Einspruch!

Sie können auf uns zählen

Günter Jek Foto: Rolf Walter

»Was wir zählen, ist wichtig – und in einer Welt, in der Richtlinien und Entscheidungen auf Zahlen, Statistiken und Daten beruhen, zählt man nicht, wenn man nicht gezählt wird«, schreibt der Ökonom Alex Cobham in seinem Buch The Uncounted.

Es ist wichtig, verlässliche Zahlen zu einem Phänomen zu erhalten, vor dem wir zu oft die Augen verschließen: Obdachlosigkeit. Der Erhalt der Wohnung und die Auseinandersetzung mit Behörden zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit ist Beratungsthema in vielen Sozialabteilungen unserer Gemeinden.

Wohnraum Die steigende Zahl der Wohnungslosen wird durch das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum, die stetige Verknappung des Bestands an Sozialwohnungen durch Auslaufen der Sozialbindung und explodierende Mietpreise begünstigt. Dies betrifft besonders Niedriglohnbeschäftigte und Transferleistungsempfänger, wie etwa die älteren jüdischen Zuwanderer.

Die Forderungen nach einer bundesweiten Wohnungsnotfallstatistik und der Entwicklung von Präventionsmaßnahmen laufen seit Jahrzehnten ins Leere. Berlin machte nun einen Anfang, die Berliner Sozialverwaltung erfüllte die langjährige Forderung von Wohlfahrts- und Betroffenenverbänden. Am Mittwoch vergangener Woche fand in Berlin erstmals in Deutschland eine freiwillige Zählung und Befragung obdachloser Menschen statt.

Helfern Unter den 2600 freiwilligen Helfern waren auch zwei Zählteams aus Mitarbeitern der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST) und IsraAid, dem Kooperationspartner in der Flüchtlingshilfe, in der Nacht unterwegs. Die Beteiligung an der Aktion war für viele Mitarbeiter des Verbandes, der als sein Leitbild Zedaka, die ausgleichende Gerechtigkeit, definiert, und sich als aktiver, jüdischer Teil einer vielfältigen Zivilgesellschaft versteht, eine Selbstverständlichkeit.

In dieser Woche sollen erste Ergebnisse vorliegen, danach ist die Politik gefragt – und auch ihr Handeln kann gezählt und bewertet werden.

Der Autor ist Leiter des Berliner Büros der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST).

Terrorismus

»Wenn sie einen Raum betrat, ging die Sonne auf« - Zwei Mütter, ihre verlorenen Töchter und der 7. Oktober 2023

Ricarda Louks Tochter Shani und Sonja Bohl-Denckers Tochter Carolin wurden vor drei Jahren von der islamistischen Hamas ermordet. Ihre Mütter schildern, wie sie mit dem Verlust zurechtkommen - und was sie sich wünschen

von Nina Schmedding  29.09.2026

Geschichte

Zwölf Todesurteile - und nur wenig Schuldbewusstsein: Nürnberger Prozess gegen Hauptkriegsverbrecher endet vor 80 Jahren

Er ist der Vater aller Kriegstribunale. Vor 80 Jahren endete in Nürnberg der Prozess gegen die deutschen Hauptkriegsverbrecher. Erstmals wurden Staatsmänner für ihre Taten verantwortlich gemacht. Und hingerichtet

von Christoph Arens  29.09.2026

Interview

»SPD und Grüne werden zu Totengräbern der politischen Mitte, wenn sie mit der Linken koalieren«

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann über die Linke in Berlin und eine dunkelrot-grün-rote Koalition

von Philipp Peyman Engel  29.09.2026

Paris

Antisemitismusvorwurf gegen Chef des Rassemblement National

Frankreichs Rechtsnationale wollen mit Le Pen die nächste Präsidentin stellen. Mehrere Monate vor der richtungsweisenden Wahl werden Vorwürfe gegen den Parteichef laut. Bardella weist sie zurück

 29.09.2026

Interview

»Die Linkspartei hat vom 7. Oktober und vom Hass auf und der Hetze gegen Israelis profitiert«

Neuköllns Integrationsbeauftragte Güner Yasemin Balci über den Wahlerfolg der Linken in Berlin, Clan-Kontakte und Islamismus in der Partei sowie die politischen Folgen für ihren Bezirk und die Stadt

von Detlef David Kauschke  28.09.2026

Paris, Frankreich mit Eiffelturm

Paris

Flüchtling aus Deutschland in Frankreich als IS-Kämpfer angeklagt

In der französischen Hauptstadt hat der Berufungsprozess gegen einen Syrer begonnen, der eine leitende Rolle in der Terrororganisation »Islamischer Staat« gehabt haben soll

 28.09.2026

Düsseldorf

Attacke auf Juden wird Thema im Landtag NRW

Nach dem antisemitischen Angriff auf einen Juden am vergangenen Dienstag sucht die Polizei weiter nach den Tätern. Nun soll Innenminister Reul (CDU) im Innenausschuss Auskunft geben

 28.09.2026

Berlin

Linksjugend: Polizei ist »krimineller Clan«

»Wenn die Presse uns erzählt, in Berlin gebe es ein Problem mit bewaffneten Clans, sind das die, die mit hellen Handschuhen und Knüppeln heute in den Schulstreik hineingerannt sind«, sagt eine Sprecherin

 28.09.2026

Offener Brief

Mehr als 6000 Unterzeichner weisen Vorwurf des Völkermords gegen Israel zurück

»Wir, die Unterzeichner, sind empört und angewidert über die jüngste Blutverleumdung gegen das jüdische Volk: die Lüge, dass Israel in Gaza einen ›Genozid‹ begangen habe«, heißt es in dem Schreiben

 28.09.2026