Bern

Schweizer Bundesrat warnt vor Terror

Das Bundeshaus auf dem Berner Bundesplatz ist der Hauptsitz des Bundesrates. Foto: picture alliance/KEYSTONE

Am 2. März stach ein 15-Jähriger mitten in Zürich auf einen jüdischen Mann ein und tötete ihn fast. Dies war kein Zufall. Anschließende Recherchen machten deutlich, dass sich der Jugendliche im Internet radikalisiert hatte. Offenbar stand er in Verbindung zum Islamischen Staat.

Dessen Propaganda hat die Entstehung von Netzwerken von Sympathisantinnen und Sympathisanten in der Schweiz begünstigt, verstärkt bei jungen Erwachsenen oder sogar Minderjährigen. Spontane Gewaltakte mit einfachen Mitteln, verübt von dschihadistisch inspirierten Einzeltäterinnen und -tätern oder Kleingruppen, sind offenbar das wahrscheinlichste Bedrohungsszenario in der Schweiz.

Sie richten sich gegen schwach geschützte Ziele und insbesondere »jüdische und israelische Interessen«. Zu diesem Schluss kommt diese Woche der Bundesrat in seinem diesjährigen Bericht zur Beurteilung der Bedrohungslage gemäss Nachrichtendienstgesetz. Es heisst darin: »Wir leben in einer gefährlichen und volatilen Übergangszeit.«

Netzwerken von Sympathisanten

In Alarmbereitschaft versetzt sieht sich der Bundesrat wegen der Terrorbedrohung. Diese habe sich mit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 auch in der Schweiz akzentuiert. Insbesondere die Propaganda des Islamischen Staats hat die Entstehung von Netzwerken von Sympathisanten begünstigt – vor allem bei jungen Menschen.

Der Bericht bezieht sich auch auf die sicherheitspolitisch bedeutsamen Vorgänge im Ausland und auf die im Nachrichtendienstgesetz (NDG) genannten Bedrohungen. Dazu schreibt er: »Allgemein verbindliche globale Ordnungsprinzipien erodieren. Auch angesichts des Trends zur bipolaren Sphärenbildung ist mit wachsendem politischem und wirtschaftlichem Druck auf die Schweiz zu rechnen.«

Die Schweiz dürfte also gefordert werden. Der Bundesrat stellt fest, dass das Land zwar immer noch relativ sicher sei, aber deutlich weniger als noch vor zwei Jahren. Mit der russischen Aggression gegen die Ukraine sei der konventionelle Krieg nach Europa zurückgekommen – quasi vor die Haustür der Schweiz.

Bestimmender Unsicherheitsfaktor

»Russland wird auf lange Zeit der bestimmende Unsicherheitsfaktor in Europa bleiben und dies in einem Umfeld, in dem die Vision einer von den USA und der Nato unabhängigen und strategisch autonomen EU auf absehbare Zeit unerreichbar bleibt«, schreibt der Bundesrat in seiner Pressemitteilung. Der Kriegsschauplatz im Nahen Osten umfasse neben Gaza auch die Seewege um Jemen.

»Die Wahrscheinlichkeit einer militärischen Eskalation zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah steigt zudem.« Außerdem kam es erstmals zu einem direkten militärischen Schlagabtausch zwischen Israel und dem Iran.

Auch nehme europaweit die Bedrohung des gewalttätigen Extremismus zu und damit insbesondere in der Schweiz das Risiko, dass gewalttätige linksextremistische Kreise gezielte Gewalt gegen Personen einsetzen oder sogar Terroranschläge verüben könnte. Die Bedrohung durch rechtsextremistisch motivierten Terror in Europa steige ebenfalls. So gab es auch in der Schweiz mehrere Fälle sehr junger Personen, die bereit waren, einen Terrorakt zu begehen.

Desinformation und Propaganda

Im Bereich der Spionage sieht der Bundesrat vor allem die Beschaffung von Rüstungstechnologien und die Beziehungen der Schweiz zur EU sowie zur NATO im Fokus. Nachrichtendienstliche Netzwerke im Ausland beschaffen aber auch sanktionierte Güter oder verbreiten Desinformation und Propaganda.

Künftig möchte der Bundesrat daher Bedrohungsszenarien besser antizipieren. Zu diesem Zweck hat er am Mittwoch das Staatssekretariat für Sicherheitspolitik damit beauftragt, den »Sicherheitspolitischen Bericht 2025« in Angriff zu nehmen. Oberstes Ziel sei es, strategische Leitlinien festzulegen. Das Staatssekretariat hat nun ein Jahr lang Zeit dafür.

Magdeburg

AfD-Veranstaltung: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Steimle

Ein Auftritt des Kabarettisten Uwe Steimle auf einer AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau hat die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Zudem gab es Kritik wegen des Singens der DDR-Nationalhymne

 15.07.2026

Kalenderblatt

Der Marschall war vieles, aber kein Judenretter: Philippe Pétain taugt auch 75 Jahre nach seinem Tod für einen Skandal

Marschall Pétain, Verdun, Vichy-Regime - war da was? Über einen Mann, der im Nachbarland Frankreich vom Helden zum Verfemten wurde und über das Schicksal von Tausenden Juden im Zweiten Weltkrieg mitbestimmte

von Joachim Heinz  15.07.2026

Wahlen

Friedrich Merz: Werde alles tun, damit AfD nicht in Verantwortung kommt

Viele sorgen sich vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern vor möglichen Wahlsiegen der AfD. Kanzler Merz hingegen gibt sich zuversichtlich, dass das zu verhindern sei

 15.07.2026

Meinung

Die Fußball-WM war ein voller Erfolg

Schon jetzt steht fest, dass die Weltmeisterschaft 2026 unvergesslich bleiben wird. Zumindest, wenn man die Kriterien des Fußballphilosophen Nick Hornby zugrunde legt

von Elke Wittich  15.07.2026

Kommentar

Sichere Hochschule auch für Jüdinnen und Juden!

Sicherheit ist zentral, aber auch Respekt vor Arbeitsruhegeboten. Wer Prüfungen auf hohe jüdische Feiertage legt, verlangt von Juden, für ihre Religionsausübung Nachteile beim Studienfortschritt in Kauf zu nehmen

von Volker Beck  15.07.2026

Iran

Propagandaplakat in Teheran zeigt Trump im Sarg

Auf dem Plakat wird Vergeltung gefordert. Doch viele Iranerinnen und Iraner stehen den Racheaufrufen kritisch gegenüber

 15.07.2026

Chemnitz

Neonazi Liebich nach Deutschland gebracht

Schon Ende August 2025 sollte er die Haft antreten, floh jedoch stattdessen. Einige Monate später wurde der Neonazi gefasst, nun ist er wieder in Deutschland. Wo kommt Liebich nun hinter Gitter?

 15.07.2026

Erfurt

Hape Kerkeling für Anhörung zu AfD-Verbot geladen

Der Kabarettist ist auf Betreiben der Linken eingeladen. Der Komiker werde sich aber »zu dieser Angelegenheit derzeit nicht äußern«, teilt sein Büro mit

 15.07.2026

Washington D.C.

USA starten Kampagne gegen Internationalen Strafgerichtshof

US-Außenminister Marco Rubio wirft dem ICC einen Angriff auf die amerikanische Souveränität vor. Er plant eine koordinierte Reaktion verschiedener US-Behörden

 15.07.2026