Einspruch

Selenskyj als Strippenzieher?

Johannes Heil Foto: HFJS

Einspruch

Selenskyj als Strippenzieher?

Johannes Heil wundert sich nicht, dass die »Süddeutsche Zeitung« erneut eine antisemitische Karikatur veröffentlicht hat

von Johannes Heil  02.06.2022 09:32 Uhr

Bitte nicht überbewerten, meinte die »Süddeutsche Zeitung« am 26. Mai in Erwiderung der massiven Kritik an der Karikatur zu Wolodymyr Selenskyjs Video-Rede vor dem Weltwirtschaftsforum Davos: »Diese Karikatur ist die zeichnerische Umsetzung der Fernsehbilder vom Montag.«

Also soll die Karikatur plötzlich gar keine gewesen sein? Die vorgebliche Umsetzung wäre indes schlecht geraten – der Redner zu groß, ja monströs, die (im Saal so gar nicht versammelten) Staatschefs auf Püppchenformat gestutzt. Chapeau, SZ, dieses Statement war wirklich eine Karikatur, nämlich des eigenen journalistischen Anspruchs!

ausrutscher Zur Erinnerung: Die »Umsetzung« vom vergangenen Donnerstag war kein Ausrutscher. Das Münchener Qualitätsblatt hat sich unter anderem schon 2013 (»blutrünstiges Monster Israel«) und 2014 (Zuckerberg als »hakennasige Datenkrake«) den Vorwurf gefallen lassen müssen, antisemitische Darstellungen zu publizieren.

Diesmal ist jenseits der einfachen Tatsache völlig verschobener Größen- und Machtverhältnisse dazu festzuhalten, dass keine der vielen Video-Reden des ukrainischen Präsidenten vor Parlamenten und Gremien der SZ eine Karikatur entlockt hatte. Als er aber vor den versammelten Wirtschaftsweisen in Davos sprach, war die SZ flugs zur Stelle.

Welche Impulse leiten den Zeichner, und warum stößt das in der SZ-Redaktion niemandem auf?

Warum jetzt? Welche Impulse leiten den Zeichner, und warum stößt das in der SZ-Redaktion niemandem auf? Selenskyj als hinterhältiger Strippenzieher und Profiteur des Krieges? Ernsthaft?

Und man sage nicht, die »Umsetzung der TV-Bilder« komme doch ohne einschlägige Signale aus. Es braucht weder Hakennase noch geschwollene Lippen, um das Herkommen dieser Szene aus dem Bilderhaushalt des Weltverschwörungsdenkens zu verifizieren. Der alles umfassende »Rothschild« von 1898 hat wohl Krakenhände, aber sonst ein gemütliches Opa-Gesicht. Die Bildkomposition ist auf frappante Weise ähnlich. Es ist eine Schande.

Der Autor ist Professor an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Thyssen-Fellow in München.

Berlin

Zentralrat der Juden: »Das Mullah-Regime muss jetzt fallen«

Der Zentralratspräsident will ein klares politisches Signal aus Deutschland

 09.01.2026

Fernsehen

Jüdische Journalisten kritisieren Verpixelung von »Bring them Home!«-Kette

Der Verband JJJ fordert: Die »unpolitische, rein humanitäre Forderung« auf der Plakette eines Kochs muss sichtbar sein

 09.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter: »Ich sehe nicht ein, mich verschrecken zu lassen«

Noch in der Tatnacht habe seine Familie ihn darin bestärkt, seine Arbeit fortzusetzen, so Andreas Büttner. »Sie haben mir gesagt, ich müsse weitermachen. Eigentlich sogar noch lauter werden«, sagt der dem »Tagesspiegel« im Interview

 09.01.2026

Brandenburg

Potsdam soll jüdische Kita bekommen

Zum jüdischen Leben gehören auch jüdische Schulen und Kitas. Eine Kindertagesstätte wird derzeit in Potsdam geplant

 09.01.2026

Jerusalem

US-Botschafter: Israel entscheidet selbst über weiteres Vorgehen gegen Iran

»Lassen Sie uns hoffen, dass dies das Jahr ist, in dem das iranische Volk sagt: ›Es reicht‹«, sagt Mike Huckabee

 09.01.2026

New York

Proteste gegen israelische Immobilienmesse an Jeschiwa

Israelfeindliche Demonstranten fordern eine »Intifada-Revolution« und rufen: »Siedler, geht nach Hause, Palästina gehört uns allein«

 09.01.2026

Alex Stolze

Ich gebe die Hoffnung für Brandenburg nicht auf

Nach dem Koalitionsbruch muss die Politik die Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen

von Alex Stolze  09.01.2026

Berlin/Kloster Seeon

Zentralrat der Juden fordert schärferes Strafrecht gegen Hass

Seit dem jüngsten Krieg im Nahen Osten ist Antisemitismus vielerorts explodiert. Zentralratspräsident Schuster sieht den deutschen Rechtsstaat dagegen schlecht aufgestellt

 09.01.2026

Teheran

Iran kappt Internet während landesweiter Proteste gegen das Regime

In zahlreichen Städten, darunter auch in der Hauptstadt, gingen erneut große Menschenmengen auf die Straße

 09.01.2026