Berlin

Sarrazin wünscht SPD krachende Niederlage

Thilo Sarrazin stellte heute in Berlin sein neues Buch »Deutschland auf der schiefen Bahn. Wohin steuert unser Land?« auf einer Pressekonferenz vor. Foto: picture alliance/dpa

Der umstrittene frühere SPD-Politiker Thilo Sarrazin wünscht seiner ehemaligen Partei wegen deren Migrationspolitik eine heftige Niederlage bei den anstehenden Wahlen - damit die SPD danach ihre Position zur Einwanderung ändert. »Wenn ich der SPD eines wünsche, was ich ja darf als Mitglied von 47 Jahren, dass sie jetzt in den drei Landtagswahlen so krachend verliert, dass letztlich ein interner Macht- und Themenwechsel unvermeidlich wird«, sagte Sarrazin in Berlin bei der Vorstellung seines neuen Buches »Deutschland auf der schiefen Bahn«.

Das »Abtöten einer Debatte« um die Probleme mit der Einwanderung sei »eben auch mit dafür verantwortlich, dass die SPD jetzt in den Umfragen da ist, wo sie ist«. Das werde sich nur unter noch größerem Druck ändern, sagte Sarrazin, der früher Finanzsenator in Berlin und danach bei der Bundesbank war. Am 1. September werden in Sachsen und Thüringen neue Landtage gewählt, am 22. September in Brandenburg.

Der 79-Jährige betonte mit Blick auf das strittige Thema Migration: »Das Rezept, mit dem man die AfD bekämpft, liegt bei CDU, Grünen und SPD auf der Straße.« Er sehe dabei aber »im Augenblick keine einzige Partei, die vernünftige Lösungen hat. Ich sehe aber in allen Parteien Menschen, die vernünftige Lösungen wollen.«

Über den mutmaßlich islamistischen Anschlag in Solingen mit drei Toten sagte Sarrazin, das Attentat habe »ein grelles Licht auf die mit Migration verbundenen Kriminalitätsfragen geworfen. Die Verbindung von männlicher Jugend, von kultureller Fremdheit und islamistischer Radikalisierung ist bestürzend und ihr wachsendes Ausmaß erschreckt.«

Helfen würden auch keine Messerverbotszonen. »Das eigentliche Problem ist ja nicht das Messer als solches.« Nötig sei eine strikte Zuwanderungsbegrenzung und ein anderer Umgang zur Frage der Abschiebung. Dafür fehle es aber an »handlungswilligen Mehrheiten«.

»Deutschland auf der schiefen Bahn« ist Sarrazins achtes Buch. Verleger Michael Fleissner vom Verlag Langen Müller sagte, auch frühere Titel »erfreuen sich hoher Absätze«. Das aktuelle Buch zeige, wie recht Sarrazin mit seinem umstrittenen Bestseller »Deutschland schafft sich ab« (Auflage 1,6 Millionen laut Verlag) aus dem Jahr 2010 gehabt habe. dpa

Berlin

Streit um Antisemitismus: SPD und Grüne unterbrechen Sondierungsgespräche

Die Linke will eine rot-grün-rote Koalition in der Hauptstadt schmieden. Doch Grüne und SPD setzen erstmal ein Stoppschild. Auslöser ist der Umgang der Linken mit dem Thema Antisemitismus

 13.10.2026

Kontinuität

Bundesratsinitiative für EU-Forschungskooperation mit Israel

Drei Bundesländer wollen die weitere Beteiligung Israels am EU-Forschungsrahmenprogramm sicherstellen. Dazu wird jetzt eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht

 13.10.2026

Kommentar

Der geplatzte Testballon von Halle

Die AfD wird weiterhin versuchen, sich als ganz normale Partei zu inszenieren, wenn es um jüdisches Leben geht. Ein Angriffsziel bleibt es trotzdem. Deswegen müssen wir achtsamer werden, wenn die Angriffe subtiler werden

von Igor Matviyets  13.10.2026

Sachsen-Anhalt

CDU-Fraktion will bei Ministerpräsidenten-Wahl den Saal verlassen

Kamen Stimmen für die Wahl des AfD-Landtagspräsidenten aus den Reihen der CDU? Für die nächste wichtige Wahl im Dezember will die Fraktion vorbauen und nimmt einen ungewöhnlichen Weg

 13.10.2026

120. Geburtstag

Philosoph Bormuth: Die Gedanken von Hannah Arendt geben Orientierung

Das Werk der Philosophin Hannah Arendt bietet nach Ansicht des Oldenburger Wissenschaftlers Matthias Bormuth Orientierung in polarisierten Zeiten. Ihr Plädoyer für eigenes Denken und streitbaren Austausch sei heute hochaktuell

 13.10.2026

New York

Die US-Linke ist besessen von Palästina – nun frisst die Revolution ihre eigenen Kinder

Zohran Mamdanis Aufstieg hat in der Demokratischen Partei einen Linksruck ausgelöst. Längst ist der Bürgermeister der US-Metropole mit seiner zweifelhaften Anti-Israel-Rhetorik zur Ikone der Palästina-Bewegung in Amerika geworden. Nun wird er Teilen des eigenen Lagers zu weich

von Jan Klauth  13.10.2026

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

9. November

Bautzen erinnert an Novemberpogrome 1938

Der Bautzener Kornmarkt war Schauplatz der Novemberpogrome von 1938. Eine temporäre Installation soll am authentischen Ort an NS-Opfer erinnern

 13.10.2026