Einspruch

Schaden und Nutzen

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Gregor Zielke

Einspruch

Schaden und Nutzen

Josef Schuster findet die Debatte über Rassismus bei der Polizei wichtig, wundert sich aber, wie sie derzeit geführt wird

von Josef Schuster  02.07.2020 09:07 Uhr

Es ist ein offenes Geheimnis: Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland hat qua Amt Personenschutz. Ich bin stets von den Beamten umgeben, ich sehe sie häufiger als meine Frau. Viele Menschen in unserem Land werden auf Schritt und Tritt begleitet.

Personenschützer haben sich beruflich verpflichtet, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um die ihnen anvertraute Person zu schützen. Ich bin selten Menschen begegnet, die ein so hohes Maß an Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein mitbringen wie meine Personenschützer.

Polizisten Sie sind Polizisten. Und sie sind Menschen wie du und ich. Das heißt, dass sie manchmal vielleicht Vorurteile gegenüber anderen haben – so wie jeder von uns. Das heißt aber nicht, dass sie Rassisten sind.

Die jüdische Gemeinschaft weiß, wie sehr sie die Polizei braucht. Wir können ohne ihren Schutz in Deutschland nicht existieren.

Es gab schlimme Fälle von Rassismus und Rechtsextremismus in der Polizei, die bekannt wurden, in Sachsen oder jüngst in Hessen. Und es ist gut, dass diese Fälle ans Licht kamen. Jeder Polizist, der solche Missstände in den eigenen Reihen entdeckt, kann nur ermuntert werden, sie offenzulegen. Hier darf es keinen falsch verstandenen Korpsgeist geben.

Bundeswehr Das Gleiche gilt für die Bundeswehr. Institutionen, die durch ihre Struktur von Befehl und Gehorsam Menschen anziehen, die autoritäres Denken lieben, müssen besonders wachsam sein – auch deshalb, weil Rassisten und Rechtsextremisten nicht nur für Bürger gefährlich sind, die in ihr Feindbild passen. Sondern weil sie all ihren Kolleginnen und Kollegen schaden, die aufrichtig und gewissenhaft ihren Dienst verrichten.

Die jüdische Gemeinschaft weiß, wie sehr sie die Polizei braucht. Wir können ohne ihren Schutz in Deutschland nicht existieren. Meine Personenschützer üben ihren Beruf mit großem Ernst aus. Doch sie haben auch viel Humor.

Derzeit droht ihnen das Lachen zu vergehen. Die momentane Debatte über Rassismus in der Polizei ist wichtig und notwendig. So wie sie geführt wird, kann sie jedoch mindestens so viel Schaden anrichten wie nutzen.

Der Autor ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Berlin

Söder warnt SPD und Grüne vor Koalition mit Linkspartei

Nach der Wahl in Berlin mit dem Sieg der Linkspartei ist noch immer unklar, wer künftig regieren wird. Der CSU-Chef hat eine klare Erwartung für den Umgang mit dem Wahlsieger

 25.09.2026

Kassel/Heidenau

Stadt stoppt Stolpersteine – Künstler: War zu erwarten

Der Stadtrat von Heidenau bei Dresden lässt keine neuen Stolpersteine im Straßenraum zu. Der Initiator der Gedenksteine, Gunter Demnig, warnt vor Unsichtbarkeit der NS-Opfer und will weitermachen

 25.09.2026

Berlin

Schuster: Seit Hamas-Angriff kaum Kontakte zu muslimischen Verbänden

Er hat muslimische Freunde. Doch offizielle Beziehungen zwischen der jüdischen Gemeinde und muslimischen Verbänden gibt es kaum noch. Der Zentralratspräsident kritisiert dies und hofft auf Besserung

 25.09.2026

USA

Rennpferd muss wegen Hitler-Bezug umbenannt werden

Der Jockey Club erhält eine formale Beschwerde, woraufhin der Name des Tieres verboten wird. Wie hieß das Pferd? Und wie heißt es jetzt?

 25.09.2026

New York

Susan Sarandon bei Demo gegen Israel festgenommen

Zwei Proteste gegen Israel fanden während der Rede von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der UNO statt. Bei einer davon wurde zum Mord an ihm aufgerufen

 25.09.2026

New York

Netanjahu vor der UNO: »Israel hat keinen anderen Weg als zu gewinnen«

Der israelische Ministerpräsident spricht über Iran, Katar, die Türkei. Er konfrontiert Kritiker seines Landes, inklusive Bürgermeister Zohran Mamdani

 25.09.2026

Berlin

Berliner Linken-Chefin: »sehr überrascht« über Kritik

Seit der Berlin-Wahl am Sonntag wird bundesweit heftig über Antisemitismus bei der Linkspartei diskutiert. Sieht die Landesvorsitzende Kerstin Wolter ein strukturelles Problem in ihrer Partei?

 25.09.2026

Nach der Wahl

Berliner SPD will mit Linken und CDU sondieren

Die Sozialdemokraten wollen mit dem Wahlsieger Linke und der CDU über eine mögliche Regierungsbildung sprechen. Parteichef Krach nennt eine »rote Linie«

 25.09.2026

New York

Berichte: Iran legt Sieben-Tage-Plan zur Beendigung des Kriegs vor

Die USA und der Iran verhandeln mit Hilfe von Vermittlern über die Zukunft der Straße von Hormus. Nun will die iranische Seite einen Vorschlag ins Spiel gebracht haben

 25.09.2026