Antisemitismus

Seyran Ateş: Solidarität mit Juden war immer gering

Seyran Ateş, Rechtsanwältin, Autorin und Frauenrechtlerin Foto: picture alliance/dpa

Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Deutschland ist nach Worten der Frauenrechtlerin Seyran Ateş schon immer so gering gewesen wie in diesen Tagen. Dies sei nur nicht ausgesprochen worden, sagte die Gründerin einer liberal ausgerichteten Berliner Moschee am Donnerstag im Deutschlandfunk. Antisemitismus sei schon immer da gewesen, und aktuell breche er hervor.

»Das Schweigen ist tatsächlich so laut, dass es schon wehtut«, sagte Ateş. Es sei das Schweigen vieler Menschen, die in den vergangenen Jahrzehnten der Ansicht gewesen seien, dass es zwischen Judentum, Islam und Christentum eine gute Koexistenz und einen ebensolchen interreligiösen Dialog gegeben habe. Ateş kritisierte »Schönmalerei« und »Sonntagsreden«.

Sie fragte, ob man Feindlichkeit gegen Muslime und Juden etwa gegeneinander aufrechnen solle. Es sei doch vielmehr so: »Jeder einzelne Mensch, der angefeindet wird, ist es wert, dass wir uns dafür einsetzen, dass er nicht angefeindet wird.«

Unsicheres Klima

Der jüdische Publizist Michel Friedman sagte in demselben Interview mit Blick auf die Stimmung in der deutschen Gesellschaft: »Es ist ein aufgeregtes, es ist ein nervöses, es ist ein unsicheres Klima.« Auf der einen Seite seien Menschen gleichgültig, wenn Judenhass auf den Straßen mehr und mehr offenbar werde. Auf der anderen Seite engagierten sich aber auch Menschen gegen Antisemitismus - dies sei allerdings der kleinere Teil.

Sowohl Rassismus als auch Judenhass seien strukturelle Probleme, betonte Friedman. Es sei ebenfalls zu beobachten, dass sich der Grad an Toleranz gegenüber Minderheiten deutlich verschlechtere. Man dürfe aber nie vergessen, dass Angehörige von Minderheiten Menschen seien.

Der Publizist sprach auch von einer »Hasspartei« in Deutschland, die immer mehr Stimmen bekomme. Dieser Prozess werde sich vermutlich bei den im nächsten Jahr anstehenden Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen fortsetzen.

Thema Migration

Ateş monierte den Umgang demokratischer Parteien mit Menschen, die Kritisches zum Beispiel zum Thema Migration gesagt hätten. Dann habe es stets geheißen, man wolle nicht die AfD bedienen. Stattdessen hätte man sich ansehen müssen, woher Feindlichkeiten gegenüber bestimmten Gruppen gekommen seien. kna

Umfrage

66 Prozent der Unionswähler für Prüfung von AfD-Verbot

Eine Campact-Umfrage zeigt, dass die Wähler der Unionsparteien mehrheitlich für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens sind. Auch eine Koalition mit der AfD wird von Anhängern der Mitte-Parteien deutlich abgelehnt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU)

Landtag von Sachsen-Anhalt

Ministerpräsidenten-Wahl: CDU will im dritten Wahlgang im Plenarsaal sein

Bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt will die CDU den Plenarsaal zunächst verlassen. Für einen möglichen dritten Wahlgang kündigt Fraktionschef Sven Schulze ein anderes Vorgehen an. AfD und BSW beschließen derweil einen Antrag zur Ukraine

 14.10.2026

Berlin

»Eine gute Wahl«: Bundesregierung ernennt von Schnurbein zur Beauftragten für jüdisches Leben

Die 52-jährige EU-Beamtin ist am Mittwoch offiziell zur Nachfolgerin von Felix Klein bestellt worden. Aus den jüdischen Verbänden und Gemeinden kamen unisono positive Reaktionen

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Banaszak: Emdes Fraktions-Aus war Grundlage für Sondierungen

Die Grünen-Landesvorsitzende Stahr betont hingegen, dass ihre Partei weiter »am Tisch sitzt« und auf eine Erklärung der Linken wartet

 14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer Fraktion zu Antisemitismus dennoch für ausreichend

 14.10.2026

Berlin

Julia Klöckner: AfD-Verbotsverfahren nicht »aus dem Bauch heraus starten«

Die CDU-Bundestagspräsidentin warnt davor, die Rechtsaußen-Partei zum »Märtyrer« zu machen

 14.10.2026

Unterbrochene Sondierungen

Berliner CDU an Grüne und SPD: »Hand ist ausgestreckt«

Die Regierungsbildung zwischen Linken, Grünen und SPD in Berlin stockt. Nach der überraschenden Unterbrechung der Sondierungen meldet sich ein Wahlverlierer zu Wort

 14.10.2026

Ernennung

Zentralrat und Grüne loben neue Antisemitismusbeauftragte

Katharina von Schnurbein soll neue Antisemitismusbeauftragte des Bundes werden. Der Zentralrat der Juden reagiert sehr positiv

von Christoph Arens  14.10.2026