig geistreich, wenn die Dialogfarce fortgeführt wird, als hätte sich das Rad der Zeit nicht gedreht. Es ist auch nur auf den ersten Blick ein Trost, dass Politiker wie Ruprecht Polenz (CDU) nach Jahren der Beschwichtigung endlich den Charakter zeigt, den Vertreter einer menschenverachtenden Diktatur beim Nuklearwaffenprogramm und Menschenrechtsverletzungen anzugehen. Das lässt den Skandal nicht geringer werden, dass in Deutschland den Mördern iranischer Demokraten und Propagandisten eines neuen Holocaust schon wieder eine Bühne geboten wurde.

Es ist höchste Zeit für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik, sich darüber klar zu werden, dass man nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann. Man kann nicht einerseits die transatlantische Partnerschaft und die Existenz des jüdisch-demokratischen Staates verteidigen und fast im gleichen Atemzug munter den Handel mit dem antisemitischsten Regime der Welt fortsetzen.

Bis heute besitzt Deutschland keine Strategie, wie der deutsche Mittelstand aus dem Iran herausgeholt werden kann. Bis heute versteht die deutsche Außenpolitik nicht, warum es symbolisch und politisch so wichtig ist, das iranische Regime zu isolieren – und zwar durch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen, wie Kanada es 2012 vorgemacht hat. Man ist geneigt, angesichts des erneuten Hofierens des iranischen Regimes zu sagen, dass Deutschland der moralische Kompass verloren gegangen ist. Aber vielleicht hat die Bundesrepublik im Umgang mit den iranischen Islamisten diesen Kompass noch nie besessen.

Wiesbaden/Mainz 

AfD-Familienbande zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen

Vorwürfe der Vetternwirtschaft: Auch zwischen den AfD-Landtagsfraktionen in Mainz und Wiesbaden gibt es familiäre Verbindungen. Nur wegen der Fachkompetenz, betont die Partei

 23.02.2026

Düsseldorf

Proteste gegen Höcke-Reden in NRW - Machtkampf in der AfD

Begleitet von Protesten reist AfD-Politiker Höcke durch NRW. Das stärkt den rechten Flügel der nordrhein-westfälischen AfD - und das kurz vor einem womöglich richtungsweisenden Landesparteitag

von Marc Herwig  23.02.2026

Göttingen

Ehrendoktortitel für Holocaust-Überlebenden Leon Weintraub

Auch Ehrung mit Friedenspreis geplant

 23.02.2026

Teheran

Proteste an iranischen Universitäten halten an

Anfang Januar wurden Massenproteste im Iran brutal niedergeschlagen. Entsprechend verzögerte sich der Beginn des neuen Semesters. Nun startet es mit neuen Demonstrationen

 23.02.2026

USA

Nach Epstein-Vorwürfen: Tucker Carlson entschuldigt sich bei Isaac Herzog

Der rechte Moderator: »Es gibt nichts Schlimmeres, als den Ruf eines unschuldigen Mannes zu beschädigen. Es tut mir leid, angedeutet zu haben, ich wüsste etwas, das ich nicht wusste.«

 23.02.2026

Schwedt

AfD-Lokalpolitikerin verteidigt »aus Versehen« Hitler

Peggy Lindemann teilte einen Beitrag, in dem Juden unterstellt wird, sie würden Kinderblut trinken

 23.02.2026

Berlin

Gedenken an Proteste von 1943 in der Rosenstraße

Der Protest von wahrscheinlich mehreren hundert Frauen in der Berliner Rosenstraße während der zwölfjährigen NS-Diktatur gilt als beispiellos. An den lange vergessenen Widerstand wird am Donnerstag erinnert

 23.02.2026

Nahost

Im Kriegsfall: Vergeltungsschläge des Iran über Stellvertreter erwartet

Nach Einschätzung westlicher Sicherheitskreise würden amerikanische Ziele weltweit ins Visier geraten - sogar in Europa

 23.02.2026

Interne Analyse

Gaza-Krieg schadete Kamala Harris im Präsidentschafts-Wahlkampf

Nachdem die Demokratin gegen Donald Trump verloren hatte, beauftragte ihre Partei einen »Autopsie-Bericht« über den Wahlkampf. Der wurde jedoch nie veröffentlicht. Jetzt sickern Details durch

 23.02.2026